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20 Jahre UPJ – Vordenker und Vorreiter sozialer Kooperation

1996 hat sich das UPJ-Netzwerk gegründet, in einer Zeit, in der gesellschaftliche Unternehmensverantwortung noch kein großes Thema war. Die Entwicklung einer nachhaltigen Gesellschaft fest im Blick, sollten wichtige Akteure zum gemeinsamen Handeln bewegt werden. Vieles hat sich in dieser Zeit getan, an Aktualität hat der Anspruch jedoch nicht verloren. Über die vergangenen 20 Jahre und die kommende Jahrestagung sprach CSR-NEWS mit UPJ-Geschäftsführer Reinhard Lang.

Berlin (csr-news) > 1996 hat sich das UPJ-Netzwerk gegründet, in einer Zeit, in der gesellschaftliche Unternehmensverantwortung noch kein großes Thema war. Die Entwicklung einer nachhaltigen Gesellschaft fest im Blick, sollten wichtige Akteure zum gemeinsamen Handeln bewegt werden. Vieles hat sich in dieser Zeit getan, an Aktualität hat der Anspruch jedoch nicht verloren. Über die vergangenen 20 Jahre und die kommende Jahrestagung sprach CSR-NEWS mit UPJ-Geschäftsführer Reinhard Lang.

CSR-NEWS: Herr Lang, UPJ wurde in einer Zeit gegründet, als CSR und Nachhaltigkeit noch selten auf der Agenda von Unternehmen zu finden war. Was war die Motivation?

Lang: Tatsächlich gab es zu der Zeit die Themen CSR oder Corporate Citizenship in der Praxis noch nicht in der heute bekannten Form, sie wurden weder so benannt, noch waren sie in der Regel Bestandteil unternehmerischer Strategien. Allerdings waren auch in den 1990er Jahren schon Umwälzungen im Arbeitsmarkt zu beobachten, der soziale Zusammenhalt im Gemeinwesen schwand und es gab ein wachsendes Bewusstsein der zahlreichen ökologischen Herausforderungen. Alles Themen, die im Sinne sozialer Kooperationen von Anfang an für UPJ auf der Agenda standen. Dabei ging es uns im Kern um die Zukunftsperspektiven junger Menschen. Daher auch der Name UPJ: „Bundesinitiative Unternehmen: Partner der Jugend“.

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UPJ-Geschäftsführer Reinhard Lang: Soziale Kooperationen jenseits traditioneller Zuständigkeiten

CSR-NEWS: Und wie wollte UPJ auf diese Herausforderungen reagieren?

Lang: Ich sprach ja schon den Begriff der sozialen Kooperationen an. In diesem Sinne wollten und wollen wir Unternehmen mit gemeinnützigen Organisationen und der öffentlichen Verwaltung zur gemeinsamen Lösung gesellschaftlicher Probleme zusammenbringen und zwar auch jenseits ihrer traditionellen Zuständigkeit. Das war der konzeptionelle Kern und das gilt auch heute noch. Diese Vision der Gründer Bernhard von Mutius und Diethelm Damm hat sich in den Jahren auch als sehr zukunftsweisend erwiesen. Jedes Unternehmen und jede zivilgesellschaftliche Organisation handelt also in ihrem eigenen Interesse, wenn sie solche Kooperationen eingeht.

CSR-NEWS: Das galt und gilt auch für ökologische Herausforderungen?

Lang: Klar, was eine intakte Umwelt mit Unternehmen zu tun hat, war ebenfalls im Blick der Gründer. Die Themen wurden ja praktisch durch die Nachhaltigkeitskonferenz von Rio aufgeworfen und zwar nicht nur in ökologischer Hinsicht, sondern auch im Hinblick auf soziale Fragen und notwendige neue Lösungen. Das ist ja auch der untrennbare dreifache Kern von nachhaltiger Entwicklung. Für die Idee einer neuen Verantwortungsteilung zwischen den Sektoren Politik und Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft, ebenso wie die „Wiedereinbettung“ von Unternehmen in ihr gesellschaftliches Umfeld und die Operationalisierung in CSR-Strategien, Methoden und Management-Prozesse, war die Zeit gekommen. Wir haben beispielsweise CSR-Europe noch als European Business Network for Social Cohesion kennengelernt und auch Business in the Community, das damals größte CSR-Businessnetzwerk in Europa, wurde als Reaktion auf massive Jugendproteste aufgrund von Arbeits- und Perspektivlosigkeit gegründet.

CSR-NEWS: Mit Auswirkungen auf die Entwicklungen in Deutschland?

Lang: Die Entwicklung in Deutschland hat meines Erachtens tatsächlich mehr wichtige Impulse aus den europäischen Strömungen erhalten als aus den USA – beispielsweise aus den Niederlanden, die in den 1980er-Jahren mit ihrem Poldermodell im Konsens mit Akteuren aus Wirtschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft den Sozialstaat erneuert haben. Initiativen der EU Kommission haben sicher auch einen guten Teil dazu beigetragen, dass sich die Perspektive von Corporate Citizenship hin zu Corporate Social Responsibility erweitert hat. CSR und soziale Kooperationen sind, mit Blick auf die vergangenen 20 Jahre, heute in Wirtschaft, Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft angekommen.

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CSR-NEWS: Es gibt aber noch viel zu tun. Was sind die kommenden Aufgaben?

Lang: Jetzt geht es darum, die proklamierten Ziele durch konkretes Handeln mit Leben zu füllen und in die Fläche zu tragen – hier müssten die Akteure stärker in Bewegung geraten. Auch ein Thema auf unserer Jahrestagung Anfang März, unter anderem mit Mike Tufffrey, einem der Erfinder des LBG-Modells (London Benchmarking Group – Ansatz zur Bewertung sozialen Engagements von Unternehmen).

