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Total in Korruptions-Prozess um irakisches Ölprogramm verurteilt

In der Korruptions-Affäre um das frühere Irak-Programm „Öl für Lebensmittel“ ist der französische Erdölriese Total zu einer Geldstrafe von 750.000 Euro verurteilt worden. Das Pariser Berufungsgericht sprach den Konzern am Freitag schuldig, ausländische Verantwortliche geschmiert zu haben.

Paris (afp) > In der Korruptions-Affäre um das frühere Irak-Programm „Öl für Lebensmittel“ ist der französische Erdölriese Total zu einer Geldstrafe von 750.000 Euro verurteilt worden. Das Pariser Berufungsgericht sprach den Konzern am Freitag schuldig, ausländische Verantwortliche geschmiert zu haben. Zu Geldstrafen verurteilt wurden auch das Schweizer Öl-Unternehmen Vitol sowie eine Reihe von Einzelpersonen, unter ihnen ein früherer französischer Botschafter bei der UNO.

Das UN-Programm „Öl für Lebensmittel“ erlaubte dem damaligen irakischen Machthaber Saddam Hussein, von 1996 bis 2003 begrenzte Mengen an Erdöl auszuführen und mit den Erlösen Lebensmittel und Hilfsgüter einzuführen. Das Programm sollte die Folgen des nach dem Einmarsch irakischer Truppen in Kuwait verhängten Embargos gegen den Irak für die Zivilbevölkerung abschwächen. Die irakische Regierung umging aber die Vorgaben und verkaufte unter anderem heimlich mehr Öl als zulässig. In den Skandal waren einem UN-Bericht zufolge rund 2200 Unternehmen aus etwa 60 Ländern verwickelt.

Die französische Justiz wirft unter anderem Total vor, irakische Verantwortliche geschmiert und wissentlich zu viel für Öl gezahlt zu haben, um im Gegenzug Verträge mit dem Irak zu schließen. Nach achtjährigen Ermittlungen wurden 2013 in einem ersten Prozess Total und alle anderen Angeklagten überraschend freigesprochen. Das Pariser Strafgericht sah damals keine ausreichenden Belege für Korruption. Die Staatsanwaltschaft legte gegen die Freisprüche Berufung ein. Der Berufungsprozess begann im vergangenen Oktober und endete nun mit einer Verurteilung fast aller Angeklagten. Total-Anwalt Jean Veil zeigte sich „enttäuscht“ über das Urteil. Ob der Erdölkonzern in Revision geht, solle nach einer genauen Prüfung der Urteilsbegründung entschieden werden.