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Berlins Wirtschaft reicht Flüchtlingen auf Jobbörse die Hand

Hunderte zumeist junge Männer warten an diesem Montagvormittag geduldig auf Einlass zur ersten „Jobbörse für Geflüchtete“. Bis zu tausend Stellen sollen bei der Veranstaltung im Konferenzhotel Estrel im Berliner Bezirk Neukölln vergeben werden. Unter den Wartenden sind Mohammed und Osamah aus dem Irak. Osamah sucht eine Stelle als Industrie-Ingenieur, Mohammed einen Ausbildungsplatz.

Berlin (afp) > Hunderte zumeist junge Männer warten an diesem Montagvormittag geduldig auf Einlass zur ersten „Jobbörse für Geflüchtete„. Bis zu tausend Stellen sollen bei der Veranstaltung im Konferenzhotel Estrel im Berliner Bezirk Neukölln vergeben werden. Unter den Wartenden sind Mohammed und Osamah aus dem Irak. Osamah sucht eine Stelle als Industrie-Ingenieur, Mohammed einen Ausbildungsplatz.

Während die 23-Jährigen wegen der gründlichen Sicherheitskontrollen lange anstehen, preist die Berliner Senatorin für Arbeit und Integration, Dilek Kolat (SPD), die „in dieser Größenordnung bundesweit einmalige“ Veranstaltung. Neben ihr steht Ekkehard Streletzki. Der Eigner des Riesenhotels hat die Veranstaltung organisiert und zu einem großen Teil auch finanziert. In Zusammenarbeit mit der Bundesagentur für Arbeit ist es Streletzki gelungen, 211 Unternehmen und Bildungsträger zu versammeln. Sie bieten zusammen 500 Arbeitsplätze sowie 500 Ausbildungsstellen und Praktika an. Allein im Internet haben sich 4100 Flüchtlinge angemeldet, um die Börse zu besuchen. „Das zeigt, dass die Flüchtlinge auch wollen, dass sie motiviert sind“, sagt Kolat.

Am Eingang zur Börse erwartet Lana Zaim die Besucher. Die Zahnmedizin-Studentin arbeitet an diesem Tag als eine Art Messe-Hostess. Sie erklärt den Ankommenden, wer und was sie hier erwartet. Weil Zaim selbst vor dreieinhalb Jahren für ihr Studium aus Syrien nach Berlin kam, spricht sie wie die meisten Besucher Arabisch. Nach ihrem Kurzvortrag beantwortet sie Fragen, viele Flüchtlinge tragen ihren Lebenslauf in einer Mappe mit sich und wissen genau, was sie suchen. „Die meisten sind Syrer, viele kommen auch aus Irak, Eritrea oder Iran“, sagt Zaim. Es sind jene Länder, in die Deutschland derzeit keinen Flüchtling zurückschickt. Diese Menschen haben anders als etwa Schutzsuchende aus den Balkanstaaten und Nordafrika sehr gute Bleibeperspektiven. Viele von ihnen sind von der Bundesagentur für Arbeit zu der Börse eingeladen worden.

Großer Andrang herrscht vor dem Stand des IQ Netzwerks, dessen Mitarbeiter bei der Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüsse helfen. Es seien sehr viele Ingenieure und Ärzte unter den Interessierten, sagt eine Mitarbeiterin des Netzwerks. Die Beratungstermine seien zurzeit für sechs bis acht Wochen ausgebucht. Besucher, die zum Zeitpunkt ihrer Flucht noch mitten in der Ausbildung waren, kommen eher zum Stand von Benjamin Gross. Der Mitarbeiter der Berliner Humboldt-Universität erklärt die allen Flüchtlingen offen stehende Gasthörerschaft. „Doch um sich für ein Bachelor-Studium einzuschreiben, müssen die Flüchtlinge Sprachkenntnisse auf dem Niveau C1 nachweisen“, sagt Gross. C1 ist nur knapp unter Muttersprachler-Niveau.

Deutsch-Kenntnisse sind auch bei den ausstellenden Unternehmen das wichtigste Thema und die größte Hürde. Die Mitarbeiterin einer großen Firma will sich nicht mit Namen zitieren lassen und sagt: „Am Ende ist unsere Unternehmenssprache Deutsch und da hapert es bei den meisten noch kräftig.“ Für das Bus-Unternehmen BVB KG wirbt Maarouf Assem um neue Fahrer. Assem kam 1975 als palästinensischer Flüchtling nach Berlin. „Die mit dem guten Deutsch haben oft keine Erfahrung als Busfahrer und anders herum“, sagt er. Aber er ist optimistisch, künftige Angestellte für sein Unternehmen gefunden zu haben, auch wenn diese ihren Beförderungsschein erst noch machen müssen. Auf seinem Tisch stapeln sich einige Lebensläufe.

Es fällt auf, dass vor allem junge Flüchtlinge die Aussteller ohne Hemmungen mit oft gutem Deutsch ansprechen. Ältere Börsen-Besucher sind meist zurückhaltender. Nur wenige können sich so gut verständigen wie Mohammed, der vor drei Monaten aus dem Irak vor dem IS floh. „Ich bewerbe mich jetzt für eine Ausbildung als Hotelfachmann und danach studiere ich“, sagt er lachend nach dem Rundgang. Auch Osamah, der fließend Englisch spricht, zeigt sich optimistisch, dass er mit den gesammelten Adressen eine Arbeitsstelle findet.

 

 

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