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Klimawandel im Blick institutioneller Investoren

Der Klimawandel ist inzwischen zu einem zentralen Thema institutioneller Investoren und ein Aspekt der Treuhandpflicht von Vermögensverwaltern geworden, heißt es im neuen Sustainable Investment Spotlight der Bank J. Safra Sarasin. Die Gründe liegen auf der Hand, denn die negativen Folgen und Risiken des anthropogenen Klimawandels sind längst auch für Investoren spürbar. Zudem wurde durch das Klimaabkommen von Paris ein klarer, global wirksamer Weg zur Senkung der CO2-Emissionen vorgezeichnet.

Zürich (csr-news) > Der Klimawandel ist inzwischen zu einem zentralen Thema institutioneller Investoren und ein Aspekt der Treuhandpflicht von Vermögensverwaltern geworden, heißt es im neuen Sustainable Investment Spotlight der Bank J. Safra Sarasin. Die Gründe liegen auf der Hand, denn die negativen Folgen und Risiken des anthropogenen Klimawandels sind längst auch für Investoren spürbar. Zudem wurde durch das Klimaabkommen von Paris ein klarer, global wirksamer Weg zur Senkung der CO2-Emissionen vorgezeichnet.

Die Risiken entstehen nicht nur aus den unmittelbaren ökologischen Folgen, sondern unter anderem aus den politischen Initiativen zur Eindämmung der Erderwärmung. Betroffen sind beispielsweise Branchen mit einem hohen CO2-Ausstoss. Dazu gehören etwa die Energie- und Versorgungsunternehmen, die unmittelbar insbesondere durch Emissionsziele und Mechanismen zur Preisfindung für Emissionen die Auswirkungen politischer Maßnahmen zu spüren bekommen.

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Das CO2-Emissionsrisiko betrifft jedoch auch andere Branchen, wie z.B. Zementhersteller, Bergbau- und Stahlunternehmen, (Rück-)Versicherer oder Automobilbauer, schreiben die Autoren, Pierin Menzli, Head Sustainable Invstement Reserarch und Guillaume Krepper, Sustainable Investment Analyste, beide bei der Bank J. Safra Sarasin. Doch, damit Investoren mit den richtigen Maßnahmen auf die Risiken reagieren können, sind präzise Kenntnisse über die CO2-Emissionen in ihren Portfolios erforderlich. Die Analysten der Bank J. Safra Sarasin konzentrieren sich dabei auf die veröffentlichten Daten (Scope 1 und 2) der rund 1.600 Unternehmen im MSCI World DM Index vertretenen Unternehmen. Dabei wird proportional zum Anlagevolumen ein entsprechender Anteil der Gesamtemissionen errechnet. „Fast 90 Prozent der Emissionen in einem Portfolio entfallen auf Unternehmen in nur vier von zehn Sektoren (Versorgungsbetriebe, Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, Energie und Industrie), obwohl diese Sektoren weniger als 25 Prozent der gesamten Marktkapitalisierung stellen“, heißt es dazu im Spotlight. Auch die Auswirkungen einzelner Unternehmen an der CO2-Bilanz des gesamten Portfolios lassen sich ermitteln. Werden diese Ergebnisse dann umgesetzt, indem beispielsweise die Unternehmen mit den höchsten Emissionen aus dem Portfolio verbannt werden, lässt sich das Gesamtrisiko signifikant (bis zu 50 Prozent) reduzieren. Zudem wird auf diesem Weg das Risiko sogenannter Strandes Assets, also Unternehmen deren Geschäftsmodell, als Folge regulatorischer Anpassungen, erheblich oder vollständig an Relevanz verliert.

Best-in-Class und Dialog

Am einfachsten sei es natürlich, so die Autoren, alle Unternehmen im Bereich fossiler Brennstoffe vollständig aus dem Portfolio zu entfernen. Diese Strategie birgt allerdings, so ihre Einschätzung, andere Risiken, etwa, weil die Grundstruktur von Investmentportfolios dadurch beträchtlich verändert wird. Zudem würden andere Nachhaltigkeitsaspekte, beispielsweise eine gute Unternehmensführung oder die Mitarbeiterentwicklung, schlicht ignoriert. Und, so die Autoren: „Auf lange Sicht vernachlässigt dieser Ansatz zudem Anlagechancen im Zusammenhang mit alternativen Brennstoffen, die häufig von diesen traditionellen Energieunternehmen technologisch vorangetrieben werden“. Auch eine passivere Strategie, durch Nachbildung eines Aktienindex mit erhöhter Berücksichtigung CO2-armer Unternehmen. Doch auch bei diesem Ansatz werden andere, ökologische oder unternehmensbezogene Risiken vernachlässigt.

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Für erfolgsversprechend halten die Autoren eine Strategie nach dem Best-in-Class-Ansatz oder eine Strategie, die den aktiven Dialog in den Mittelpunkt stellt, zumal sich die beiden Strategien auch kombinieren lassen. Als erfolgreiches Beispiel nennen die Autoren den aktiven Dialog und die langjährigen Bemühungen großer institutioneller Anleger Ölbohrungen von Energieunternehmen in der Arktis zu beenden. Die Gründe seien meistens ökologischer und in jüngster Vergangenheit auch kommerzieller Natur, da die Explorationskosten sehr viel höher sind als die aktuellen Öl- und Gaspreise. Unter diesem Druck hätten alleine im vergangenen Jahr mehrere Ölunternehmen ihre entsprechenden Pläne aufgegeben.

Klimainitiativen institutioneller Anleger:

  • Die Institutional Investors Group on Climate Change: Die 2001 gegründete IIGCC umfasst über 120 Mitglieder, darunter einige der größten europäischen Rentenfonds und Vermögensverwalter mit einem verwalteten Gesamtvermögen von fast 13 Billionen Euro. Die Organisation möchte vor allem das Bewusstsein der Marktteilnehmer schärfen.
  • Die Portfolio Decarbonisation Coalition: Die beim UN-Klimagipfel 2014 gegründete Organisation hatte zum Ziel, noch vor dem Pariser Klimagipfel im letzten Jahr Anleger zu finden, die freiwillig ein Gesamtvolumen von 100 Mrd. USD an institutionellen Vermögenswerten aus allen Anlageklassen dekarbonisieren. Dieser Zielwert wurde um das Sechsfache übertroffen.
  • Der Montreal Carbon Pledge: Mehr als 110 Anleger mit einem verwalteten Gesamtvermögen von 3 Billionen USD wollen ein Beispiel für Transparenz setzen, indem sie die CO2-Bilanz ihrer Anlagen erfassen und veröffentlichen und Fortschrittsziele formulieren.

 

 

 

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