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Norwegischer Billigflieger vor Airberlin zur grünsten Airline gekürt

Die norwegische Billigfluggesellschaft Norwegian Air Shuttle landet in einer Rangliste der grünsten Airlines auf dem ersten Platz. In der vom International Council for Clean Transportation (ICCT) veröffentlichten Studie zur Treibstoffeffizienz bei Transatlantikflügen 20 großer Fluggesellschaften belegte die deutsche Lufthansa gemeinsam mit der skandinavischen SAS den vorletzten und British Airways den letzten Platz. Auf dem zweiten Platz landete dagegen Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft Airberlin, die irische Aer Lingus erreichte Platz drei.
-update mit atmosfair Klimaranking-

Berlin (csr-news/afp) > Die norwegische Billigfluggesellschaft Norwegian Air Shuttle landet in einer Rangliste der grünsten Airlines auf dem ersten Platz. In der vom International Council for Clean Transportation (ICCT) veröffentlichten Studie zur Treibstoffeffizienz bei Transatlantikflügen 20 großer Fluggesellschaften belegte die deutsche Lufthansa gemeinsam mit der skandinavischen SAS den vorletzten und British Airways den letzten Platz. Auf dem zweiten Platz landete dagegen Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft Airberlin, die irische Aer Lingus erreichte Platz drei.

Wäre die globale Luftfahrtbranche ein Land, so wäre sie hinsichtlich ihres Kohlendioxid-Ausstoßes auf Platz 7 der weltweiten Rangliste, einen Platz hinter Deutschland. Für mehr als 700 Millionen Tonnen Kohlendioxid ist die Branche verantwortlich – pro Jahr und zwar mit steigender Tendenz. Ohne entsprechende Gegenmaßnahmen, sind sich Experten sicher, sei mit einer Verdreifachung der Emissionen in den nächsten 35 Jahren zu rechnen. Im selben Zeitrahmen sollen sich die Emissionen zahlreicher Staaten um bis zu 80 Prozent reduzieren.

 

Kraftstoffeffizienz und Kohlendioxid-Emissionen für nonstop Hin- und Rückflüge

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Quelle: ICCT

Mit durchschnittlich 40 Passagierkilometern pro Liter Treibstoff schnitt Norwegian Air Shuttle, in der aktuellen Untersuchung, effizienter und emissionsärmer ab als alle Konkurrenten. Dies ist unter anderem auch auf hocheffiziente Technologien zurückzuführen. Norwegian Air Shuttle ist eine der Airlines, die in neue moderne Flugzeuge investiert haben und von deren geringeren Emissionen im aktuellen Ranking profitieren. Immerhin verbraucht die skandinavische Airline, die siebtgrößte Billigfluggesellschaft weltweit, damit rund 14 Prozent Treibstoff weniger als die zweitplatzierte Airberlin, die pro Liter 35 Passagierkilometer zurücklegt. Ganze 51 Prozent Treibstoff mehr braucht die letztplatzierte British Airways, die mit einem Liter nur 27 Passagierkilometer schafft. Die Lufthansa kommt mit 28 Passagierkilometern pro Liter nur unwesentlich weiter. Passagierkilometer berechnen sich aus der Zahl der beförderten Passagiere multipliziert mit der zurückgelegten Strecke. Immerhin waren die drei am wenigsten effizienten Fluglinien (Lufthansa, SAS und British Airways) zusammen für ein Fünftel aller Sitzplatz-Kilometer auf transatlantischen Flügen verantwortlich und verbrauchten bis zu 51 Prozent mehr Kraftstoff je Passagierkilometer als die effizienteste Fluglinie, Norwegian Air Shuttle.

Uneinigkeit bei der Verteilung der Reduktionsverpflichten

Als wichtige Faktoren bei der Treibstoffeffizienz gab das ICCT einerseits die Sitzanordnung innerhalb eines Flugzeuges und andererseits das Alter und den technischen Standard der Maschinen an. Zudem seien Sitzplätze in der First und Business Class für etwa ein Drittel aller Emissionen verantwortlich, obwohl sie nur 14 Prozent aller Plätze ausmachten. Auf einem nonstop Hin- und Rückflug werden im Durchschnitt ca. eine Tonne CO2 Emissionen je Passagier ausgestoßen. Dies entspricht den jährlichen CO2-Emissionen eines Toyota Prius Pkw auf einer 35 Kilometer langen täglichen Pendelstrecke.

