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VW-Führung äußert sich ausführlich zum Skandal und verrät doch wenig

Erstmals seit Bekanntwerden der Abgas-Affäre hat Volkswagen sich öffentlich zum Stand der Aufklärung geäußert – und wenig Neues verkündet. Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch bekräftigte, dass eine „überschaubare Gruppe“ von Mitarbeitern für die Manipulationen verantwortlich sei. Konzern-Chef Matthias Müller versprach, die Krise als „Katalysator für Wandel“ zu nutzen, den der Autobauer brauche.

Wolfsburg (afp) > Erstmals seit Bekanntwerden der Abgas-Affäre hat Volkswagen sich öffentlich zum Stand der Aufklärung geäußert – und wenig Neues verkündet. Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch bekräftigte am Donnerstag in Wolfsburg, dass eine „überschaubare Gruppe“ von Mitarbeitern für die Manipulationen verantwortlich sei. Konzern-Chef Matthias Müller versprach, die Krise als „Katalysator für Wandel“ zu nutzen, den der Autobauer brauche.

Zusammenspiel dreier Faktoren

Der Abgas-Skandal hat laut Pötsch seinen Ursprung bereits im Jahr 2005. Eine zentrale Erkenntnis der Aufarbeitung sei, dass hinter dem Skandal eine „Fehlerkette“ stehe, „die zu keinem Zeitpunkt durchbrochen wurde“, sagte Pötsch. Da kein Weg gefunden worden sei, die strengen Stickoxid-Vorgaben in den USA zu erfüllen, sei es zum Einbau der Manipulationssoftware gekommen. Die Verantwortlichen dafür stammten aus dem Bereich Motorenentwicklung; es gebe „keine Erkenntnisse“ darüber, dass Mitglieder des Aufsichtsrates oder des Vorstands von den Vorgängen gewusst hätten. „Ein Zusammenspiel dreier Faktoren“ war dem Aufsichtsratschef und Ex-Finanzvorstand zufolge der Grund dafür, dass der Betrug erst so spät ans Licht kam: Neben individuellem Fehlverhalten habe es „Schwachstellen in Prozessen“ und eine Haltung in Teilbereichen des Unternehmens gegeben, „Regelverstöße zu tolerieren“. Letzteres sei „am schwierigsten zu akzeptieren“, sagte Pötsch.

Vertrauen zurückgewinnen

Eine Konsequenz aus dem Skandal sei, dass die Entwicklung der Software zur Motorsteuerung künftig „unter strikter Einhaltung des Vier-Augen-Prinzips“ erfolge. Als weitere Konsequenz will Volkswagen den Ausstoß von Emissionen „extern und unabhängig“ überprüfen lassen. Es würden Straßentests eingeführt, sagte Pötsch. „Damit tragen wir hoffentlich dazu bei, Vertrauen zurückzugewinnen.“ Derzeit werden Autos nur auf dem Prüfstand getestet. Straßentests sind in der EU ab September 2017 verpflichtend – für alle neu zugelassenen Fahrzeuge ab September 2019. 450 Spezialisten sind Pötsch zufolge derzeit damit beschäftigt, den Skandal aufzuarbeiten. Datenmaterial im Volumen von 50 Millionen Büchern sei gesichert, über 80 „ausführliche Einzelinterviews“ mit Mitarbeitern geführt und 1500 elektronische Datenträger eingesammelt worden.

Aus finanzieller Sicht sei die Lage bei VW „angespannt aber nicht dramatisch“, sagte Müller. Das operative Geschäft liege weiter im Rahmen der Erwartungen und auch die Bestellungen seien stabil geblieben. Dennoch habe sich VW „zusätzliche Kreditlinien“ gesichert und für alle Eventualitäten vorgesorgt. Künftig solle konzernweit ein anderes Klima vorherrschen, erläuterte Müller. Es solle offener diskutiert und – falls nötig – in der Sache gestritten werden, sagte der VW-Chef. Volkswagen solle zum Unternehmen der „Neugierigen und Unangepassten“ werden, „den Mutigen“ gehöre die Zukunft.

VW löse die Probleme technisch, aber nicht kulturell

Der Duisburger Autoforscher Ferdinand Dudenhöffer zeigte sich mit den Erklärungen nicht zufrieden: „Wenige Böse werden schonungslos gejagt“, sagte er AFP mit Blick auf den kleinen Kreis der Verdächtigen. VW löse die Probleme technisch, aber nicht kulturell. Das Kernproblem bleibe der Aufsichtsrat, der in seiner traditionellen Besetzung mit dem starken Einfluss durch Arbeitnehmer und das Land Niedersachsen keine Veränderungen zulasse. Der Volkswagen-Konzern hatte im September zugeben müssen, dass weltweit bei rund elf Millionen Dieselfahrzeugen eine Manipulations-Software eingesetzt wurde, die den Stickoxid-Ausstoß im Testbetrieb als zu niedrig auswies.

 

 

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