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Umweltschutzverein weist Glyphosat in beliebten Biersorten nach

Das Umweltinstitut München hat bei einem Stichprobentest von Bieren in allen Fällen Spuren des umstrittenen Pestizids Glyphosat gefunden. Das teilte der private Umweltschutzverein am Donnerstag mit. Demnach kaufte er kürzlich Flaschen der 14 am häufigsten verkauften Biere in Supermärkten und ließ sie untersuchen. Dabei fanden sich stark schwankende Mengen von Glyphosat-Rückständen von 0,5 bis 29,77 Mikrogramm je Liter. Der Deutsche Brauer Bund (DBB) wies den Vorwurf des Umweltinstitutes, die Brauereien würden ihre Rohstoffe nicht ausreichend kontrollieren, als absurd und völlig haltlos zurück. – aktualisiert –

München (csr-news/afp) > Das Umweltinstitut München hat bei einem Stichprobentest von Bieren in allen Fällen Spuren des umstrittenen Pestizids Glyphosat gefunden. Das teilte der private Umweltschutzverein am Donnerstag mit. Demnach kaufte er kürzlich Flaschen der 14 am häufigsten verkauften Biere in Supermärkten und ließ sie untersuchen. Dabei fanden sich stark schwankende Mengen von Glyphosat-Rückständen von 0,5 bis 29,77 Mikrogramm je Liter. Der Deutsche Brauer Bund (DBB) wies den Vorwurf des Umweltinstitutes, die Brauereien würden ihre Rohstoffe nicht ausreichend kontrollieren, als absurd und völlig haltlos zurück.

— am 26.02. um eine Stellungnahme des Umweltinstituts aktualisiert–

Einen Grenzwert für den erlaubten Glyphosat-Gehalt in Bier gibt es nicht. Das Institut wies zugleich darauf hin, dass der allgemeine Grenzwert für Pflanzenschutzmittel in Trinkwasser in der EU bei 0,1 Mikrogramm je Liter liegt. Ein Mikrogramm ist der millionste Teil eines Gramms. Die private Münchner Umweltschutzvereinigung erklärte, ihr Test fuße auf einer kleinen Zahl zufällig ausgewählter Produktproben. „Die hier veröffentlichten Werte geben daher lediglich die Belastung der jeweils untersuchten Charge wieder und erlauben keine generelle Aussage über die Belastung des Bieres einer bestimmten Marke“, teilte das Umweltinstitut mit.

Rund 1000 Liter Bier pro Tag

„In absoluten Zahlen sind die Mengen klein“, hieß es in der Veröffentlichung. „Doch bei krebserregenden und hormonwirksamen Stoffen gibt es keine Untergrenze, unter der sie sicher sind.“ Das Glyphosat in Bieren trage zur Gesamtbelastung mit dem Stoff bei. Den Schlussfolgerungen der Umweltschützer zufolge dürfte das Glyphosat über Weizen und Gerste in Bier gelangen. Im konventionellen Getreideanbau werde es „in großen Mengen“ eingesetzt. Das Umweltinstitut forderte die Brauereien auf, ihre Zutaten zu untersuchen.

Das für die Einschätzung von Gesundheitsgefahren zuständige staatliche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) erklärte in einer ersten Stellungnahme, der Nachweis von Glyphosatrückständen in Bier sei aufgrund der zugelassenen Anwendung im Getreideanbau „grundsätzlich“ zu erwarten und stelle in den genannten Mengen „nach dem derzeitigen Stand des Wissens“ keine Gesundheitsgefahr für erwachsene Menschen dar. Bezogen auf den höchsten von dem Institut gemessenen Rückstand von etwa 30 Mikrogramm je Liter Bier erklärte das BfR: „Um gesundheitlich bedenkliche Mengen von Glyphosat aufzunehmen, müsste ein Erwachsener an einem Tag rund 1000 Liter Bier trinken.“ Es legte dabei nach eigenen Angaben durch Studien ermittelte Risikotoleranzschwellen zugrunde.

„Die Brauereien in Deutschland betreiben – ebenso wie die vorgelagerten Stufen der Malz- und Hopfenerzeugung – einen hohen Aufwand, um die vier natürlichen Rohstoffe Wasser, Malz, Hopfen und Hefe, die nach dem Reinheitsgebot zum Brauen verwendet werden, auf mögliche Schadstoffe zu kontrollieren, wehrt sich der Deutsche Brauer-Bund. Laut eigenem Monitoring lägen die gemessenen Grenzwerte stets unter den zulässigen Höchstgrenzen. Für ihn seien die Ergebnisse des Umweltinstituts deshalb nicht nachvollziehbar und auch nicht glaubwürdig. Die vom Umweltinstitut verbreiteten Testergebnisse sind deshalb nicht nachvollziehbar und nicht glaubwürdig. Da uns weder die vollständige Untersuchung vorliegt, noch die Analysemethoden hinreichend belegt wurden, müssen wir die Seriosität der Untersuchung ernsthaft in Zweifel ziehen. Auch das dargestellte „Ranking“ der Biere ist absolut unseriös, stellt doch das Umweltinstitut selbst fest, dass der Test nur auf einer „kleinen Anzahl von Proben“ beruht und „keine generelle Aussage über die Belastung des Bieres einer bestimmten Marke“ zulässt.

