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Emissionsreduktion – Schwachstelle Lieferkette

Große Potenziale zur Reduktion der klimaschädlichen Emissionen liegen in der Lieferkette. Um diese zu managen müssen die Unternehmen Einblick in die Emissionen ihrer Lieferanten bekommen. Doch genau da liegt das Problem. Wie der neue „Global-Supply-Chain-Report-2016“ von CDP und BSR zeigt, kommt fast die Hälfte der wichtigsten Lieferanten großer Konzerne der Anfrage nach einer Berichterstattung von klimarelevanten Informationen nicht nach.

London (csr-news) > Große Potenziale zur Reduktion der klimaschädlichen Emissionen liegen in der Lieferkette. Um diese zu managen müssen die Unternehmen Einblick in die Emissionen ihrer Lieferanten bekommen. Doch genau da liegt das Problem. Wie der neue „Global-Supply-Chain-Report-2016“ von CDP und BSR zeigt, kommt fast die Hälfte der wichtigsten Lieferanten großer Konzerne der Anfrage nach einer Berichterstattung von klimarelevanten Informationen nicht nach.

Es sind große Unternehmen wie Royal Philips, Gas Natural, Pirelli, Nokia oder BMW, die sich mit wirksamen Strategien beschäftigen, um den Auswirkungen der bevorstehenden Klimaregulierung begegnen zu können. Die Notwendigkeit wurde auf der UN- Klimakonferenz in Paris und aktuell in Davos deutlich. Der Klimawandel wird weltweit als größte Bedrohung für die Wirtschaft (Beitrag auf CSR-NEWS) gesehen. Entsprechend geht es den Unternehmen darum, ihre Klimarisiken zu kennen und zu verstehen. Aus diesem Grund arbeiten 75 multinationale Unternehmen mit einem Einkaufsvolumen von 1,85 Billionen Euro mit CDP zusammen, um von ihren 7.879 Hauptlieferanten Informationen über ihre Treibhausgas-Emissionen und Klimarisikostrategien zu erhalten. Doch nur 4.005 der Zulieferer haben tatsächlich ihre Daten eingereicht, 49 Prozent konnten oder wollten die Anfrage nicht bearbeiten. Die fehlenden Informationen stellen einen erheblichen Schwachpunkt dar, heißt es in der Studie, vor allem für die Unternehmen, die sich mit klimaneutralen Prozessen positionieren wollen.

Verlierer des unausweichlichen Wandels

„Wissenschaft und Politik waren nie deutlicher. Treibhausgasemissionen müssen in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts so bald wie möglich auf ein netto-null-Niveau reduziert werden“, sagt Paul Simpson, CEO von CDP. Ohne die Wirtschaft, ohne mit treibender Kraft vorgehende Unternehmen werden sich die Vereinbarungen von Paris kaum umsetzen lassen. Diejenigen, die dazu nicht in der Lage sind, riskieren es laut Studie, die Verlierer des unausweichlichen Wandels zu sein.

Eine nähere Analyse zeigt die Risiken, denen sich die Unternehmen heutzutage stellen müssen: Nahezu drei Viertel der berichtenden Unternehmen (72%) gaben an, dass der Klimawandel ein signifikantes Risiko für Geschäftsabläufe, Umsatz oder Kostenaufwand darstellen könnte. Die Mehrheit der Lieferanten (64%) identifiziert klimabezogene Vorschriften als Risiko, mit „Kraftstoff-„, „Energie-“ und „CO2-Steuern“ als meistgenannte Folgen. Trotz der hohen Wahrnehmung klimabezogener Risiken, haben sich weniger als die Hälfte (45%) der teilnehmenden Lieferanten ein konkretes Ziel zur Reduktion ihrer Emissionen gesetzt, und nur ein Drittel (34%) haben ihre Treibhausgasemissionen im letzten Jahr gesenkt.

