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WWF-Zwischenbilanz: Ein Jahr nachhaltiges Investment bei der Allianz Österreich

Ende 2014 haben der WWF und die Allianz Österreich verkündet, zukünftig die Anlagestrategie des Versicherers nach einem, von den Naturschützern entwickeltes, Bewertungssystem für nachhaltiges Investment ausrichten. Verbunden damit waren klare Zielvorgaben. Jetzt wurde erstmals Bilanz gezogen.

Wien (csr-news) > Ende 2014 haben der WWF und die Allianz Österreich verkündet, zukünftig die Anlagestrategie des Versicherers nach einem, von den Naturschützern entwickeltes, Bewertungssystem für nachhaltiges Investment ausrichten. Verbunden damit waren klare Zielvorgaben. Jetzt wurde erstmals Bilanz gezogen.

Das, vom WWF entwickelte, Modell verbindet die Anforderungen von 40 namhaften Organisationen an eine nachhaltige Zukunft in den Bereichen Umwelt, Soziales und Governance mit einer praxistauglichen Umsetzung an den Finanzmärkten. Insgesamt werden dabei mehr als 150 Indikatoren angewendet, um ein gesamtes Portfolio zu durchleuchten. „Mit unserem Modell machen wir Nachhaltigkeit messbar“, erklärt WWF Österreich Geschäftsführerin Andrea Johanides. Bezogen auf die Allianz Österreich bedeutet dies, rund 18.000 Einzelpositionen von 700 Emittenten der wichtigsten Wertpapier-Klassen wurden analysiert. Jeder einzelne analysierte Titel bekommt einen Wert zwischen 0 und 100 zugewiesen – je höher die Bewertung, desto besser.

Nachhaltigkeitsgrad um fünf Prozentpunkte verbessern

Innerhalb der kommenden fünf Jahre soll der Nachhaltigkeitsgrad des gesamten Investmentportfolios des Versicherers um mindestens fünf Prozentpunkte gesteigert werden, lautete die Zielsetzung im Dezember 2014 (Bericht auf CSR-NEWS). Für die ersten zwölf Monate ziehen beide Parteien ein positives Fazit, die Feuerprobe gilt als bestanden. „In über 4.000 Transaktionen bewegte die Allianz Österreich im vergangenen Jahr 333 Millionen Euro in Richtung Nachhaltigkeit“, zieht Wolfram Littich, Vorstandsvorsitzender der Allianz Gruppe in Österreich, eine Erfolgsbilanz. „Wir haben damit den Nachhaltigkeitsgrad unserer Kapitalanlagen von insgesamt 7 Milliarden Euro um 1,54 Prozent gesteigert und unser anteiliges Jahresziel damit um mehr als die Hälfte übertroffen“, so Littich.

Nachhaltigkeitsbilanz 2015

Wirft man einen genaueren Blick auf die Geldströme innerhalb des gesamten Portfolios der Allianz Österreich, so zeigen sich folgende Ergebnisse: Die nachhaltigen Investments konnten im ersten Jahr von 18,0 Prozent auf 21,5 Prozent gesteigert werden, die durchschnittlich nachhaltigen Investments wuchsen von 27,0 Prozent auf 28,5 Prozent. Im Gegenzug wurde der Anteil der weniger nachhaltigen und nicht nachhaltigen Investments um insgesamt fünf Prozentpunkte reduziert. „Insgesamt haben wir pro Tag eine Million Euro nachhaltiger gemacht“, erklärte Littich. Damit wurde jeder Prämien-Euro von über 1,1 Millionen Allianz Kunden – also jedem siebenten Österreicher – weiter in Richtung Nachhaltigkeit bewegt. Beim Lenken der Geldströme konnte die Allianz auch erste Erfolge beim schrittweisen Rückzug aus Kohleabbau-Investments für sich verbuchen und insgesamt 306.000 Tonnen CO2 im Portfolio einsparen.

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Investitionen in Infrastruktur von großer Relevanz

Für die Zukunft erwarten Allianz Österreich und WWF Österreich eine weiter wachsende Bedeutung der erneuerbaren Energien. „Für einen wirksamen Klimaschutz müssen wir in Österreich unseren Energieverbrauch bis 2050 halbieren, zur Gänze aus fossilen Energien aussteigen und stattdessen auf naturverträgliche, erneuerbare Energien setzen“, betont Johanides. „In den kommenden Jahren möchten wir den Anteil an erneuerbaren Energien in unserem Unternehmensportfolio verdoppeln, das heißt auf 24 Prozent erhöhen“, so Littich. Neben Investitionen in die Energiewende seien für die Allianz Österreich insbesondere Investitionen in Infrastruktur von großer Relevanz. Hier plant sie eine Verdoppelung von aktuell 40 Millionen Euro auf mittelfristig 80 Millionen Euro: „Investitionen in Infrastruktur passen aufgrund ihrer langfristigen Kapitalbindung und relativ stabilen Erträge sehr gut zum Geschäftsmodell von Lebensversicherern“, so Littich.

Finanzsektor als wichtiger Hebel für Nachhaltigkeit

Insbesondere vor dem Hintergrund des Pariser Klimaschutzabkommens erwartet der WWF Österreich in den kommenden Jahren eine wachsende Dynamik bei der weltweiten Umsetzung konkreter Energie- und Klimaschutzziele: „Der Rahmen ist gesetzt, die wissenschaftlichen Grundlagen sind endlich allgemein gültig anerkannt und die Methoden für effektiven Klimaschutz beschlossen. Nun müssen die einzelnen Staaten den unterschriebenen Vertrag auf nationaler Ebene umsetzen und verbindliche und klare Maßnahmenpläne erstellen“, erklärt Johanides.

In Österreich sind beispielsweise mehr als 107 Milliarden Euro bei Versicherungen sowie mehr als 23 Milliarden Euro bei Pensions- und Vorsorgekassen veranlagt. Dem Finanzsektor attestiert Johanides eine wichtige Rolle beim Erreichen der Klimaschutzziele: „Lassen Sie uns gemeinsam das Potenzial heben und durch die Umlenkung von Investments die heimische Energiewende forcieren. Dadurch würde auch die CO2-Bilanz von Unternehmen und Haushalten deutlich verbessert werden“, so Johanides abschließend.

Foto: Andrea Johanides, WWF und Wolfram Littich, Allianz