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Studie: Immer mehr Anleger achten auf soziale Aspekte

Immer mehr Anleger in Deutschland achten einer Studie zufolge vermehrt auf die gesellschaftlichen, sozialen und ökologischen Auswirkungen von Investments. Der Markt für sogenannte wirkungsorientierte Geldanlagen hat sich seit 2012 verdreifacht, wie aus einer Studie der Bertelsmann Stiftung hervorgeht. Demnach hatten die Anlagen 2015 hierzulande ein Volumen von 70 Millionen Euro – 2012 waren es noch 24 Millionen Euro.

Gütersloh (afp) > Immer mehr Anleger in Deutschland achten einer Studie zufolge vermehrt auf die gesellschaftlichen, sozialen und ökologischen Auswirkungen von Investments. Der Markt für sogenannte wirkungsorientierte Geldanlagen hat sich seit 2012 verdreifacht, wie aus einer Studie der Bertelsmann Stiftung hervorgeht. Demnach hatten die Anlagen 2015 hierzulande ein Volumen von 70 Millionen Euro – 2012 waren es noch 24 Millionen Euro.

„Klassischerweise werden bei Vermögensanlagen die beiden Faktoren Risiko und Rendite betrachtet. Immer mehr Anleger möchten auch die Frage beantwortet haben: Was genau bewirkt mein Geld?“, erklärte Brigitte Mohn, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung, am Freitag in Gütersloh. In Deutschland floss das Geld demnach vor allem in junge Sozialunternehmen, die wachsen wollen und dafür Kapital benötigen. Besonders häufig wurde in Projekte investiert, die sich die Förderung von Beschäftigung oder Bildung zum Ziel gesetzt haben. Geld gaben Investoren auch für Gesundheitsprojekte und Unternehmen, die nachhaltigen Konsum entwickeln wollen. Das investierte Geld kam laut Studie größtenteils von vermögenden Privatleuten. Aber auch Stiftungen nehmen demnach ein aktive Rolle in dem Bereich ein.

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Quelle: Bertelsmann-Stiftung

Ein Beispiel für den dynamisch wachsenden Markt ist die Agentur für soziales Unternehmertum, Social Impact. Sie betreibt in sechs deutschen Städten Zentren zur Unterstützung von meist jungen Unternehmern, die Produkte und Dienstleistungen mit sozialen Zielen entwickeln wollen. Im Dezember startete dort etwa ein durch die Stiftung der staatlichen Förderbank KfW gefördertes Projekt für Start-ups von und für Flüchtlinge. 14 Gründer entwickeln derzeit in den sogenannten Social Impact Labs Unternehmen, die sich zum Ziel setzen, die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt zu verbessern.

Wirkungsorientiertes Investieren als Idee entstand der Bertelsmann-Studie zufolge vor 15 Jahren im angelsächsischen Raum. In Großbritannien beispielsweise zahle der Staat die Dividende an Anleger, wenn sie in Sozialprojekte investieren, die im Erfolgsfall die Staatskasse und Steuerzahler entlasten. Mit Blick auf Deutschland sehen die Studienautoren noch „Finanzierungslücken“ und wünschen sich eine aktive Förderpolitik. „Im internationalen Vergleich sieht man, dass der Markt nur dort nennenswert wächst, wo der Staat geeignete Rahmenbedingungen schafft“, ergänzte Mohn. In Deutschland sei es deshalb empfehlenswert, in einem ersten Schritt eine Kompetenzstelle auf Bundesebene für wirkungsorientiertes Investieren zu schaffen, um einen „ganzheitlichen Förderansatz“ seitens der Politik zu prüfen und umzusetzen.

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Quelle: Bertelsmann-Stiftung

Nachhaltig anlegen können in Deutschland aber nicht nur vermögende Privatleute oder Stiftungen. Auch für den durchschnittlichen Verbraucher gibt es immer mehr Möglichkeiten – beispielsweise bei sogenannten Nachhaltigkeitsbanken. Diese Geldhäuser versprechen, das Geld der Kunden nur in Unternehmen zu stecken, die nachhaltig agieren. Sie haben Kriterien definiert, die bestimmte Geschäftsfelder für Investitionen ausschließen. Dazu zählen etwa Waffen, Atom- und Kohlekraft, Kinderarbeit oder Tierversuche.