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Mehr Hilfen für Flüchtlinge bei Aufnahme eines Studiums

Die Bundesregierung will die Hochschulen mit einem millionenschweren Maßnahmenpaket dabei unterstützen, Flüchtlingen den Zugang zum Studium zu ermöglichen. Dafür stehen in den nächsten Jahren rund 100 Millionen Euro bereit, davon 27 Millionen Euro im kommenden Jahr, wie das Bundesbildungsministerium am Freitag in Berlin mitteilte. Die Maßnahmen zielen unter anderem auf die Zulassungsverfahren, Sprachkurse sowie Informationsangebote.

Berlin (afp) > Die Bundesregierung will die Hochschulen mit einem millionenschweren Maßnahmenpaket dabei unterstützen, Flüchtlingen den Zugang zum Studium zu ermöglichen. Dafür stehen in den nächsten Jahren rund 100 Millionen Euro bereit, davon 27 Millionen Euro im kommenden Jahr, wie das Bundesbildungsministerium am Freitag in Berlin mitteilte. Die Maßnahmen zielen unter anderem auf die Zulassungsverfahren, Sprachkurse sowie Informationsangebote.

“Bildung ist der Schlüssel für die Integration der Flüchtlinge, insbesondere für jene, die dauerhaft eine Perspektive in Deutschland haben”, erklärte Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU). Die Hochschulen seien dabei von großer Bedeutung. Dies gelte auch deshalb, weil sie jahrelange Erfahrungen mit ausländischen Studenten gesammelt hätten. “Wer studieren will und kann, dem wollen wir ein Studium ermöglichen – auch zum Nutzen Deutschlands”, hob Wanka hervor.

Bund übernimmt Gebühren für Sprachtests

Die Maßnahmen sehen laut Ministerium unter anderem vor, die Hochschulzulassungsverfahren zu beschleunigen. Tests zur Studierfähigkeit werden in weitere Sprachen wie Arabisch oder Dari übersetzt. Die anfallenden Testgebühren werden erstattet. Der Bund übernimmt auch die Gebühren für Sprachtests. An den Hochschulen sollen zudem die Studienkollegs zur Vorbereitung auf ein Studium ausgebaut werden. Der Bund wird in den kommenden vier Jahren rund 2400 zusätzliche Plätze jährlich an den Kollegs und vergleichbaren Einrichtungen finanzieren. Zudem richtet sich eine neue Website direkt an Flüchtlinge: Unter www.study-in.de/information-for-refugees/ bekommen sie Informationen über ein Studium in Deutschland.

DAAD

DAAD-Präsidentin Margret Wintermantel: “Die deutschen Hochschulen sind Zentren der Internationalität und stehen für eine gelebte Willkommenskultur”.

Auch Änderungen bei den Bafög-Regelungen sollen Flüchtlingen zugute kommen. Laut Bildungsministerium müssen etwa geduldete Flüchtlinge künftig nicht mehr eine Vierjahresfrist abwarten, ehe sie Bafög-berechtigt sind, sondern können die Unterstützung bereits nach 15 Monaten beantragen. Ursprünglich war dieser Schritt erst im Zuge der Bafög-Reform ab 1. August 2016 geplant. Die Regelung soll nun bereits ab 1. Januar in Kraft treten.

Das Maßnahmenpaket zur Unterstützung der Flüchtlinge wurde zusammen mit dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) erarbeitet. DAAD-Präsidentin Margret Wintermantel erklärte dazu, wenn jungen, talentierten Menschen in Deutschland eine Perspektive durch ein erfolgreiches Studium gegeben werden solle, müssten die Hochschulen unterstützt werden. Diese seien “Zentren der Internationalität und stehen für eine gelebte Willkommenskultur”. Die Hochschulen übernähmen eine “wichtige Vorbildfunktion bei der Integration von Flüchtlingen”.

Die Maßnahmen im Einzelnen:

Baustein 1: Kompetenzen und Qualifikationen erkennen

  • Flüchtlinge, die für ein Studium qualifiziert sein könnten, bringen sehr unterschiedliche Sprachkenntnisse und Kompetenzen mit. Genau zu ermitteln, welche das sind, ob sie zu einem Studium befähigen und wo Unterstützung nötig ist, erleichtert die Integration in reguläre Studienprogramme und trägt zum Studienerfolg bei. Dies geschieht durch eine zielgerichtete Erstberatung und den Einsatz diagnostischer Testverfahren.
  • Hochschulzulassungsverfahren beschleunigen: Flüchtlinge müssen frühzeitig und umfassend beraten werden, damit, sofern erfolgversprechend, möglichst rasch die Zulassungsverfahren für deutsche Hochschulen durchlaufen werden können. Daher werden die Kapazitäten der Arbeits- und Servicestelle für Internationale Studienbewerbungen (Uni-Assist e.V.) ausgebaut und festgelegt, in welchen Fällen der Bund für Flüchtlinge die Gebühren übernehmen kann.
  • Studierfähigkeit von geflüchteten Studienanfängern ermitteln: Mit dem vom BMBF geförderten Test für ausländische Studierende (TestAS) kann die grundsätzliche Studierfähigkeit von Studieninteressenten aus dem Ausland festgestellt werden. Der Test wird nun in weitere Sprachen (zum Beispiel Arabisch, Dari) übersetzt, die anfallenden Testgebühren erstattet, zusätzliche Test-items entwickelt und eine flexible Testabnahme an zentralen deutschen Hochschulstandorten unterstützt.
  • Fachliche Sprachkompetenz einstufen: Ein Großteil der Flüchtlinge wird vor der Aufnahme eines Studiums einen Sprachkurs machen müssen. Zur Feststellung des Leistungsstandes und zur Einstufung in einen vorbereitenden Sprachkurs können die seit Jahren bewährten Sprachtests OnDaF (Deutsch) und onSET (Englisch) eingesetzt werden. Der Bund übernimmt die Gebühren.

Baustein 2: Studierfähigkeit sicherstellen: Fachliche und sprachliche Vorbereitung

  • Mehr Plätze an Studienkollegs: Studienkollegs und vergleichbare Einrichtungen an deutschen Hochschulen bereiten junge Erwachsene aus dem Ausland ohne direkte Hochschulzugangsberechtigung auf ein Studium an einer deutschen Hochschule vor. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erlernen Fachsprachen, fachspezifische Grundkenntnisse, entwickeln individuelle Lernstrategien und Sozialkompetenzen. Der Bund wird in den kommenden vier Jahren rund 2400 zusätzliche Plätze jährlich an Studienkollegs und vergleichbaren Einrichtungen der Hochschulen finanzieren, also rund 10.000 zusätzliche Plätze insgesamt.

Baustein 3: Integration an den Hochschulen unterstützen

  • Studierendeninitiativen unterstützen: Viele Studierende engagieren sich bereits für eine bessere Integration von Flüchtlingen an deutschen Hochschulen. Sie tragen mit diesem Engagement zu einem erfolgreichen Studium und zur sozialen Integration bei. Dafür stehen beispielhaft die „Refugee Law Clinics“ an mehreren Hochschulorten oder Projekte zur Sprachvermittlung durch Lehramtsstudierende bzw. Studenten der deutschen Sprache. Solche Projekte wird der Bund fördern und damit auch den Einsatz der Studierenden würdigen. So können zum Beispiel engagierte Studierende an Welcome Centern der Hochschulen im Rahmen von Mitarbeiterverträgen unterstützt oder Sachkosten übernommen werden.
  • Neues Informationsangebot: Die neue Webseite „Informationen für Flüchtlinge – Studieren und Leben in Deutschland“ unter www.study-in.de/information-for-refugees/ richtet sich an Flüchtlinge, die in Deutschland angekommen sind und hier ein Studium beginnen oder fortsetzen möchten. Die Webseite ist unter anderem auf Arabisch, Dari, Paschtu und Urdu übersetzt und gibt den Nutzern einen Überblick über die wesentlichen Themen, die für ein Studium in Deutschland relevant sind – etwa mit einem Schritt-für-Schritt-Leitfaden von Fragen der Hochschulzugangsberechtigung über Finanzierungsmöglichkeiten bis hin zu Sprachkursen. Auch die Kapazitäten im Informationszentrum des DAAD werden ausgebaut.
  • BAföG für Flüchtlinge: Geduldete und Inhaber bestimmter humanitärer Aufenthaltstitel müssen künftig nicht mehr eine Vierjahresfrist abwarten, ehe sie BAföG-berechtigt sind, sondern können bereits nach 15 Monaten die Unterstützung beantragen. Ursprünglich war die Reduzierung der Frist im Zuge der BAföG-Reform zum 1. August 2016 geplant, sie soll jetzt aber schon zum 1. Januar 2016 in Kraft treten. Anerkannte Flüchtlinge, die studieren, haben bereits jetzt schon die Möglichkeit, umgehend BAföG zu beantragen. Die Unterstützung für BAföG-Berechtigte ist eine gesetzliche Leistung, die Finanzierung hierfür ist deshalb nicht in den oben genannten Mitteln für das neue Maßnahmenpaket enthalten.