Europäische Lieferanten mit Spitzenpositionen im Ranking

Europa erzielt im globalen Vergleich in relevanten Bereichen den ersten Platz: Insbesondere bei der Anzahl der Lieferanten mit Emissionsreduktionszielen (54%), liegt Europa vorne, dicht gefolgt von chinesischen Unternehmen (51%). Europa führt auch die Liste der Unternehmen an, die Emissionsdaten berichtet haben (81%), gefolgt von den USA (73%) und dem Rest der Welt. Dies deutet darauf hin, dass europäische Unternehmen am besten dafür aufgestellt, die Lieferanten einer kohlenstoffarmen Zukunft zu werden. Entsprechend sind es auch vor allem europäische Unternehmen (55%), die eine Spitzenposition im Ranking der Klimaschutz-Performance erzielt haben, angeführt von spanischen Lieferanten, gefolgt von Unternehmen aus Deutschland und der Schweiz.

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Quelle: CDP

Aron Cramer, CEO der US-amerikanischen Non-Profit-Organisation BSR und Mitautor der Untersuchung: „Die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und ihren Zulieferern ist entscheidend für die Identifizierung von Klimarisiken und -chancen und ist der Schlüssel zu robusten und transparenten globalen Lieferketten“. Er hofft auf entsprechend viele Nachahmer. „Wir sehen eine großartige Chance darin, dass Millionen von Lieferanten, die noch nicht berichten, dem Beispiel derer folgen, die dies bereits tun“.

Strategien zur Verbesserung der Klimaperformance

Der neue Bericht, der unter anderem auch einen Kommentar von McKinsey & Company enthält, deutet darauf hin, dass CO2-Emissionen und Klimamanagement zunehmend in die Einkaufsentscheidungen einbezogen werden und etablierte lieferantenbasierte Geschäftsmodelle aufbrechen. L’Oréal arbeitet zum Beispiel mit CDP daran, „Climate Score Cards“ von Lieferanten zu erstellen, die von Einkaufsabteilungen einfach verstanden werden können. Die Coca-Cola Company und die LEGO Group experimentieren beide mit Anreizsystemen und Lieferantentrainings, die die Klimaperformance verbessern und gemeinsamen Wert generieren. Ein Mittel dafür ist das CDP Supply Chain Programm. In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass Lieferanten, die an CDP berichten ihre Klimaperformance verbessern konnten. Dabei wird deutlich, Kenntnisse über Ausmaß und Ursache der eigenen Emissionen führen in der Folge zu einer Verbesserung des Klimamanagements. Ungefähr drei Viertel der 1.850 Zulieferer die bereits mehrfach am Programm teilgenommen haben, verfügen zum Beispiel über Managementprozesse ihrer Klimarisiken und reduzieren zudem aktiv ihre Emissionen. Weniger als die Hälfte der 1.258 Unternehmen, die zum ersten Mal teilnahmen, konnten dies vorweisen.

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Quelle: CDP

Die Messung und Offenlegung klimarelevanter Daten führt demnach zu besserem Management. Und, so zeigt der Report, Lieferanten die regelmäßig am Programm teilnahmen, konnten neben der Emissionsreduktion auch ihre finanziellen Ergebnisse verbessern. Sie erzielten im Durchschnitt eine jährliche Ersparnis von 1,38 Millionen Euro für jede CO2-sparende Maßnahme. Die Unternehmen hingegen, die zum ersten Mal an CDP berichtet haben, erzielten nur eine jährliche Ersparnis von 830.000 Euro pro Initiative.

Der Bericht erläutert weiterhin verschiedene, skalierbare Strategien, die die Einkäufer anwenden können, um die Klimaleistung und das Risikomanagement von Lieferanten zu verbessern. Um es multinationalen Konzernen zu ermöglichen, ihre Leistung zu vergleichen und Verbesserungsmaßnahmen einzuleiten, wird CDP in diesem Jahr Unternehmen anhand ihres Klimawandel- und CO2-Managements in der gesamten Wertschöpfungskette bewerten und die Ergebnisse im Supply Chain Bericht 2017 veröffentlichen.