CSR-NEWS: In Ihrem Berliner Aufruf ist von der Zusammenarbeit als eine der wichtigsten Zukunftsressourcen zu lesen. Welche Bedeutung hat Vernetzung für CSR?

Lang: Vernetzung ist ein wichtiges Instrument, auch für uns, um die Themen und die konkrete Praxis in die Breite zu tragen. Dazu bedarf es Vorreiter aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft, die ihre Aktivitäten ausweiten und andere mitnehmen können. Diese Förderung guter Praxis ist ein wesentlicher Kern der Arbeit von UPJ. Dadurch lassen sich Synergien nutzen, Beteiligte lernen voneinander und es entsteht ein wertvoller Austausch. Das gilt für uns ebenso in den internationalen Netzwerken und Kooperationen, die wir pflegen. Auch da wollen wir lernen, gute Praxis identifizieren, sie übertragbar und für deutsche Unternehmen und regionale Mittler nutzbar machen. Im UPJ-Netzwerk sind nämlich nicht nur Unternehmen vertreten, sondern ebenso gemeinnützige regionale Mittlerorganisationen. Es braucht vor Ort Protagonisten, Multiplikatoren, Intermediäre um CSR in die Fläche zu tragen. Dabei geht es uns um die Kooperation zwischen den drei Akteuren Wirtschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft, und das bedeutet mehr als bloße Vernetzung.

CSR-NEWS: Immer wieder neue Unternehmensskandale sind Wind auf die Mühlen von CSR-Kritikern. Tatsächlich gibt es neben den Überzeugungstätern auch Gegner des CSR-Ansatzes. Wie können die überzeugt werden?

Lang: Es sind noch längst nicht alle Akteure im Boot, aber alle haben das Thema erkannt. Wir sehen doch inzwischen deutlich, dass wir in den traditionellen Silos von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft nicht weiterkommen. Wir brauchen die Zusammenarbeit. Bei keinem der großen Themen, sei es der Klimawandel, Gerechtigkeitsfragen, Ressourcenverteilung oder die Globalisierung, kommen die Akteure in den traditionellen Bahnen alleine weiter. Indem dies erkannt wird, ist der erste Schritt gemacht, und auch die Notwendigkeit zum gemeinsamen Handeln wird nicht mehr bestritten. Für den nächsten Schritt, den konkreten praktischen Schritt, gibt es allerdings noch viel zu tun. Dabei können Unternehmen eine entscheidende Rolle spielen. In der Kooperation mit anderen können und müssen neue Lösungen entwickelt werden und das ist keineswegs banal, sondern fordert allen Beteiligten Lernprozesse ab. Unternehmen können hierfür ihr Innovationspotenzial nutzen, um neue Ansätze, Konzepte, Lösungsvorschläge und auch eigene Produkt- und Prozessinnovationen zu entwickeln, und sie können ihre Marktstärke nutzen um diese zu skalieren.

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CSR-NEWS: Auf die Aktualität übertragen. Was bedeutet dies für die Herausforderungen der aktuellen Migrationsbewegung in die EU und speziell auch nach Deutschland?

Lang: Auch in diesem Fall lassen sich tragfähige Konzepte nur gemeinsam entwickeln. Unternehmen können dabei eine wichtige Rolle spielen. Dies betrifft sowohl die unmittelbare Hilfe, so wie in den vergangenen Monaten geschehen, als auch die dann folgende Integration der Menschen in die Gesellschaft und ins Arbeitsleben. Egal mit welchen Maßnahmen Unternehmen aktiv werden, sie müssen dafür mit anderen gesellschaftlichen Akteuren kooperieren. Ich erwarte, insbesondere im Handlungsfeld Gemeinwesen, dass die aktuelle Auseinandersetzung und der Umgang mit der Integration von geflüchteten Menschen und Zuwanderern eine Dynamik entwickelt, die die bisherige Praxis sowohl in den Unternehmen als auch in Politik und Zivilgesellschaft, ganz enorm erweitern wird. Welche Rolle Unternehmen und soziale Kooperationen in der Einwanderungsgesellschaft spielen können, wird übrigens auch Thema auf der Jahrestagung sein.

CSR-NEWS: Die SDGs und das Klimaabkommen von Paris haben für die nähere Zukunft den Rahmen beim Thema Nachhaltigkeit gesteckt. Auch hier sind Wirtschaft und Zivilgesellschaft gefragt. Welche Herausforderungen und Chancen sehen Sie diesbezüglich? Und wie kann ein Netzwerk wie UPJ diesen Prozess unterstützen?

Lang: Als positive Entwicklung sehe ich erstmal, dass die SDGs sektorenübergreifende Kooperationen ausdrücklich als Lösungskonzept ansprechen. Unternehmen sind natürlich gefordert diese Anforderungen im betrieblichen Alltag zu operationalisieren und in Prozesse, Produkte und Dienstleistungen zu übersetzen. Das UPJ-Netzwerk kann solche Themen auf die Agenda setzen – aktuell in den zahlreichen regionalen Praxistagen, Informationsveranstaltungen, Workshops und eben auch bei der Jahrestagung .

 

Info:

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Am 3. März 2016 feiert das UPJ-Netzwerk sein 20jähriges Bestehen und bietet mit der Jahrestagung eine Plattform für den offenen kollegialen Austausch und Wissens-Transfer von über 250 Verantwortlichen, Expertinnen und Praktikern aus Unternehmen, regionalen Mittlern und Non-Profit-Organisationen, aus Bund, Ländern und Kommunen, Politik, Wissenschaft, Netzwerken, Verbänden und Medien. Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung gibt es hier.

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