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Fairtrade-Konferenz: Globale Lieferketten verantwortlich gestalten

Wie lässt sich Verantwortung in globalen Lieferketten durchsetzen? Wie können neue Nachhaltigkeitsansätze zu besseren Lebens- und Arbeitsbedingungen in den Anbauländern führen und gleichzeitig zu hochwertigen Produkten? Fragen mit denen sich die Teilnehmer der sechsten Internationalen Fairtrade Conference IFC beschäftigten. Im Anschluss wurden die Fairtrade-Awards für langfristiges und glaubwürdiges Engagement rund um den fairen Handel vergeben.

Berlin (csr-news) > Wie lässt sich Verantwortung in globalen Lieferketten durchsetzen? Wie können neue Nachhaltigkeitsansätze zu besseren Lebens- und Arbeitsbedingungen in den Anbauländern führen und gleichzeitig zu hochwertigen Produkten? Fragen mit denen sich die Teilnehmer der sechsten Internationalen Fairtrade Conference IFC beschäftigten. Im Anschluss wurden die Fairtrade-Awards für langfristiges und glaubwürdiges Engagement rund um den fairen Handel vergeben.

Abishek Jani, Geschäftsführer der Faritrade Foundation Indien, sieht auf dem asiatischen Kontinent deutliche Veränderungen die auch zu besseren Lebensbedingungen führen können. „Asien steckt inmitten einer tiefen Transformation. 4,4 Milliarden Menschen machen sich auf den Weg zu besseren wirtschaftlichen Möglichkeiten“, so Abishek Jani. „Diese Situation gibt uns die einmalige Chance, mit lokalen Partnern zusammenzuarbeiten, um absolute Armut auszumerzen, gute nachhaltige Praktiken und ein ganzheitlicheres Wachstum zu ermöglichen. Mit über 20 Jahren Erfahrung in der Arbeit mit benachteiligten Produzenten in der Region stellt Fairtrade eine innovative und wirkungsvolle Plattform dar, diesen Wandel voranzubringen.“

Verfügbarkeit für eine breite Konsumentenschicht

Der faire Handel kann von Jahr zu Jahr mit neuen Steigerungsraten aufwarten. Einen wesentlichen Beitrag daran haben, trotz teilweise großer Kritik, die Discounter und großen Handelsketten, die Fairtrade-Produkten aus der Nische geholfen haben. Beispielsweise führte Lidl 2006 als erster Händler in Deutschland bundesweit Fairtrade-zertifizierte Produkte ein. Seitdem hat der Discounter sein zertifiziertes Angebot stetig ausgebaut. Diese Sortimentsvielfalt und Verfügbarkeit öffnet den Fairen Handel für eine breite Konsumentenschicht und trägt damit maßgeblich zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitssituation von Bauern und Arbeitern im globalen Süden bei“, befand die Jury des Fairtrade-Awards und würdigte das langjährige Engagement mit dem diesjährigen Fairtrade-Award in der Kategorie Handel. Platz zwei in dieser Kategorie ging an Rewe Boppard für aufmerksamkeitsstarke Kundenaktionen und den Einsatz für die Fairtrade-Town Kampagne in Boppard. Platz drei erhielt die schweizerische Pakka AG. Sie verlagert Wertschöpfung in den Süden und fördert die Vermarktung der Nussprodukte auch vor Ort.

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„Fairer Handel schafft Perspektiven für die Menschen in benachteiligten Regionen“, sagte Andreas Huber, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft Club of Rome, auf dem Kongress. „Damit trägt er aktiv zur Bekämpfung von Fluchtursachen bei. In Verbindung mit Klimaschutzprojekten der Produzenten macht Fairtrade nun einen wichtigen Schritt hin zu gelebter ökosozialer Marktwirtschaft, wie sie die Deutsche Gesellschaft Club of Rome im Rahmen der Global Marshall Plan Initiative seit Jahren fordert.“

So wie beim Gewinner in der Rubrik „Hersteller“, der Fair Deal Trading GmbH mit ihrer Marke Ethletics. Ethletics sind die ersten Schuhe mit Fairtrade-Baumwollsiegel. Auch der erste Fairtrade-Fußball kommt von Fair Deal Trading. Kreative Produkte trotz kleinem Budget, Pionierarbeit vor Ort und Kundenbindung beeindruckten die Jury. „Der persönliche Kontakt zu den Produktionsbetrieben wird bei Ethletics Groß geschrieben“, erläuterte Charlotte Britz, Oberbürgermeisterin der Hauptstadt des Fairen Handels Saarbrücken, die Jury-Begründung. „Bei Reisen nach Indien, Sri Lanka und Pakistan überzeugt sich das Ethletic-Team regelmäßig über die Lage vor Ort und sorgt für eine transparente Lieferkette.“

Verantwortung aller Beteiligten

„Globale Lieferketten fair zu gestalten, ist eine Verantwortung aller Beteiligten“, sagte Dieter Overath, TransFair-Vorstandsvorsitzender. „Für Händler und Hersteller steckt dahinter der Wunsch ihre Lieferketten zu sichern. Wir sind überzeugt, dass das nur durch eine konkrete Verbesserung der Situation für die Kleinbauern und Arbeiter vor Ort möglich ist. Der Anbau muss attraktiver werden. Es ist nicht der Traum junger Menschen, uns für zwei Dollar am Tag Kaffee- oder Kakaobohnen zu pflücken“.

Gewinner des Fairtrade-Awards in der Kategorie „Zivilgesellschaft“ wurde das Aktionsbündnis Faire Uni Saar. Die Uni Saarbrücken wurde 2014 erste Fairtrade-University. „Das Aktionsbündnis Faire Uni Saar schafft es bravourös, die verschiedenen Kräfte von Verwaltung, Lehre und Studierenden für den fairen Handel zu bündeln“, so die Begründung der Jury. Die Confiserie Riegelein ist Trägerin des Publikumspreises 2016. Der Schokoladenhersteller konkurrierte mit 20 Mitbewerbern um die Gunst des Publikums. Bei der Online-Abstimmung setzte sich Riegelein mit 2.506 Stimmen im Kopf an Kopf-Rennen gegen das Camerloher-Gymnasium Freising durch, das mit 2.424 Stimmen den zweiten Platz erreichte.

Erstmalig wurden in Berlin auch die Internationalen Fairtrade Awards verliehen. Die engagiertesten Kleinbauernorganisationen kommen aus Honduras, Kolumbien und Malawi. Die überzeugendsten Prämienkomitees stammen aus Äthiopien, Sri Lanka und Indien. Online wurde über den größten Fairtrade Fan weltweit abgestimmt. Bijumon Kurian aus Indien setzte sich gegen neun Mitbewerber aus acht verschiedenen Ländern durch. Er ist Kaffee- und Kakaobauer und vertritt die Stimme der Produzentenorganisationen als Vorstandsmitglied des asiatischen Fairtrade-Produzentennetzwerks NAPP.

 

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