Nachrichten

Modellprojekt testet erweiterte Arbeitsmöglichkeiten für ausländische Fachkräfte

In einem Modellprojekt in Baden-Württemberg sollen erstmals auch ausländische Fachkräfte in „Nicht-Engpassberufen“ Zugang zum Arbeitsmarkt erhalten. Der Testlauf des Bundesarbeitsministeriums und der Bundesagentur für Arbeit (BA) soll nach Angaben der beiden Institutionen im Herbst beginnen und sich an einen begrenzten Kreis vorausgewählter Fachkräfte richten, die über die nötige „Integrationsfähigkeit“ verfügen.

Berlin (afp) > In einem Modellprojekt in Baden-Württemberg sollen erstmals auch ausländische Fachkräfte in „Nicht-Engpassberufen“ Zugang zum Arbeitsmarkt erhalten. Der Testlauf des Bundesarbeitsministeriums und der Bundesagentur für Arbeit (BA) soll nach Angaben der beiden Institutionen im Herbst beginnen und sich an einen begrenzten Kreis vorausgewählter Fachkräfte richten, die über die nötige „Integrationsfähigkeit“ verfügen.

Es gehe um die Erprobung eines neuen Steuerungsinstruments für „gezielte Zuwanderung“, teilten die Projektträger am Freitag in Berlin mit. Deutschland werde künftig auf gut ausgebildete ausländische Fachkräfte angewiesen sein, erklärte Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD). „Dazu testen wir nun einen neuen Weg, der sich in Kanada bereits bewährt hat.“ Fachkräfte aus Nicht-EU-Staaten dürfen bislang nur in Deutschland arbeiten, wenn ihre Tätigkeit auf von der BA erstellten „Engpass“-Listen steht. Darauf sind Berufsfelder versammelt, in denen Unternehmen ihren Personalbedarf im Inland nicht mehr decken können. Nur besonders Hochqualifizierte aus Nicht-EU-Staaten haben bisher einen unkomplizierten Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt.

Bewertung der „Integrationsfähigkeit“ nach einem Punktesystem

Bei dem Projekt werden nun interessierte Kandidaten nach einer Prüfung durch die BA für drei Jahre in einen speziellen Bewerberpool aufgenommen und können so im Bedarfsfall von Unternehmen ohne langwierige Verzögerungen eingestellt werden, auch wenn es sich nicht um einen offiziellen „Engpassberuf“ handelt. Die BA achtet dabei darauf, dass die Beschäftigungsbedingungen mit denen von inländischen Arbeitnehmern vergleichbar sind. Die BA prüft die Qualifikation der Bewerber und bewertet deren „Integrationsfähigkeit“ nach einem Punktesystem, das Sprachkenntnisse und Voraufenthalte in Deutschland erfasst. Nur wer die Voraussetzungen erfüllt, wird in den Pool aufgenommen. „Firmen brauchen in manchen Fällen sehr schnell qualifizierte Fachkräfte, um wirtschaftlich erfolgreich sein zu können“, erklärte BA-Chef Frank-Jürgen Weise. „Nur so können sie Arbeitsplätze auch für Inländer sichern.“

Die Rekrutierung von Bewerbern und interessierten Firmen soll über die schon bestehenden Vermittlungsstrukturen erfolgen. Die BA organisiert bereits die Vermittlung von ausländischen Arbeitnehmern und Auszubildenden auf den deutschen Arbeitsmarkt. Auch das Land Baden-Württemberg sowie die regionalen Unternehmensverbände, Kammern und Gewerkschaften sind in das Modellprojekt eingebunden. Angesichts einer schrumpfenden und durchschnittlich immer älter werdenden Bevölkerung drohen Deutschland und andere westliche Industriestaaten in den kommenden Jahrzehnten ökonomische Probleme. Regierungen und Unternehmen setzen daher zunehmend auf Zuwanderung von qualifizierten Fachkräften aus dem Ausland, um Lücken am Arbeitsmarkt zu schließen.

Hinterlassen Sie einen Kommentar