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Nestlé will keine Meeresfrüchte mehr aus Zwangsarbeit in Thailand

Eine Untersuchung der unabhängigen Organisation Verité für den Lebensmittelriesen Nestlé hat schlimme Arbeitsbedingungen in der thailändischen Fischindustrie bestätigt. Nestlé erklärte daraufhin am Dienstag, bei seinen Zulieferern von Meeresfrüchten hätten Zwangsarbeit, Ausbeutung und Kinderarbeit keinen Platz.

Zürich (afp/csr-news) > Ein Aktionsplan zur Verhinderung solcher Praktiken beginne sofort und werde zunächst bis Ende 2016 in Kraft bleiben. Verité veröffentlichte den Untersuchungsbericht ebenfalls am Dienstag. Darin heißt es, die Arbeiter auf den Fischtrawlern unter thailändischer Kontrolle würden unter falschen Angaben in ihren Herkunftsländern angelockt, unter „unmenschlichen Bedingungen“ nach Thailand gebracht, wo sie oft dazu gezwungen würden, die Kosten für diesen Transport abzuarbeiten. Verité befragte Arbeiter an sechs verschiedenen Orten über drei Monate lang; sie berichteten von gefährlichen Arbeitsbedingungen, Einschüchterung, verbaler und körperlicher Gewalt. „Einige sagten uns, sie seien an einen Kapitän verkauft worden.“

Mangelnde Transparenz in der Lieferkette

Verité bemängelte auch die mangelnde Transparenz in der Lieferkette. Es gebe unzählige Zwischenhändler; viele Arbeiter verbrächten Monate auf See und hätten keine Möglichkeit, mit der Außenwelt zu kommunizieren. Die schweren Menschenrechtsverletzungen in der thailändischen Fischindustrie seien eine „dringende Herausforderung“ für alle Unternehmen, die dort Fisch und Meeresfrüchte einkaufen.

Keine schnelle und einfache Lösung

Nestlé hatte Verité mit der Untersuchung beauftragt, nachdem in den USA eine Sammelklage gegen den Konzern eingereicht worden war. Die Kanzlei Hagen Berman beschuldigte Nestlé in der Klage, „bewusst“ die „Sklaverei“ in der thailändischen Fischindustrie zu unterstützen, weil der Lebensmittelriese Meeresfrüchte für sein Katzenfutter vom thailändischen Unternehmen Thai Union Frozen Products kaufe. Nestlé wies den Vorwurf zurück und verwies auf seinen Verhaltenskodex für die Zulieferer, Menschen- und Arbeiterrechte zu beachten. „Wir arbeiten gemeinsam mit anderen globalen und lokalen Akteuren daran, dieses schwerwiegende und komplexe Problem zu adressieren“, so Madgi Batato, Executive Vice President of Operations bei Nestlé. „Der Aktionsplan wird uns dabei helfen, das Leben der betroffenen Arbeiter zu verbessern. Allerdings wird dies kein schnelles und einfaches Unterfangen, doch wir sind zuversichtlich, in den folgenden Monaten signifikante Fortschritte zu erzielen.“

Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) hatte schon vor zwei Jahren massive Kritik an der thailändischen Fischindustrie geübt. Sie prangerte Zwangsarbeit und Gewalt an. Thailand ist der drittgrößte Fischexporteur der Welt. Die Fischindustrie, darunter auch die lukrativen Fisch- und Shrimps-Farmen und der Verpackungssektor, machen 1,2 Prozent der thailändischen Wirtschaft aus.

 

 

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