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Kolumbianisches Dorf bringt „grünes Gold“ bis nach Cannes

Goldabbau ist harte Arbeit – und oft im doppelten Sinne ein schmutziges Geschäft. So manches Mal profitieren kriminelle Organisationen vom Verkauf des Edelmetalls, illegaler Goldabbau ist keine Seltenheit. So ist es auch in Kolumbien, wo Schätzungen zufolge fast zwei Drittel der Minen keine Genehmigung haben.

La Llanada (afp) > Goldabbau ist harte Arbeit – und oft im doppelten Sinne ein schmutziges Geschäft. So manches Mal profitieren kriminelle Organisationen vom Verkauf des Edelmetalls, illegaler Goldabbau ist keine Seltenheit. So ist es auch in Kolumbien, wo Schätzungen zufolge fast zwei Drittel der Minen keine Genehmigung haben. Doch im Dorf La Llanada läuft es ganz anders, und das mit großem Erfolg: Das „grüne Gold“ aus dem Ort in den Anden schaffte es sogar schon auf den roten Teppich des Filmfestivals von Cannes.

In der Gegend von La Llanada, mehr als 2000 Meter über dem Meeresspiegel, wird schon seit Jahrhunderten Gold abgebaut. Derzeit sind es rund 60 Kilo im Jahr, etwa 90 Prozent der 8000 Dorfbewohner arbeiten in den Minen. Diese sind seit Oktober offiziell „grün“: Die international tätige Nichtregierungsorganisation ARM mit Hauptsitz in Kolumbien hat dem Dorf das Fairmined-Siegel verliehen. Dafür müssen unter anderem bestimmte Umweltvorschriften und Arbeitsbedingungen eingehalten werden und es muss sichergestellt sein, dass die Metallproduktion den örtlichen Gemeinden zugute kommt. Weil in La Llanada giftige Chemikalien wie Zyanid und Quecksilber vermieden werden, erhielt die örtliche Minen-Kooperative Coodmilla noch eine weitere Umweltauszeichnung. „Es handelt sich um ein nachhaltiges Modell, das den Menschen ebenso nützt wie der Natur“, sagt Coodmilla-Chef Diego Riascos. „Das ist sauberes Gold“, betont auch Edison Rosero, der als Vorarbeiter in der Mine seines Onkels tätig ist.

Die vergleichsweise kleine Goldproduktion hat einen Riesen der Schmuckbranche angezogen: das Schweizer Unternehmen Chopard. Der Schmuck- und Uhrenspezialist stellt unter anderem die Goldene Palme her, die beim Filmfestival in Cannes vergeben wird – und die inzwischen mit Material aus La Llanada gefertigt wird. Auch auf dem roten Teppich von Cannes ist das Gold aus Kolumbien beliebt, unter anderem wurde dort die französische Schauspielerin Marion Cotillard mit entsprechenden Schmuckstücken gesichtet. Die Glamourwelt der Côte d’Azur hat ansonsten wenig gemein mit der Gegend um La Llaranda. In den gern für Koka-Anbau genutzten Bergen eskaliert der Jahrzehnte alte Konflikt zwischen Aufständischen und der Regierung immer wieder in Gewalt, auch Erpressungen und Entführungen sind keine Seltenheit.

Doch in La Llaranda haben es die Bewohner geschafft, solche Gefahren weitgehend zu meiden – und sich auch gegen den Zugriff großer Bergbaufirmen zu wehren. Seitdem sich kanadische Unternehmen wegen des Goldpreisverfalls im Zweiten Weltkrieg aus der Region zurückgezogen haben, steht die Ausbeutung der Vorkommen unter lokaler Kontrolle.

Die Auszeichnung mit dem Fairmined-Siegel sei „ein Weg, die Produktion in geordnete Bahnen zu lenken und den Bergbau-Gemeinden mehr Einfluss zu geben“, sagte Lina Villa von der Organisation ARM. In Kolumbien gibt e bislang zwei zertifizierte Gemeinden; vor La Llanada war bereits Iquara im Zentrum des Landes ausgezeichnet worden. Die kolumbianische Regierung arbeite hart dafür, das Modell im ganzen Land zu verbreiten, sagt die stellvertretende Bergbauministerin Maria Isabel Ulloa.

Eins allerdings ändert sich nicht: Die Gewinnung des begehrten Goldes, das in La Llanada in rund einhundert Metern Tiefe im unscheinbaren grauen Gestein verborgen liegt, bleibt extrem hart. „Manchmal setzt man für die Arbeit mehr ein, als sie einbringt“, sagt Vorarbeiter Edison Rosero. „Bergbau ist immer ein Abenteuer.“