 

Durchschnittliche Kraftstoffeffizienz auf Transatlantikrouten

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Quelle: ICCT

Die gemeinnützige US-Organisation ICCT, die auch maßgeblich an der Aufdeckung der Abgasaffäre bei Volkswagen beteiligt war, veröffentlichte die Rangliste rund zwei Wochen vor Beginn der UN-Klimakonferenz in Paris bei der auch darüber beraten wird, wie die Treibhausgase aus dem internationalen Luftfahrtbereich in eine globale Klimaschutzvereinbarung integriert werden können. Bestrebungen der “International Civil Aviation Organization (ICAO)”, die sich verpflichtet hat, bis 2016 einen globalen Rahmen für die Kohlendioxid-Emissionen und die Kraftstoffeffizienz von Flugzeugen zu entwickeln, kommen derzeit kaum voran, weil nach wie vor Uneinigkeit bei der Verteilung der Reduktionsverpflichten zwischen den einzelnen Fluglinien herrscht. Die Europäische Union verpflichtete außereuropäische Fluglinien ursprünglich dazu, am europäischen Emissionshandelssystem teilzunehmen, sofern diese Flughäfen in Europa ansteuerten. Allerdings wurde diese Verpflichtung 2012 vorübergehend außer Kraft gesetzt. Sollte das von ICAO zu entwickelnde Rahmenwerk als unzureichend erachtet werden, so könnte die Europäische Union zu ihrer ursprünglichen Verpflichtung auch für außereuropäische Fluglinien zurückkehren.

-update mit atmosfair Klimaranking-

Die fünf großen chinesischen Airlines haben ihre Flugkilometer in einem Jahr um 12 Prozent gesteigert, dabei stieg aber auch ihr CO2-Ausstoß um etwa 8 Prozent. Das bedeutet keine Entkopplung von Verkehrsleistung und Klimabelastung, die weltweit von der Luftfahrt ab 2020 angestrebt wird. Für die Airlines weltweit gilt, dass im Mittel ihr CO2 etwa halb so schnell ansteigt wie ihre Verkehrsleistung. Dies geht aus dem neuen atmosfair Airline Index (AAI) 2015 hervor, der heute in Berlin vorgestellt wurde. Der Index vergleicht die Treibhausgasemissionen der 198 größten Fluggesellschaften weltweit und bewertet deren CO2-Effizienz. Insgesamt bildet der AAI mit gut 31.5 Millionen Flügen rund um den Globus etwa 92 Prozent des weltweiten Luftverkehrs ab. „Während sich der Anstieg von CO2-Emissionen aus Energienutzung weltweit weiter verlangsamt und 2014 zum Stillstand gekommen ist, scheinen Emissionen aus dem Flugverkehr weiter anzusteigen. China und der mittlere Osten sind dabei die größten Wachstumsregionen“ so Dietrich Brockhagen, Geschäftsführer von atmosfair. Mit ihren Emissionen liegt die Luftverkehrswirtschaft damit weltweit weit ab von einem Entwicklungsweg, der die globale Erwärmung auf maximal 2 Grad Celsius beschränkt.

Effizienssteigerung durch neue Flugzeugmodelle

Die steigende Effizienz der Airlines ist, das zeigen die Berechnungen des AAI, zum Großteil auf den Ersatz älterer Flugzeugmodelle wie der Boeing 747 oder ältere Boeing 737 Modelle durch die Boeing 777, Airbus 330 oder Boeing 737-Next Generation zurückzuführen. Hinzu kommt auch ein verstärkter Einsatz der hocheffizienten Boeing 787. Die neuste Generation wie der Airbus A350 wurde erst Ende 2014 ausgeliefert und ist deswegen im vorliegenden Airline Index noch nicht enthalten. Positiv wirken sich weiter die Nachrüstung mit aerodynamischen Flügelspitzen (Winglets) aus. Zum ersten Mal schaffte es eine Airline in die höchste Effizienzklasse A: Tunis Air Express, eine Regionalairline, konnte auf der Kurzstrecke das technisch mögliche Optimum von über 90 Prozent erreichen. In die Effizienzklasse B flogen nur 14 der 198 von atmosfair getesteten weltweit größten Fluggesellschaften, das bedeutet praktisch keine Veränderung zum Vorjahr. Unter den deutschen Fluggesellschaften schneidet der Ferienflieger Tuifly mit einem stabilen Platz drei im Welt-Ranking und in der Effizienzklasse B am besten ab. Es folgen AirBerlin und Condor (aufgestiegen auf Platz 18, Klasse C).

Im Atmosfair Airline Index (AAI) kann jede Fluggesellschaft 0 und 100 Effizienzpunkte erhalten, getrennt nach Kurz-, Mittel- und Langstrecke. So kann jeder Fluggast vor einem Flug die Fluggesellschaften vergleichen, die Flüge zu seinem Ziel anbieten und sich für diejenige entscheiden, die am wenigsten CO2 produziert. Dies ist vor allem für Unternehmen mit vielen Geschäftsreisen interessant, die im besten Fall durch den Wechsel der Fluggesellschaft nicht nur CO2 sondern auch Ticketkosten sparen können.

Der atmosfair Airline Index 2015 zum Download.

 

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