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Leihen oder reparieren statt wegwerfen und neu kaufen

Berlin (afp) > Autos teilen, Bohrmaschinen ausleihen, Bücher tauschen: “Nutzen statt besitzen” lautet das diesjährige Motto der europäischen Woche der Abfallvermeidung. Mit rund 370 Veranstaltungen widmen sich Kommunen, Schulen, Behörden, Netzwerke und Initiativen dem Thema Abfallvermeidung und Ressourcenschutz, wie Katherina Reiche, Hauptgeschäftsführerin des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU), am Montag in Berlin bei einer Auftaktveranstaltung sagte.

Mit dem Carsharing sei das Motto der Aktionswoche schon in vielen Köpfen angekommen, sagte Jochen Flasbarth (SPD), Staatssekretär im Bundesumweltministerium. Es gebe aber noch viele andere Produkte, “die man nicht besitzen muss, sondern sich auch teilen kann”, sagte er mit Verweis auf Bohrmaschinen und andere Geräte, die nicht täglich benötigt würden. Großen Handlungsbedarf gebe es beim Thema Reparaturfreundlichkeit. Es diene nicht der Abfallvermeidung, wenn große Geräte weggeworfen werden müssten, obwohl nur ein kleines Einzelteil defekt sei. So werde für Deutschland gerade ein neues Label geprüft, bei dem Käufer erkennen könnten, dass die Ersatzteile mindestens zehn Jahre erhältlich sind.

Erheblicher Handlungsbedarf

Auch Maria Krautzberger, Präsidentin des Umweltbundesamtes, sieht eine ökologische Produktgestaltung “als Schlüssel zum Erfolg”. Material und Produktionswege hätten Einfluss auf die Lebensdauer von Alltagsprodukten. In diese Richtung ziele die sogenannte Ökodesign-Richtlinie. Krautzberger sieht trotz aller Erfolge beim Recycling “erheblichen Handlungsbedarf”, da die Abfallmenge in Deutschland in den vergangenen Jahren nicht wesentlich zurückgegangen sei. Im Jahr 2013 habe die Abfallmenge pro Bundesbürger mit 617 Kilogramm weit über dem EU-Durchschnitt von 481 Kilogramm gelegen. Allein die Verpackungsmüllmenge sei hierzulande auf 17,1 Millionen Tonnen pro Jahr angestiegen.

“Nahezu skandalös” sei das Ausmaß der Lebensmittelabfälle und der Verpackungsmüll beim Außer-Haus-Verzehr. “Hier kann man viel tun”, sagte Krautzberger und würdigte “viele tolle Initiativen in Deutschland und der EU”. “Jeder muss bei sich selber anfangen”, betonte die Vorstandsvorsitzende der Berliner Stadtreinigung, Tanja Wielgoß. Abfallvermeidung sei “vor allem eine Kopfsache”, weshalb das kommunale Unternehmen viel mit Kindergärten und Schulen zusammenarbeite, um das Bewusstsein zu schaffen. “Jedes Jahr ein neues iPhone ist schick, aber total kontraproduktiv in der Abfallfrage.”

 2,4 Milliarden Tonnen Müll pro Jahr

Flasbarth verteidigte die von vielen Verbrauchern kritisierten EU-Gesetze, die – wie die Glühbirnen-Verordnung oder Regelungen zum Stromverbrauch von Staubsaugern – Abfallvermeidung und Ressourcenschutz zum Ziel hätten. Es sei wichtig, auf Ebene der EU anzusetzen, denn diese sei mit 2,4 Milliarden Tonnen Müll pro Jahr ein “Abfallgigant”. Mit Spannung erwarte die Bundesregierung daher den neuen Vorschlag für das Gesetzespaket zur Novelle des Europäischen Abfallrechts, den die EU-Kommission Anfang Dezember vorlegen wolle, sagte Flasbarth.

 

Weitere Informationen im Internet: www.wochederabfallvermeidung.de