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Arbeitgeber machen Druck bei Flüchtlingsintegration

Die deutschen Arbeitgeber machen Druck auf die Bundesregierung zur Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt. Sie fordern in einem Fünf-Punkte-Plan unter anderem eine Deutschpflicht, mehr Möglichkeiten zur Zeitarbeit und zum Schulbesuch über das 18. Lebensjahr hinaus, wie BDA-Präsident Ingo Kramer am Wochenende sagte. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte am Samstag, sie sehe für Flüchtlinge gute Perspektiven im Handwerk.

Berlin (afp/csr-news) > Die deutschen Arbeitgeber machen Druck auf die Bundesregierung zur Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt. Sie fordern in einem Fünf-Punkte-Plan unter anderem eine Deutschpflicht, mehr Möglichkeiten zur Zeitarbeit und zum Schulbesuch über das 18. Lebensjahr hinaus, wie BDA-Präsident Ingo Kramer am Wochenende sagte. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte am Samstag, sie sehe für Flüchtlinge gute Perspektiven im Handwerk.

Kramer sagte den Samstagsausgaben der Zeitungen der Funke-Mediengruppe, Flüchtlinge müssten „verpflichtet werden, von Anfang an Deutsch zu lernen“. Das gelte unabhängig von ihrer Bleibeperspektive. Ohne die deutsche Sprache hätten sie keine Chance auf Integration in die Arbeitswelt. Der Präsident der Bundesvereinigung deutscher Arbeitgeberverbände (BDA) schlug Leistungskürzungen für Migranten vor, die sich Sprachkursen verweigerten. Zudem müsse Zeitarbeit für alle Flüchtlinge mit Bleibeperspektive möglich sein, forderte Kramer. Das Instrument der Zeitarbeit sei „am besten geeignet, um Arbeitsplatzangebote und Arbeitssuchende in der gesamten Republik zusammenzubringen“. Alle Jugendlichen, die ohne Schulabschluss nach Deutschland kommen, müssten in das Schulsystem eingegliedert werden. Daher müsse die Möglichkeit zum Schulbesuch über das 18. Lebensjahr hinaus ausgedehnt werden.

Zugang zum Arbeitsmarkt erleichtern

Zudem dringen die Arbeitgeber auf eine schnellere Abschiebung abgelehnter Asylbewerber und den Erhalt des Schengen-Systems offener Binnengrenzen in der EU. „Voraussetzung dafür ist die Sicherung der europäischen Außengrenzen“, sagte Kramer. „Dazu muss die Grenzschutzagentur Frontex personell und finanziell durch alle EU-Staaten gestärkt werden.“ Kramer forderte zugleich weitere Ausnahmen vom Mindestlohn – aber nicht speziell für Flüchtlinge. „Wer langzeitarbeitslos oder geringqualifiziert ist oder noch nie gearbeitet hat, sollte für zwölf Monate von der Mindestlohnpflicht ausgenommen werden“, sagte er. Damit werde der Zugang zum Arbeitsmarkt erleichtert.

Merkel sagte in ihrem wöchentlichen Video-Podcast, bei Flüchtlingen mit Bleiberecht müsse sofort herausgefunden werden, welche beruflichen Fähigkeiten sie mitbrächten. Die Bundesagentur für Arbeit (BA) und beispielsweise der Zentralverband des Deutschen Handwerks müssten dann schnell Arbeitsmöglichkeiten finden. „Da wird man erst mal Einstiegsmöglichkeiten brauchen“, sagte die Kanzlerin. So könnten verlängerte Praktika den Handwerksbetrieben eine Möglichkeit bieten, sich einen Überblick zu verschaffen. Die Sprachausbildung müsse „auch auf die beruflichen Herausforderungen“ ausgerichtet werden, sagte Merkel weiter. Vielleicht könne sie zum Teil „parallel zur beruflichen Phase“ stattfinden.

Gesellschaftliches Bündnis gegen Intoleranz

Erst vor wenigen Tagen hatte der BDA, gemeinsam mit weiteren Organisationen, die „Allianz für Weltoffenheit, Solidarität, Demokratie und Rechtsstaat – gegen Intoleranz, Menschenfeindlichkeit und Gewalt“ vorgestellt. In einem gemeinsamen Aufruf appellierten die zehn Allianzpartner, angesichts der aktuellen Herausforderungen, demokratische Grundwerte und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu wahren sowie Hass und Intoleranz entschieden entgegenzutreten. „Die deutsche Wirtschaft tritt für ein weltoffenes Europa ein, in dem ausnahmslos jeder Mitgliedstaat die Menschenwürde und unsere demokratischen Grundwerte schützt. Menschen, die nach Europa flüchten, weil sie in ihrer Heimat an Leib und Leben bedroht sind, müssen hier Zuflucht erhalten“, so Ingo Kramer. „Das ist aber nur möglich, wenn jene Menschen, die nicht von Verfolgung und Gewalt bedroht sind, auch in ihre Heimatstaaten zurückgeführt werden. Asylsuchende mit Bleibeperspektive müssen ihren Beitrag leisten, damit ihre Integration gelingt. Sie müssen die grundlegenden Werte und Regeln unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens uneingeschränkt anerkennen.“

Zu dem breiten gesellschaftlichen Bündnis gehören die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, die Deutsche Bischofskonferenz, der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland, der Deutsche Gewerkschaftsbund, der Zentralrat der Juden in Deutschland, der Deutsche Kulturrat, der Koordinationsrat der Muslime, der Deutsche Naturschutzring, der Deutsche Olympische Sportbund sowie die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege.

Integrations-Initiative der deutschen Wirtschaft

Währenddessen haben sich unter dem Motto „Wir zusammen“ 36 namhafte Unternehmen zu einer gleichnamigen Initiative zusammengeschlossen. Ihr Ziel ist es, die Integration von Flüchtlingen in Deutschland voranzubringen. Mit praktischen Beispielen sollen weitere Unternehmen ermutigt werden, sich dem Netzwerk anzuschließen. (Bericht auf CSR-NEWS).

Foto: Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer