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Streit ums Tierwohl – Landwirte protestieren bei Edeka

Knapp 12 Monate nach ihrer Gründung scheint bei der „Initiative Tierwohl“ noch nicht alles rund zu laufen. Landwirte aus dem Kreis Westfalen-Lippe haben in dieser Woche vor Edeka-Märkten im gesamten Landkreis gegen die gängige Praxis demonstriert. Zudem haben sie in der Edeka-Zentrale eine Resolution übergeben, in der sie mehr Geld für das Tierwohl-Engagement fordern.

Minden (csr-news) > Knapp 12 Monate nach ihrer Gründung scheint bei der „Initiative Tierwohl“ noch nicht alles rund zu laufen. Landwirte aus dem Kreis Westfalen-Lippe haben in dieser Woche vor Edeka-Märkten im gesamten Landkreis gegen die gängige Praxis demonstriert. Zudem haben sie in der Edeka-Zentrale eine Resolution übergeben, in der sie mehr Geld für das Tierwohl-Engagement fordern.

Den Landwirten geht es um die starre Haltung des Lebensmitteleinzelhändlers bei der Umsetzung höherer Tierwohlstandards in der Nutztierhaltung. „Es ist das Ziel der Landwirtschaft und der „Initiative Tierwohl“, erstmalig flächendeckend und freiwillig in ganz Deutschland höhere Tierwohlstandards umzusetzen und dabei auch den Verbraucher mit in die Pflicht zu nehmen. Wir Bauern wie auch viele Tierschützer und Verbraucher verstehen nicht, warum sich Edeka – anders als alle anderen großen Discounter und Lebensmitteileinzelhändler in Deutschland – gegen eine geringfügige Erhöhung der Verkaufspreise für Schweinefleisch um 2 Cent je Kilogramm sperrt. Dies gefährdet den Erfolg der Initiative insgesamt“, sagte Hubertus Beringmeier, Vorsitzender des WLV-Fachausschuss Schweinefleisch.

2015 rund 85 Millionen Euro in den Fonds eingezahlt

Doch Edeka sieht zunächst die Landwirtschaft in der Pflicht. „Die Edeka-Genossenschaften sind Mit-Initiatoren des Tierwohl-Bündnisses. Die Edeka Minden-Hannover hat sich freiwillig verpflichtet, einen zweistelligen Millionenbetrag in den Fonds einzuzahlen“, erläutert Frank Thiedig, der für die Edeka Minden-Hannover an den Verhandlungen teilgenommen hat. „Wir sind bereit, über eine Mehrzahlung des Handels zu diskutieren, wenn die vertraglich vereinbarte Erfolgsmessung der Maßnahmen vorliegt. Bislang bremsen Landwirtschaft und Schlachtunternehmen eine neutrale Überprüfung des Tierwohls aus.“ Bislang haben sechs Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels in 2015 rund 85 Millionen Euro in den Fonds eingezahlt. Da sich die Unternehmen zunächst zu einem dreijährigen Engagement verpflichtet hatten, stehen der Landwirtschaft insgesamt 255 Millionen Euro für mehr Tierwohl zur Verfügung. Doch die Summe scheint nicht zu reichen.

Tierwohl-Zuschlag von 4 auf 6 Cent je Kilogramm anheben

So haben sich im April 2015 bundesweit über 4.600 Schweine haltende Betreibe – in Westfalen-Lippe über 1.200 – bereit erklärt, bei der Initiative Tierwohl mitzumachen und laut eigenen Angaben vielfach bereits Umbaumaßnahmen in ihren Ställen vorfinanziert. Aufgrund der bisher sehr begrenzten Finanzmittel der Initiative Tierwohl warten bis heute jedoch bundesweit über 2.500 Betriebe – in Westfalen-Lippe über 700 – vergeblich auf die Möglichkeit, bei diesem Pilotprojekt mitzumachen und ihre Kosten erstattet zu bekommen, so der Westfälisch-Lippischer Landwirtschaftsverband. „Durch die Anhebung des bisher vereinbarten „Tierwohl-Zuschlags“ von 4 auf 6 Cent je Kilogramm Schweinefleisch an den Fleischtheken des Lebensmitteleinzelhandels könnten dagegen alle Bauern, die an der Initiative teilnehmen wollen, auch tatsächlich mitmachen. Dass dies an 2 Cent pro Kilogramm Fleisch scheitern soll, ist niemandem zu vermitteln“, so Beringmeier.

Bei Edeka verweist man stattdessen auf den für 2015 vertraglich vereinbarten sogenannten Tierwohlindex, der auf Basis konkreter Befunddaten Hinweise auf das Wohlbefinden der Tiere geben soll. Inzwischen wurde dieser auf das zweite Halbjahr 2016 vertagt. So würde aus Sicht des Lebensmittelhändlers derzeit die finanzielle Last ausschließlich beim Handel liegen. „Bei allem Verständnis für die Sorgen der Landwirtschaft hätte ich erwartet, dass vor allem Handelsunternehmen, die sich noch nicht an der Initiative beteiligen, von der Landwirtschaft diese Resolution erhalten würden“, so Thiedig. „Auch das Handwerk, die Gastronomie und vor allem die fleischverarbeitende und fleischexportierende Industrie zahlen bisher nicht einen Cent in den Fonds ein“.

 

Dass es auch anders gehen kann, zeigt sich laut Edeka beim Deutschen Tierschutzlabel, dass über höhere Standards verfügt und dessen Kriterien vom Deutschen Tierschutzbund auf Einhaltung überprüft werden. „Wir waren Pioniere bei der Initiative Tierwohl und wir waren Pioniere bei der Einführung des Deutschen Tierschutzlabels. Als einziger Lebensmittelhändler vermarkten wir Schweinefleisch in der TSL-Einstiegstufe und in der TSL-Premiumstufe“, so Thiedig. „Wir stehen uneingeschränkt zur Brancheninitiative Tierwohl, sind aber anderseits verpflichtet, dass die Landwirtschaft das Tierwohl auch transparent macht. Ich bin davon überzeugt, dass sich die Branche auf die Erwartungen unserer Kunden einstellen und den heutigen Anforderungen an eine moderne transparente Landwirtschaft nachkommen wird.“

 

 

 

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