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Diversität auf engstem Raum – HR-Management auf Kreuzfahrtschiffen

Internationale Mitarbeiterteams sind in der Schifffahrt schon lange Realität. Auf Kreuzfahrtschiffen muss die Belegschaft miteinander möglichst konfliktfrei kooperieren und ihre Freizeit auf engstem Raum gemeinsam verbringen. Wie das gelingen kann und was sich daraus für das Diversitätsmanagement in anderen Unternehmen lernen lässt, darüber sprach CSR NEWS mit Haike Witzke, Vice President Human Resources Management bei AIDA Cruises. Achim Halfmann sprach in Rostock mit ihr.

Hückeswagen/Rostock (csr-news) > Internationale Mitarbeiterteams sind in der Schifffahrt schon lange Realität. Auf Kreuzfahrtschiffen muss die Belegschaft miteinander möglichst konfliktfrei kooperieren und ihre Freizeit auf engstem Raum gemeinsam verbringen. Wie das gelingen kann und was sich daraus für das Diversitätsmanagement in anderen Unternehmen lernen lässt. Darüber sprach Achim Halfmann mit Haike Witzke, Vice President Human Resources Management bei AIDA Cruises, in Rostock.

CSR NEWS: Erleben Sie in der Schifffahrt einen Fach- und Führungskräftemangel?

Haike Witzke: Arbeitskräfte und Führungskräfte fliegen einem in allen Bereichen nicht mit Selbstverständlichkeit zu. Man muss etwas dafür tun und wissen: Auf welchen Kanälen und mit welchen Medien spreche ich potentielle Mitarbeiter an? Was macht uns attraktiv? Was können wir bieten? Manchen interessiert das Gehalt, aber an die oberste Stelle in der Rekrutierung ist heute die Frage getreten: Was kann ich bei Ihnen werden? Welche Karrierepfade öffnen sich? Unser Interesse ist es ebenso, dass Mitarbeiter nicht nur einen Vertrag fahren, sondern eine Festanstellung eingehen und eine Laufbahn einschlagen.

In Deutschland, Österreich und der Schweiz hat der Führungskräfte-Markt auch angesichts vieler Mitbewerber deutliche Grenzen. Und Mitarbeiter bleiben nicht ein Leben lang. Wenn junge Leute in der Hotellerie zwei oder zweieinhalb Jahre bleiben, ist das schon gut. 20 Prozent bleiben länger und wachsen in die Führungsebene hinein. In dieser Situation schauen wir uns auch die Arbeitsmärkte außerhalb Europas an.

Auf den Schiffen fällt die Belegschaft ziemlich international aus.

Wir haben an Bord ein Verhältnis von 35 Prozent Europäern und 60 Prozent Asiaten. Bei den Offizieren sind es etwa 85 Prozent Europäer. Bewerber aus Asien, vor allem aus den Philippinen, haben meistens eine sehr gute Fachausbildung und teilweise universitäre Abschlüsse. Ihre Herausforderung bei der Arbeit auf einem Kreuzfahrtschiff liegt dann darin, sich auf die Gastgeberrolle im kulturellen Umfeld des deutschen Gastes einzustellen und die deutsche Sprache zu erlernen. Dazu bieten wir das notwendige Training.

Ob ein Mitarbeiter aus Europa oder aus dem asiatischen Raum kommt, ist für mich völlig unerheblich. Wenn er in eine Führungslaufbahn hinein geht, muss er wissen: AIDA ist zu 95% ein deutsches Produkt, unsere Gäste an Bord kommen zu 95% aus Deutschland. Die Bordsprache für den Gast ist Deutsch. Eine Kommunikation mit dem deutschen Gast muss gewährleistet sein. Das fördern wir bei unseren ausländischen Mitarbeitern intensiv.

Und übrigens nicht nur bei den ausländischen Kollegen: Wir fördern auch bei deutschsprachigen Führungskräften deren Kenntnisse der englischen Sprache: Wer sich sprachlich nicht ausreichend verständigen kann, verfällt oft, wenn auch ungewollt, in einen Befehlston – und das darf nicht passieren.

Die Arbeit auf einem Kreuzfahrtschiff stellt besondere Anforderungen an das Leben und Arbeiten in einem internationalen Team. Wie fördern Sie die nötigen Kompetenzen?

Bei AIDA stellen wir höchste Ansprüche an den Service. Ein Gast entschuldigt auch mal, wenn nicht alles hundertprozentig läuft. Aber er entschuldigt keine Unfreundlichkeit. Vieles macht man mit einer freundlichen Geste gut, das ist das A und O. Das müssen wir also vermitteln.

