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Umweltschützer erheben schwere Vorwürfe gegen Mercedes

Die Umweltschutzorganisation Deutsche Umwelthilfe (DUH) kämpft mit harten Bandagen gegen den Autobauer Daimler. Beim Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) stellte die DUH nach Angaben vom Dienstag einen Antrag auf Widerruf der Typgenehmigung des Mercedes C 220.

Berlin (afp) > Die Umweltschutzorganisation Deutsche Umwelthilfe (DUH) kämpft mit harten Bandagen gegen den Autobauer Daimler. Beim Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) stellte die DUH nach Angaben vom Dienstag einen Antrag auf Widerruf der Typgenehmigung des Mercedes C 220. Der Grund: Das Dieselfahrzeug habe bei Tests in den Niederlanden die Grenzwerte für Stickoxid-Ausstöße (NOx) überschritten.

Das technische Überwachungsinstitut TNO, quasi der TÜV der Niederlande, hatte Ende des vergangenen Jahres im Auftrag des niederländischen Umweltministeriums die Abgasausstöße von insgesamt 16 Fahrzeugen im Labor und auf der Straße untersucht. Der Mercedes-Diesel habe die Grenzwerte auf der Straße dabei am deutlichsten überschritten, erklärten die Umweltschützer. „Besonders erschreckend“ sind laut DUH die erhöhten NOx-Emissionen des Autos bei für den Stadtverkehr typischen Geschwindigkeiten. Bei den Straßentests, die bei Außentemperaturen von sieben bis zehn Grad durchgeführt wurden, waren die NOx-Werte des Autos demnach um mehr als das Zehnfache erhöht.

Mercedes bestreitet die Ergebnisse

Der Hersteller bestreitet die Testergebnisse des niederländischen Instituts nicht. Kollegen vor Ort hätten das Zustandekommen der Grenzüberschreitungen den Experten des TNO „technisch plausibel“ erklären können, sagte ein Mercedes-Sprecher der Nachrichtenagentur AFP. Schadstoffausstöße auf der Straße seien in der Regel immer höher als im Labor. Dies sei den unterschiedlichen Einflussfaktoren geschuldet. Zum Schutz des Motors fahre Mercedes bei der C-Klasse die Abgasnachbehandlung bei Temperaturen von unter zehn Grad Celsius herunter. Dadurch erhörten sich die Ausstöße. Die Abgasnachbehandlung werde aber „zu keiner Zeit“ gänzlich abgeschaltet, unterstrich der Sprecher. Mercedes erfülle mit seinen Modellen die gesetzlichen Anforderungen und setze keine Manipulationssysteme ein. Letzteres werfen die Umweltschützer Mercedes aber vor: Die Erklärungen des Autobauers seien für die DUH „nicht anders zu verstehen, als dass Daimler eine Abschalteinrichtung („defeat device“) einräumt, aber deren Rechtmäßigkeit (Hinweis auf den Bauteilschutz) behauptet“. Nun sei es die Aufgabe des KBA zu entscheiden, ob der Mercedes-Diesel eine erlaubte oder verbotene Abschalteinrichtung in seiner Motorsteuersoftware habe. Das KBA war am Dienstag auf Anfrage zunächst nicht zu erreichen.

Im Zuge des Manipulationsskandals um Volkswagen ist Mercedes nicht der erste Autobauer, dessen Fahrzeuge in den Fokus rücken. Auch andere Modelle standen bereits im Verdacht, Abgaswerte zu manipulieren. VW hatte im September zugegeben, weltweit in rund elf Millionen Fahrzeuge unterschiedlicher Marken des Konzerns eine illegale Software eingebaut zu haben. Das Programm beeinflusst den Ausstoß von Stickoxiden bei Tests auf dem Prüfstand, so dass die Werte geringer ausfallen als sie tatsächlich sind.

 

 

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