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Nachhaltigkeit in der Möbelindustrie – Verbraucherwunsch und Herstellererwartung treffen zusammen

Möbel werden kleiner und funktioneller, da waren sich die Aussteller auf der diesjährigen Möbelmesse einig. Und wir werden, so ihre Einschätzung, gesünder wohnen, mit Möbel aus ökologischeren Materialien. Die Kölner Möbelschau ist eines der wichtigsten Ereignisse der Branche und zeigt meist zuverlässig die kommenden Trends beim Wohnen auf. Eine Bevölkerungsbefragung des Marktforschungsinstituts Dr. Grieger & Cie. kann den Trend zu mehr Nachhaltigkeit bei Möbeln, auch aus Verbrauchersicht bestätigen.

Köln/Hamburg (csr-news) > Möbel werden kleiner und funktioneller, da waren sich die Aussteller auf der diesjährigen Möbelmesse einig. Und wir werden, so ihre Einschätzung, gesünder wohnen, mit Möbel aus ökologischeren Materialien. Die Kölner Möbelschau ist eines der wichtigsten Ereignisse der Branche und zeigt meist zuverlässig die kommenden Trends beim Wohnen auf. Eine Bevölkerungsbefragung des Marktforschungsinstituts Dr. Grieger & Cie. kann den Trend zu mehr Nachhaltigkeit bei Möbeln, auch aus Verbrauchersicht bestätigen.

Nachhaltiger Konsum, so das Fazit der Meinungsforscher, hat auch in der Möbelbranche Einzug gehalten. Der durchschnittliche Käufer nachhaltiger Möbel zeichnet sich durch ein großes Gesundheits- und Umweltbewusstsein aus und ist bereit, dafür auch einen höheren Preis zu bezahlen. Insoweit treffen Verbraucherwunsch und Herstellererwartung zusammen. 1.021 Menschen wurden für die repräsentative Studie „Möbel und Nachhaltigkeit – Monitor 2016“ befragt. Demnach erachten rund drei Viertel der Deutschen den Aspekt Nachhaltigkeit bei Möbeln als wichtig oder sehr wichtig. Immer hin beabsichtigt jeder zweite der Befragten im kommenden Jahr einen Neukauf von nachhaltig produzierten Möbeln. Dabei geht es ihnen, so ein Ergebnis der Studie, vor allem um das gute Gefühl, dass der Kauf solcher Möbel bei ihnen auslöst, die Langlebigkeit sowie Möbel, die zum eigenen Lebensstil passen. Denn längst betrachten viele Verbraucher die gekauften Möbel nicht mehr ausschließlich als Gebrauchsgegenstand, sondern vielmehr auch als Ausdruck ihrer inneren Haltung und sind sogar oftmals auch bereit, einen höheren Preis dafür zu bezahlen.

Infografik-Smart-Home-Monitor-2016

Quelle: Marktforschungsinstitut Dr. Grieger & Cie.

Die Branche blickt auf ein erfolgreiches Jahr zurück und zeigt sich auch für das laufende Geschäftsjahr sehr zuversichtlich. So konnte die Hersteller für 2015 ein Umsatzplus von 5 Prozent verbuchen und auch der Handel lag mit einem Jahresumsatz von mehr als 32 Milliarden Euro rund 4,2 Prozent über dem Vorjahr. Vor allem im Handel sind es allerdings die Marktführer die wachsen, während sich der Mittelstand eher behauptet. Dabei ist das Thema Nachhaltigkeit in der Branche noch eine Nische, allerdings mit steigender Bedeutung. Es sind, so schreiben die Marktforscher aus Hamburg, vor allem die „Pure-Player“, die das Thema Nachhaltigkeit vorantreiben. Diesen Unternehmen, die sich auf die Herstellung nachhaltiger Möbel konzentriert haben, stehen vor allem die großen Möbelhausketten gegenüber, die langsam aber sicher dem Bereich Nachhaltigkeit auch mehr Platz in ihrem Sortiment einräumen.

