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Umweltverbände erwarten von Klimaabkommen nur „die Hälfte der Miete“

Die deutschen Umweltverbände erwarten von der UN-Klimakonferenz in Paris eher ein Startsignal als eine fertige Lösung des Problems der globalen Erwärmung. „Paris liefert ungefähr die Hälfte der Miete“, formulierte die Klimaexpertin des Umweltverbands WWF, Regine Günther, am Montag in Berlin ihre Erwartungen. Die Konferenz sei „ein wichtiger Meilenstein“, aber eben „nur eine Zwischenstation“.

Berlin (afp) > Die deutschen Umweltverbände erwarten von der UN-Klimakonferenz in Paris eher ein Startsignal als eine fertige Lösung des Problems der globalen Erwärmung. „Paris liefert ungefähr die Hälfte der Miete“, formulierte die Klimaexpertin des Umweltverbands WWF, Regine Günther, am Montag in Berlin ihre Erwartungen. Die Konferenz sei „ein wichtiger Meilenstein“, aber eben „nur eine Zwischenstation“.

Günther verwies auf Berechnungen von Experten, wonach die bislang von rund 170 Staaten vor der Pariser Konferenz zugesagten Anstrengungen zur Emissionsminderung lediglich ausreichen dürften, um die Erderwärmung auf etwa 2,7 bis 3,7 Grad zu begrenzen. Dies sei zwar deutlich weniger, als ohne diese Anstrengungen zu erwarten wäre, allerdings auch weit über dem international festgelegten Ziel, die Erwärmung unter zwei Grad oder sogar bei 1,5 Grad zu halten.

Dekarbonisierung der Weltwirtschaft

Die Verbände dringen daher auf einen Revisionsmechanismus, bei dem die bisherigen Anstrengungen für Klimaschutz und -finanzierung alle fünf Jahre auf ihre Wirksamkeit hin überprüft würden. Der Greenpeace-Klimaexperte Martin Kaiser verwies auf den Beschluss der G7-Staaten vom Sommer, in diesem Jahrhundert eine Dekarbonisierung der Weltwirtschaft zu erreichen. Aus klimapolitischer Sicht müsste diese Abkehr von fossilen Energieträgern aber bis spätestens 2050 erreicht sein, forderte Kaiser.

Finanzierung von Klimaschutz und -anpassung

„Es gibt keine Trendwende, aber Anzeichen, dass eine Trendwende möglich sein könnte“, äußerte sich auch der Politische Geschäftsführer der Organisation Germanwatch, Christoph Bals, im Vorfeld von Paris vorsichtig. Auch er sprach von „Minimalzielen“, die sich bisher abzeichneten. Jetzt müsse es darum gehen, das von der Staatengemeinschaft formulierte Zwei-Grad-Ziel oder besser noch das ehrgeizigere 1,5-Grad-Ziel in konkrete Schritte zu einer Senkung des CO2-Ausstoßes zu übersetzen. Bals wies darauf hin, dass das Jahr 2015 nicht nur einen neuen Wärmerekord erreichen wird, sondern auch das Jahr sein dürfte, in dem die weltweiten Durchschnittstemperaturen erstmals um ein Grad über dem Niveau des vorindustriellen Zeitalters liegen. Die Umweltverbände rufen für Sonntag zu einer Großdemonstration in Berlin für mehr Klimaschutz auf.

Die UN-Klimakonferenz in Paris beginnt am kommenden Montag. Ziel ist es, dort bis zum 13. Dezember ein neues, globales Klimaschutzabkommen zu schließen. Wichtige Streitfragen sind neben der Emissionsminderung auch die Finanzierung von Klimaschutz und -anpassung, Kompensationen für eintretende Schäden sowie gemeinsame Regeln, um Klimaschutzanstrengungen transparent miteinander vergleichen zu können.

 

 

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