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Forschungsinstitut ICCT: Autobauer tun nach Abgas-Skandal nicht genug

Die Reaktion der europäischen Autobauer und Behörden auf den Abgas-Skandal bei Volkswagen ist nach Ansicht des Forschungsinstituts ICCT unzureichend. Der Skandal bei VW sei „ein Extremfall“ gewesen, aber „zu hohe Emissionen“ seien fünf Monate nach Bekanntwerden der Abgas-Manipulationen „immer noch die Norm“.

Berlin (afp) > Die Reaktion der europäischen Autobauer und Behörden auf den Abgas-Skandal bei Volkswagen ist nach Ansicht des Forschungsinstituts ICCT unzureichend. Der Skandal bei VW sei „ein Extremfall“ gewesen, aber „zu hohe Emissionen“ seien fünf Monate nach Bekanntwerden der Abgas-Manipulationen „immer noch die Norm“, sagte Vicente Franco vom International Council on Clean Transportation (ICCT), der den Skandal ins Rollen gebracht hatte, am Mittwoch in Berlin.

Die Reaktion der gesamten Automobilbranche reiche nicht aus und die Bemühungen der europäischen Behörden für eine bessere Regulierung sei „zu zaghaft“, sagte Franco. Seit Bekanntwerden des Skandals hätten sich viele andere Organisationen und Journalisten des Themas angenommen und eigene Tests und Messungen vorgenommen. „Aber die Hersteller verweisen eher auf Schlupflöcher, als technische Antworten zu geben“, sagte er bei einem Runden Tisch, zu dem die Bundestagsfraktion der Grünen eingeladen hatte.

Schritt in die richtige Richtung, aber unzureichend

Die jüngsten Vorschläge für neue Tests seien „ein Schritt in die richtige Richtung, aber unzureichend“, sagte Franco weiter. Die Real Driving Emissions (RDE) genannten Tests sollen ab Januar schrittweise eingeführt werden. Dabei wird der Stickoxid-Ausstoß unter echten Fahrbedingungen und nicht im Labor gemessen. Der CO2-Ausstoß wird aber auch bei Dieselfahrzeugen weiter unter Laborbedingungen getestet. Allerdings sehen die Rahmenbedingungen für neue Abgastests von Dieselfahrzeugen ab 2017 vor, dass der Stickoxid-Ausstoß auf der Straße dauerhaft um die Hälfte über den im Labor gemessenen Werten liegen darf. In einer Übergangsphase kann die Abweichung mehr als das Doppelte betragen.

Der Grünen-Abgeordnete Oliver Krischer warf der Autoindustrie vor, die Debatte zu verweigern. „Es ist unzureichend, wenn man versucht, dieses Thema auszusitzen, in die Länge zu ziehen, bis man sich nicht mehr dafür interessiert. Aber wir werden weiter nachhaken“, sagte Krischer. Auch die Bundesregierung gebe „undurchsichtige und widersprüchliche Antworten“. „Wir bekommen selbst auf einfachste Fragen keine Antworten mehr.“

Der ICCT hatte den Abgas-Skandal bei Volkswagen ausgelöst, indem er die US-Umweltbehörde EPA informierte. Im September hatte der Autobauer zugeben müssen, dass weltweit bei rund elf Millionen Dieselfahrzeugen mehrerer Marken eine Manipulations-Software eingesetzt wurde, die den Stickoxid-Ausstoß im Testbetrieb zu niedrig auswies.