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Maas will Einschränkungen bei Verwendung von Gesundheitsdaten prüfen

Fitnessarmbänder, Smartwatches und Gesundheits-Apps werden immer beliebter: Deshalb will Justizminister Heiko Maas (SPD) prüfen lassen, die Verwendung bestimmter Gesundheitsdaten auf Grundlage des neuen EU-Datenschutzrechts einzuschränken. „Sensible Gesundheitsdaten bedürfen eines besonderen Schutzes“, erklärte Maas am Dienstag auf einer Konferenz zum Thema Gesundheits-Apps.

Berlin (afp/csr-news) > Fitnessarmbänder, Smartwatches und Gesundheits-Apps werden immer beliebter: Deshalb will Justizminister Heiko Maas (SPD) prüfen lassen, die Verwendung bestimmter Gesundheitsdaten auf Grundlage des neuen EU-Datenschutzrechts einzuschränken. „Sensible Gesundheitsdaten bedürfen eines besonderen Schutzes“, erklärte Maas am Dienstag auf einer Konferenz zum Thema Gesundheits-Apps.

Der Chef der Techniker Krankenkasse (TK), Jens Baas, hatte in der „Süddeutschen Zeitung“ vorgeschlagen, dass Daten von sogenannten Fitness-Trackern künftig in der geplanten elektronischen Patientenakte gesammelt und von den Kassen verwaltet werden könnten. Dies ermögliche Ärzten und Kassen zum Beispiel, Patienten über das Risiko einer Erkrankung zu informieren. Zugleich müsse der Patient „Herr über seine Akte“ bleiben, betonte Baas.

Frei und selbstbestimmt entscheiden können

Maas warnte die Kassen hingegen vor zu großem Datenhunger. Es dürfe niemand „faktisch dazu gezwungen werden, so intime Daten wie die Herzfrequenz, die Geschwindigkeit beim Joggen oder die Häufigkeit des Trainings im Fitnessstudio zu veröffentlichen“, schrieb er in einem Gastbeitrag für den „Donaukurier“.  Für Freizeitsportler seien die von sogenannten Fitness-Trackern gelieferten Daten durchaus sinnvoll. Wichtig sei aber, über sensible Daten „frei und selbstbestimmt“ entscheiden zu können, schrieb Maas. Deshalb dürften Krankenkassen keine Tarifmodelle anbieten, bei denen günstige Tarife an ständige Übermittlung der kompletten Gesundheitsdaten gekoppelt seien. Bei der Konferenz in Berlin legte Maas noch einmal nach: „Es darf nicht sein, dass Informationen über individuelle körperliche oder seelische Schwächen auf dem Datenmarkt die Runde machen.“ Versicherte dürften bei Krankenversicherungen keine Nachteile haben, weil sie ihre Gesundheitsdaten nicht zur Verfügung stellen.

Einer Umfrage im Auftrag des Bundesjustizministeriums zufolge sehen viele Verbraucher durchaus Risiken bei der Nutzung von sogenannten Wearables – am Körper getragene Kleincomputer wie Fitnessarmbänder. 32 Prozent der Befragten befürchten demnach falsche Messwerte, 31 Prozent falsche Ratschläge und 39 Prozent sehen die Verwendung der Daten durch Dritte als Problem.

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Bundesjustizminister Heiko Maas: „Fitness- und Gesundheitsdaten sind Teil der Privatsphäre. Dies müssen Unternehmen respektieren“.

Dennoch: Derzeit nutzen einer weiteren Umfrage des Branchenverbands Bitkom zufolge bereits 31 Prozent der Deutschen ab 14 Jahren einen Fitness-Tracker zur Aufzeichnung von Gesundheitswerten. Die häufigsten gemessenen Werte, die dabei von den Nutzern erhoben werden, sind Körpertemperatur (99 % der Nutzer), Körpergewicht (75 %), Anzahl der gegangenen Schritte (62 %) sowie die zurückgelegte Strecke (57 %). Im Krankheitsfall würden 75 Prozent ihre Daten an den Arzt übermitteln, unter chronisch Kranken sind es sogar 93 Prozent. „Das größte Potenzial von Wearables liegt künftig in der Prävention von Krankheiten und in der medizinischen Versorgung von Patienten“, so Bitkom-Geschäftsführer Bernhard Rohleder. Er räumt aber ein: „Bei der Verarbeitung der besonders sensiblen Gesundheitsdaten müssen die höchsten Standards für Datenschutz und technische Sicherheit der Geräte eingehalten werden.“

Daten häufig unpräzise

Allerdings sind die Daten häufig unpräzise, wie eine Untersuchung der Stiftung Warentest aus dem Januar zeigt. Zwölf Fitness-Tracker haben die Tester untersucht und konnten am Ende nur zwei als „gut“ bezeichnen. Am besten funktionierte noch das Zählen der Schritte, doch schon bei der Messung der Herzfrequenz zeigten sich Ungenauigkeiten, vor allem bei Geräten, die über Sensoren am Handgelenk messen. Diesen Werten sollte man nach Auffassung der Tester nicht vertrauen. Und auch die Messung des Kalorienverbrauchs glich eher groben Schätzungen. Selbst die Besten erhalten hier nur ein „Befriedigend“.

Die Kassen denken derzeit über Tarife nach, mit denen Kunden Geld sparen können oder Sachprämien bekommen, wenn sie im Gegenzug gesundheitsbezogene Daten liefern. Die AOK Nordost etwa will Anfang 2016 ein „neues Bonus- und Prämienprogramm auf digitaler Basis“ anbieten. Es soll die Versicherten „zu einem gesunden Lebensstil motivieren“, erklärt die AOK. Wie genau es funktioniert, ist noch nicht bekannt. Mehr ist über ein Vorhaben der Versicherungsgruppe Generali durchgesickert, das gesundheitsbewussten Kunden Rabatte gewährt. Es soll über ein Handyprogramm funktionieren und im ersten Halbjahr 2016 starten.

Das im Dezember verabschiedete E-Health-Gesetz der Bundesregierung sieht eine insgesamt stärkere Digitalisierung des Gesundheitswesens vor. Künftig sollen auf der elektronischen Gesundheitskarte viel mehr Patientendaten gespeichert werden können. In einem eigenen Patientenfach sollen Versicherte auch eigene Daten von Wearables ablegen können, sie sollen aber allein darüber entscheiden, wer Zugriff darauf hat.

 

 

 

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