Eigentor geschossen

Die deutsche Lebensmittelwirtschaft, Lobbyorganisation der Branche, sieht nun deutsches Bier unter Generalverdacht. Es sei perfide und abgeschmackt, wie es das Umweltinstitut tut, diese Untersuchungen mit dem Reinheitsgebot in Verbindung zu bringen, erklärte der Geschäftsführer Stephan Becker-Sonnenschein. Außerdem, „ob Glyphosat möglicherweise krebserregend ist oder nicht, ist noch nicht endgültig klar. Die European Food Standard Association (EFSA) sagt in ihrem Bericht – nein. Deshalb will die EU die Zulassung von Glyphosat auch bis 2031 verlängern“. Nach Auffassung des Industrieverbands Agrar e. V. (IVA) hat sich das Münchner Institut ein Eigentor geschossen. „In dem Bestreben, immer neue Horrormeldungen zu produzieren, haben sie sich das falsche Genussmittel ausgesucht – denn am Beispiel von Bier lässt sich die Panikmache plausibel und anschaulich widerlegen“, heißt es in einer Reaktion des Verbands. „So wie dem Verbraucher der maßvolle Umgang mit Bier und Wein zu empfehlen ist, wäre auch zu wünschen, dass sich das Umweltinstitut in seiner Panikmache mäßigt. Bei Lichte betrachtet ist die Zielgruppe für die aktuelle Angstkampagne sehr klein: Wer trinkt schon 1000 Liter Bier am Tag? Ich werde heute Abend nur einen Bruchteil davon zu mir nehmen – aber mit Genuss und Verstand“, kommentiert IVA-Hauptgeschäftsführer Volker Koch-Achelpöhler.

EU-Entscheidung im März

Glyphosat ist eines der weltweit am häufigsten eingesetzten Unkrautvernichtungsmittel. Auf EU-Ebene steht demnächst die Entscheidung über eine Zulassungsverlängerung an. Umweltschützer halten den Stoff für hochgiftig und fordern seit Jahren ein Verbot. Der Deutsche Bauernverband erklärte, etwa die Hälfte der in Deutschland verarbeiteten Braugerste stamme aus Importländern, „in denen weniger strenge Anwendungsbestimmungen“ für Glyphosat gelten. In Deutschland sei Glyphosat zur Vorerntebehandlung bei Braugerste nicht zugelassen. Auch bei Hopfen finde Glyphosat hierzulande keine Anwendung.

Um die möglichen Risiken von Glyphosat tobt ein erbitterter Streit. Die Aufsichtsbehörden sehen keinen Grund für Verbote, Kritiker werfen ihnen Verharmlosung vor. Immer wieder sorgen Studien für Aufsehen, über deren Interpretation kontrovers diskutiert wird. Ein Gremium der Weltgesundheitsorganisation WHO etwa stufte Glyphosat im vergangenen Jahr als „wahrscheinlich krebserregend“ ein. Den Herstellern zufolge handelte es sich dabei jedoch nur um „theoretische Überlegungen“ ohne Bezug zu den realen Verbraucherrisiken. Die Zulassung von Glyphosat in Europa läuft Ende Juni aus. Eine Verlängerung soll Anfang März auf europäischer Ebene voraussichtlich beschlossen werden.

— Aktualisierung —

Glyphosat im Bier, mit dieser Meldung hat das Münchner Umweltinstitut gestern für viel Aufmerksamkeit gesorgt. Dabei wurde im auch unterstellt, in der aktuellen Debatte um die weitere Zulassung von Glyphosat die Stimmung anzuheizen. Die Entscheidung darüber wird im März auf europäischer Ebene gefällt. Gestern hat der Bundestag gegen einen Vorschlag der Grünen gestimmt, die Bundesregierung möge sich nicht für eine Verlängerung aussprechen. Nun hat sich das Umweltinstitut erneut mit einer Stellungnahme zu Wort gemeldet. So hatte unter anderem das Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) die Untersuchungsergebnisse relativiert. Dazu Karl Bär, Referent für Agrarpolitik beim Umweltinstitut: „Es ist erschreckend, dass ausgerechnet eine für Verbraucherschutz zuständige Bundesbehörde die Gefahren von Glyphosat herunterspielt. Wenn ein Stoff mit hoher Wahrscheinlichkeit krebserregend ist, haben auch geringe Mengen bereits das Potenzial, Schaden anzurichten. Eine sichere tägliche Aufnahmedosis kann dann nicht benannt werden. Die Behauptung des BfR, man müsse schon 1000 Liter Bier trinken um eine gefährliche Menge Glyphosat aufzunehmen, ist geschickte Öffentlichkeitsarbeit im Sinne der chemischen Industrie.“

Auch zu den Äußerungen des Deutschen Brauer-Bundes nimmt das Institut Stellung. „Das Umweltinstitut hat entgegen anderslautender Vorwürfe des Deutschen Brauer-Bundes kein „Ranking“ der getesteten Biersorten vorgenommen. Es ist nicht das Ziel der Veröffentlichung, Bier bestimmter Marken oder aus bestimmten Regionen auf- oder abzuwerten. In der Veröffentlichung sind die Biere bewusst nicht nach den gemessenen Glyphosatwerten, sondern nach den Verkaufszahlen der Biermarken sortiert“. Tatsächlich hat das Umweltinstitut in seiner Veröffentlichung zu den Untersuchungsergebnissen darauf aufmerksam gemacht. Die Ergebnisse würden nur für die untersuchten Chargen gelten und würden keine generellen Aussagen über die Belastung des Bieres einer bestimmten Marke erlauben. Erfreulich seien laut Bär die ersten Reaktionen von Brauereien, die nach der Veröffentlichung ihre eigenen Biere genauer testen lassen und beim Kauf von Rohstoffen in Zukunft noch genauer hinsehen wollen.

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