Seit knapp drei Jahren werden an Bord unserer Schiffe Human Ressources Manager und Trainingsoffiziere eingesetzt. Schiffe mit über 600 Besatzungsmitgliedern an Bord erhalten diese besondere Betreuung und Führungskräfte damit eine Unterstützung bei Trainings, kulturellem Change-Management und in schwierigen Auseinandersetzungen. Unsere HR-Manager und Trainingsoffiziere stammen aus unterschiedlichen Ländern. Hier sind wir sehr international aufgestellt. Der HR-Manager ist für disziplinarische Angelegenheiten und Roundtable-Gespräche an Bord ebenso zuständig wie für das Führungskräfte-Coaching – und damit in all diesen Dingen die rechte Hand des Kapitäns.

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Haike Witzke, Vice President HR-Management bei AIDA Cruises: „Wer bei uns als Hilfskraft einsteigt, hat die Möglichkeit, bis zum Executive Chief aufzusteigen“.

Der HR-Manager setzt sich beispielsweise mit dem Küchenchef zusammen und fragt: Wo liegen die Potentiale in deinem Bereich? Welchem ausländischen Kollegen können wir, wenn er wieder in seinem Heimatland absteigt, einen Karrierepfad mit an die Hand geben, um ihn für eine dauerhafte Mitarbeit zu gewinnen? Denn es ist nicht unser Interesse, dass die Leute kommen und gehen.

Sprachliche Fertigkeiten sind für das berufliche Vorankommen sehr wichtig. In den Philippinen etwa arbeiten wir mit dem Goethe-Institut zusammen, die von uns mitfinanzierte Deutschkurse nach unseren Vorgaben anbieten. Das wird ausgesprochen gut angenommen und auch an Bord bieten unsere Trainingsoffiziere den Mitarbeitern die Möglichkeit, sowohl ihre englischen als auch ihre deutschen Sprachkenntnisse im direkten Austausch oder online zu erweitern. Damit kommen wir auch dem ausdrücklichen Wunsch unserer Mitarbeiter nach. Motivierten Fachkräften stehen attraktive Karrierewege offen und wir zeigen die Chancen anhand konkreter Entwicklungspläne genau auf. Wer bei uns als Hilfskraft einsteigt, hat die Möglichkeit, bis zum Executive Chief aufzusteigen. Zur Weiterbildung stehen unseren Mitarbeitern zudem maßgeschneiderte E-Learning-Angebote zur Verfügung, die überall und zu jeder Zeit genutzt werden können.

Das vollständige Interview im neuen CSR-MAGAZIN.

 

Weitere Themen im nächsten CSR-MAGAZIN:

Die kommende Magazinausgabe steht unter dem Schwerpunktthema „Die Arbeitswelt wird bunter – Unternehmen integrieren Flüchtlinge“. In Fachbeiträge unserer Journalisten wird unter anderem ein Blick in die Vergangenheit geworfen und nach der Lernerfahrung mit Gastarbeitern in den vergangenen Jahrzehnten gefragt. Weitere Beiträge beschäftigen sich mit der aktuellen, ganz praktischen Integration und ihren Herausforderungen. Im Gespräch mit Haike Witzke, Vice President Human Resources Management bei AIDA Cruises, geht es um internationale Mitarbeiterteams in der Schifffahrt und wie diese miteinander möglichst konfliktfrei kooperieren und ihre Freizeit auf engstem Raum gemeinsam verbringen. Außerdem wird gezeigt wo Unternehmen „anpacken“ und sich gemeinsam mit der Zivilgesellschaft um eine Willkommenskultur für die neuen Mitbürger bemühen. Welche Erfahrungen haben Sie in Ihren Unternehmen gesammelt? Beteiligen Sie sich mit einem Statement an redaktion@csr-news.net.

Aber auch das Thema #Dieselgate wird im kommenden Magazin behandelt und unter dem Gesichtspunkt der Unternehmensverantwortung betrachtet. Die Frage ist: Wie ist der Skandal aus CSR-Sicht zu bewerten? Immerhin war VW jahrelang ein Musterknabe, wollte nicht nur seine Produkte sondern auch die Produktion auf grün bzw. blau trimmen. Beteiligen Sie sich auch zu diesem Thema mit Ihrer Sicht der Dinge. Hat der Skandal Auswirkungen auf die Akzeptanz der CSR-Aktivitäten anderer Autohersteller oder sogar anderer Branchen? Haben Nachhaltigkeitsberichte ihre Glaubwürdigkeit verloren? Senden Sie uns Ihr Statement an redaktion@csr-news.net.

 Das neue CSR-MAGAZIN erscheint am 10.Dezember 2015. Sie haben noch kein Abonnement? Hier sichern Sie sich die nächste Ausgabe und viele weitere Vorteile einer Partnerschaft.