Echte und natürliche Materialien

Nachhaltigkeit umfasst dabei längst nicht mehr ausschließlich den ökologischen Aspekt der Holzgewinnung, vielmehr rücken insgesamt die ökologischen und sozialen Folgen des Handelns in den Mittelpunkt. Natürlich spielt Holz dabei eine große Rolle, denn es wird nach wie vor von vielen Verbrauchern als per se ökologisch und nachwachsender Werkstoff betrachtet. Doch sind es überhaupt echte und natürliche Materialien, verknüpft mit modernem Design, die die Verbraucher in ihren Wohnungen schätzen. In diesem Megatrend der Neo-Ökologie, so das Trendbarometer der Möbelindustrie, wird auch das Thema „Upcycling“ eine immer größere Bedeutung gewinnen. Produkte werden nicht weggeworfen, sondern in einem neuen Produkt teilweise oder ganz wiederverwendet.

Hohe Preise und fehlendes Vertrauen

Aspekte, die auch im Möbelmonitor der Marktforscher eine Rolle spielten, neben weiteren Aspekten wie Kaufverhalten, Präferenzen bei der Möbel- und Händlerwahl, Kaufmotive und Gütesiegel, aber auch die Preissensibilität im Hinblick sowohl auf konventionell hergestellte Möbel als auch auf gebrauchte, recycelte/ upgecycelte, ökologisch und nachhaltig produzierte Möbel. Dabei wurden auch Motive deutlich, die gegen einen Kauf von nachhaltig produzierten Möbeln sprechen. Die Marktforscher haben hierbei vor allem den Preis ausgemacht, sowie fehlendes Vertrauen in die angegebene nachhaltige Produktion. „Durch diverse Skandale um falsche Produktinformationen hat das Vertrauen der Verbraucher in diesem Punkt stark abgenommen. Wenn ein Unternehmen es schafft, dieses durch eine Transparenzoffensive zurückzugewinnen, werden die Verkäufe nachhaltig produzierter Möbel ansteigen“, so Hannah Khan, Studienleiterin bei Dr. Grieger & Cie.. Hilfestellung könnten dabei Gütesiegel geben: 56,5 Prozent halten Gütesiegel in der Möbelbranche für wichtig. Das mit großem Abstand bekannteste abgefragte Gütesiegel ist der Blaue Engel gefolgt vom FSC-Siegel und dem Siegel von Naturland. Das Vertrauen in die einzelnen Siegel variiert hingegen kaum. Am meisten wird im stationären Handel sowie bei spezialisierten Händlern auf Gütesiegel geachtet.

Klimapakt und Global Compact

Den Ergebnissen der Studie zufolge sind IKEA, das Dänische Bettenlager und Poco die bekanntesten stationären Möbelhändler. Amazon, eBay und IKEA kannten die meisten Befragten im Onlinebereich. Gleichwohl werden im stationären Handel Segmüller, Möbel Kraft und IKEA am ehesten zugetraut, Möbel im Sortiment zu führen, die nachhaltig produziert werden. Im Online-Handel sind Tchibo.de, westwing.de und otto.de die relevanten Player.

Die Branche, so scheint es, will sich dem Thema Nachhaltigkeit stellen. Erst vor wenigen Wochen hat die Branche ihren Klimapakt bekannt gemacht (Bericht auf CSR-NEWS) und versucht nun möglichst viele Mitgliedsunternehmen zur Mitarbeit zu bewegen. Inzwischen ist auch die Deutsche Gütegemeinschaft Möbel, eine Einrichtung der Möbelindustrie, dem Global Compact beigetreten. „Nachhaltiges und verantwortungsvolles Unternehmertum sind wichtige gesellschaftliche Bausteine – auch für die DGM“, sagt deren Geschäftsführer Jochen Winning.

 

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