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DIW Managerinnen-Barometer 2016: Kaum Fortschritte in Spitzengremien großer Unternehmen

Der Frauenanteil in den Spitzengremien großer deutscher Unternehmen steigt weiterhin nur langsam. Das ergab das neue „Managerinnen-Barometer“ des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Demnach erhöhte sich der Frauenanteil in den Vorständen der 200 umsatzstärksten Firmen und Konzerne im vergangenen Jahr um weniger als einen Prozentpunkt auf sechs Prozent. Besser sah es in den Aufsichtsräten aus. Aber auch dort lag der Anteil der mit Frauen besetzten Positionen nur bei 20 Prozent.

Berlin (csr-news/afp) > Der Frauenanteil in den Spitzengremien großer deutscher Unternehmen steigt weiterhin nur langsam. Das ergab das neue „Managerinnen-Barometer“ des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Demnach erhöhte sich der Frauenanteil in den Vorständen der 200 umsatzstärksten Firmen und Konzerne im vergangenen Jahr um weniger als einen Prozentpunkt auf sechs Prozent. Besser sah es in den Aufsichtsräten aus. Aber auch dort lag der Anteil der mit Frauen besetzten Positionen nur bei 20 Prozent.

„Die Entwicklung gleicht einem Ritt auf der Schnecke“, erklärte Elke Holst, Forschungsdirektorin für Gender Studies am DIW. Wenn die Frauenanteile weiterhin in dem Tempo der vergangenen zehn Jahren stiegen, werde es noch 86 Jahre dauern, bis genauso viele Frauen wie Männer in den Vorständen der Top-200-Unternehmen säßen. In den Aufsichtsräten wäre das immerhin in 25 Jahren geschafft. „Die Frauenanteile verharren also vor allem in den Vorständen noch immer auf einem extrem niedrigen Niveau“, sagt Anja Kirsch, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Personalpolitik der Freien Universität Berlin.

Finanzbranche hinkt hinterher

Seit 2006 beobachten die Wissenschaftler des DIW die Trends bei der Besetzung von Spitzenpositionen in großen deutschen Unternehmen. Die Autorinnen der diesjährigen im DIW-Wochenbericht veröffentlichten Untersuchung betonten, dass nicht alle Unternehmen dabei über einen Kamm geschoren werden könnten. Einige seien deutlich ambitionierter als andere. So habe ein nicht unerheblicher Teil der in den Börsenindices Dax, Mdax, Sdax und Tecdax gelisteten Firmen sowie der Unternehmen mit Bundesbeteiligung zumindest in ihren Aufsichtsräten bereits einen Frauenanteil von 30 Prozent oder mehr.

DIW Managerinnen-Barometer 2016

diw

Das gilt allerdings nicht für den Finanzsektor, für den das DIW die 100 größten Banken und 59 größten Versicherungen untersucht hat, dem die Expertinnen mit Blick auf die Ausgewogenheit in ihren Chefetagen ein schlechtes Zeugnis ausstellten. In den Vorständen von Banken und Versicherungen lag der Frauenanteil demnach im vergangenen Jahr nur bei acht beziehungsweise neun Prozent, in den Aufsichtsräten bei gut 21 beziehungsweise 19 Prozent. Besonders gering war der Frauenanteil in den Kontrollgremien der Genossenschaftsbanken, obwohl diese ein partizipatives Geschäftsmodell verfolgen. „Die geringen Aufstiegschancen wirken sich auch auf den Verdienstunterschied zwischen Frauen und Männern aus“, erklärt Kirsch: „Der sogenannte Gender Pay Gap ist im Finanzsektor im Vergleich zu allen anderen Branchen am größten.“

Der Handlungsbedarf bleibt aus Sicht von Holst und Kirsch unverändert hoch – denn die Quotenregelung allein könne es nicht richten. Zwar verpflichtet das Gesetz insgesamt ungefähr 3.500 Unternehmen, sich Zielgrößen für einen höheren Frauenanteil in Aufsichtsräten, Vorständen und den obersten Managementebenen zu setzen. „Ohne wirkliche Sanktionen bei Nichterfüllung der Zielgrößen könnte sich das Gesetz jedoch als ein zahnloser Tiger herausstellen“, so Holst. Deshalb sollte die Politik durch flankierende Maßnahmen, etwa in der Steuer- und Familienpolitik, versuchen, die Karrierechancen von Frauen zu verbessern. Ein Ansatzpunkt könne das Ehegattensplitting sein. Es biete Frauen falsche Anreize für die Erwerbsbeteiligung und zementiere somit die tradierte Aufgabenteilung zwischen Mann und Frau, so die Autorinnen.