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Fairphone baut faire Lieferkette für Gold auf

Rund 40 unterschiedliche Mineralien werden für die Herstellung eines Smartphone benötigt. Eines davon ist Gold, von dem etwa 30 mg für jedes Gerät benötigt werden. Doch Gold wird oftmals unter problematischen Bedingungen gewonnen. Nach fast zweijähriger Forschung ist es Fairphone nun gelungen, die erste Pilot-Lieferkette für Fairtrade-Gold in der Elektronikindustrie zu etablieren.

Amsterdam (csr-news) > Rund 40 unterschiedliche Mineralien werden für die Herstellung eines Smartphone benötigt. Eines davon ist Gold, von dem etwa 30 mg für jedes Gerät benötigt werden. Doch Gold wird oftmals unter problematischen Bedingungen gewonnen. Nach fast zweijähriger Forschung ist es Fairphone nun gelungen, die erste Pilot-Lieferkette für Fairtrade-Gold in der Elektronikindustrie zu etablieren.

Fairphone will, so klingt es auch schon im Namen, den gesamten Herstellungsprozess eines Smartphones so fair und ökologisch wie möglich machen. Für alle im Fairphone verwendeten Materialien soll eine faire Lieferkette aufgebaut werden. Der Anspruch ist hoch und er ist bislang auch noch nicht vollständig gelungen. Zunächst konzentriert sich das Sozialunternehmen auf die Rohstoffbeschaffung der vier so genannten Konfliktmineralien (Zinn, Tantal, Wolfram und Gold). Seit dem ersten Fairphone arbeitet das, in den Niederland beheimatete Unternehmen mit Initiativen zur Beschaffung von Zinn und Tantal aus konfliktfreien Minen in der Demokratischen Republik Kongo zusammen. Parallel zur Entwicklung des Fairphone 2 richtete das Unternehmen seine Aufmerksamkeit nun auch auf Wolfram und Gold.

Vielzahl von sozialen und ökologischen Herausforderunge

Rund zwei Jahre hat es gedauert, bis die Lieferkette für das Gold bereit war für eine Fairtrade-Zertifizierung. Da schon kleine Mengen Gold sehr wertvoll sind, ist dieses Mineral sehr anfällig für Schmuggel. Und auch außerhalb von Konflikt- und Hochrisiko-Gebieten gibt es im Goldbergbau eine Vielzahl von sozialen und ökologischen Herausforderungen: Landkonflikte, Unterbezahlung, unsichere Arbeitsbedingungen, Kinderarbeit sowie Quecksilberbelastung. Für viele Bergbau-Gemeinden weltweit stellt es jedoch die Einkommens- und Lebensgrundlage dar. Fairphone bezieht sein Gold nun über Max Havelaar, der Schweizer Fairtrade-Organisation, aus Peru von der MINERA SOTRAMI. Dieses kleine Bergbauunternehmen mit 164 Aktionären, 260 Minenarbeitern sowie fünf Ingenieuren betreibt seine Mine in der Wüstenregion Ayacuchos.

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Quelle: Fairphone – Minera SOTRAMI die Fairtrade-Goldmine in Peru

Das hier abgebaute Gold erfüllt die Fairtrade-Norm für Gold und Edelmetalle, erfüllt also die sozialen, ökologischen und ökonomischen Vorschriften für die Zertifizierung. Von Peru aus geht das Gold zu Valcambi, einer Raffinerie in der Schweiz, mit Lizenz zur Verarbeitung von Fairtrade-Gold. Nach der Raffination kauft Fairphone eine kleine Menge des Fairtrade-zertifizierten Golds, das dann zum Sitz von Kanfort in Hongkong versandt und zur Goldsalz-Verarbeitungsanlage von Zhaojin Kanfort in China transportiert wird. Dort wird es zu Goldsalz verarbeitet, mit dem AT&S die Leiterplatten beschichtet.

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Quelle: Fairphone – die Lieferkette

Es bleiben Herausforderungen

Dennoch, so betont Fairphone, dass diese Lieferkette ein Pilotprojekt ist und nur als erster Schritt gesehen werden sollte – es bleibt die Herausforderung, diese Lieferkette zu optimieren und langfristig auf die gesamte Branche auszuweiten. Ziel ist es, der Branche aufzuzeigen, dass es durch Bildung der richtigen Partnerschaften möglich ist, Lieferketten zu öffnen und auf verantwortungsvollere Beschaffungspraktiken hinzuwirken. Durch Projekte wie die faire Lieferkette für Gold, könnte auch das Bewusstsein beim Verbraucher geweckt werden und die Nachfrage nach produzierten Produkten der Elektronikindustrie wachsen. So zumindest die Hoffnung der Macher. „Es wäre ein weiterer Grund für die Branche, skalierbare und nachhaltige Mineralienlieferketten zu etablieren“.

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Quelle: Fairphone – rund 30 mg Gold befinden sich in einem Smartphone

Für das neueste Smartphone des Unternehmens, das Fairphone 2, wurde auch ein neuer modularer Designaufbau verfolgt. Diese Strategie erhöht nicht nur die Langlebigkeit und Reparaturfreundlichkeit des Geräts, sondern bietet Fairphone auch die Möglichkeit, gleichgesinnte (Unter-)Lieferanten auszuwählen und eine Beziehung mit diesen aufzubauen. Diese Lieferantenbeziehungen sind, so teilt das Unternehmen mit, eine wesentliche Voraussetzung, um mit der Gold-Lieferkette in der Elektronikindustrie ein Pilotprojekt durchzuführen. Der erfolgreiche Abschluss dieses Projekts ist das Ergebnis der Flexibilität und Begeisterung einer Vielzahl von Parteien, darunter Max Havelaar in den Niederlanden, Zhaojin Kanfort, einem chinesischen Goldsalz-Hersteller, und AT&S, dem Leiterplattenhersteller für Fairphone.