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Internetfirmen sammeln mehr Nutzerdaten als nötig

Zahlreiche Internetfirmen lassen sich ihre Datensammelwut durch unverständliche Formulierungen, Ungenauigkeiten und Lücken in den Datenschutzerklärungen von den Nutzern genehmigen. Einige Datenschutzbestimmungen ähnelten eher einem „Freibrief zum Sammeln und Speichern“ von Daten, kritisierte die Stiftung Warentest am Mittwoch. Sie nahm die Datenschutzerklärungen von 16 namhaften Internetfirmen unter die Lupe.

Berlin (afp) > Zahlreiche Internetfirmen lassen sich ihre Datensammelwut durch unverständliche Formulierungen, Ungenauigkeiten und Lücken in den Datenschutzerklärungen von den Nutzern genehmigen. Einige Datenschutzbestimmungen ähnelten eher einem „Freibrief zum Sammeln und Speichern“ von Daten, kritisierte die Stiftung Warentest am Mittwoch. Sie nahm die Datenschutzerklärungen von 16 namhaften Internetfirmen unter die Lupe.

Die meisten Unternehmen wie Amazon, Facebook oder Microsoft sammeln mehr Daten über ihre Nutzer als eigentlich notwendig, wie es in der März-Ausgabe des Magazins „Test“ heißt. Einige räumten sich teilweise weitreichende Rechte ein. Der Großteil der Firmen informiere die Kunden nur mit „unklaren, schwammigen Formulierungen“ in bis zu 45 Seiten langen Datenschutzerklärungen. Der Musikstreaming-Dienst Spotify etwa lässt sich laut Stiftung Warentest das Recht erteilen, die Daten des Nutzers auch an Dienstleister in Brasilien, den USA oder Singapur zu übertragen, in denen die Kunden „weniger Rechte in Bezug auf ihre personenbezogenen Daten haben“. Apple und Amazon behalten sich demnach das Recht vor, die Daten von Beschenkten zu speichern.

Nur rund ein Drittel der Internetfirmen klärt Kunden auf

Microsoft wiederum informiere den Kunden darüber, dass die bei der Nutzung seiner Dienste anfallenden Daten verknüpft werden. Mit Hilfe der Daten des E-Mail-Kontos Outlook, des Internettelefondienstes Skype, der Suchmaschine Bing und des Clouddienstes OneDrive könne Microsoft dann ein umfangreiches Benutzerprofil erstellen. Die meisten Datenschutzerklärungen machten den Leser „nicht schlauer“, darunter die Texte von Internetriesen wie Apple und Google, heißt es in „Test“. Wirklich aussagekräftig aus Verbrauchersicht sei keine der 16 geprüften Datenschutzerklärungen. Nur rund ein Drittel der Internetfirmen kläre die Kunden halbwegs aussagekräftig auf, darunter GMX, Zalando, die Streamingdienste Maxdome und Napster sowie der Versandhändler Otto.

Bei Zalando bewertete die Stiftung Warentest positiv, dass der Modehändler die Gründe für die Datenerhebung erläutert, deutlich auf Widerspruchsmöglichkeiten hinweist und eine Auskunftei nennt, an die Daten weitergegeben werden können. Allerdings informiere Zalando nicht, wie lange Daten gespeichert werden oder wie sie gelöscht werden können. Zudem werte das Unternehmen aus, ob Kunden Werbemails öffnen. Eine Sprecherin sagte AFP, Zalando arbeite „kontinuierlich an der Verbraucherfreundlichkeit“ der eigenen Datenschutzerklärung. „Deshalb ist jedes Feedback für uns wichtig.“

Recht auf die Weitergabe von Daten an Dritte

Beim sozialen Internetnetzwerk Facebook fiel den Testern positiv auf, dass die Datenrichtlinie übersichtlich gegliedert ist und Hilfe für die Anpassung der Datenschutzeinstellungen liefert. Allerdings sei der Umfang der Datenerfassung „recht unpräzise beschrieben“. Zudem räume sich Facebook das Recht auf die Weitergabe von Daten an Dritte ein. Es fehle darüber hinaus ein Hinweis auf das Widerspruchsrecht. Ein Unternehmenssprecher betonte gegenüber AFP, die Nutzer hätten „die volle Kontrolle über ihre Daten“. Diese könnten in den Privatsphäre-Einstellungen „jederzeit ganz genau nach ihren Bedürfnissen“ angepasst werden.

Die Stiftung Warentest empfiehlt Internetnutzern, mit Daten sparsam umzugehen und nur die nötigsten Angaben zu machen. Zudem sollten Verbraucher die Einstellungen ihrer Konten bei Internetdiensten prüfen und das Speichern von sogenannten Cookies, die das Surfverhalten dokumentieren, im Browser zu blockieren.

 

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