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Deutsche Unternehmen mit Kreislaufschwächen

Die Kreislaufwirtschaft bietet wirtschaftliche Entwicklungsmöglichkeiten und ist politisch gewollt. Tatsächliche sind deutsche Unternehmen von den Chancen überzeugt. Dies legt zumindest eine Untersuchung von Z_punkt The Foresight Company unter 40 großen und mittelständischen Unternehmen nahe. Auch für das eigene Unternehmen wird die Bedeutung als hoch eingeschätzt. Gleichwohl ist die Unternehmensstrategie selten darauf ausgerichtet.

Köln/Düsseldorf (csr-news) > Die Kreislaufwirtschaft bietet wirtschaftliche Entwicklungsmöglichkeiten und ist politisch gewollt. Tatsächliche sind deutsche Unternehmen von den Chancen überzeugt. Dies legt zumindest eine Untersuchung von Z_punkt The Foresight Company unter 40 großen und mittelständischen Unternehmen nahe. Auch für das eigene Unternehmen wird die Bedeutung als hoch eingeschätzt. Gleichwohl ist die Unternehmensstrategie selten darauf ausgerichtet.

Große Aktualität hat das Thema Kreislaufwirtschaft durch den Aktionsplan „Circular Economy“ erhalten, den die EU-Kommission im Dezember vorgestellt hat. Das Ziel: Europa zum Vorreiter einer wettbewerbsfähigen und ressourceneffizienten Ökonomie zu machen.

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Ein Wirtschaften in geschlossenen Kreisläufen – auf den Ebenen von Ressourcen und Materialien, Produkten und Supply Chains – gehe weit über Recycling hinaus. Bei Ansätzen, den Wert von Produkten solange zu erhalten, wie dies qualitativ und wirtschaftlich möglich ist, hinkt Deutschland hinterher. „Unternehmen wie Philips, eBay, Caterpillar und Renault investieren mit Erfolg in die Kreislaufwirtschaft. Aber nur wenige der Best-Practice-Beispiele wurden von der deutschen Industrie vorangetrieben“, sagt Christian Rudolph, der bei Z_punkt das Thema Kreislaufwirtschaft verantwortet. Caterpillar würde beispielsweise in neun Remanufacturing-Werken Pumpen, Getriebe und Motoren auf, um sie in neuen Maschinen zu verbauen. Philips dagegen bietet Geschäftskunden die Möglichkeit aufwendige Lichtsysteme zu leasen statt sie zu kaufen und die Fluggesellschaft British Airways will zukünftig die Flotte mit gebrauchten A380 erweitern.

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Die deutsche Wirtschaft könnte nach einer aktuellen Studie von der Ellen MacArthur Foundation, dem McKinsey Center for Business and Environment und dem Stiftungsfonds für Umweltökonomie und Nachhaltigkeit (SUN) jährlich um zusätzliche 0,3 Prozent wachsen, wenn Rohstoffe und Produkte mittels einer Kreislaufwirtschaft besser ausgelastet würden. Privathaushalte könnten ihre Kosten für Lebensmittel, Mobilität und Wohnraum bis zum Jahr 2030 um ein Viertel senken. „Mit Kreislaufwirtschaft lassen sich kurz- und mittelfristig Gewinne vor allem durch eine bessere Auslastung von Produkten generieren. Langfristig sind Produkt-Service-Systeme entscheidend“, so Rudolph. Dies erfordere den Aufbau neuer Unternehmenseinheiten und Kompetenzen, bis dann nach einigen Jahren ein neuer Wertschöpfungskreislauf entstehe.

4,5 Billionen US-Dollar zusätzliche Wirtschaftsleistung

Die Circular Economy könnte bis zum Jahr 2030 global sogar rund 4,5 Billionen US-Dollar zusätzliche Wirtschaftsleistung generieren, wie die Beratungsgesellschaft Accenture im vergangenen Jahr in dem Buch „Wertschöpfung statt Verschwendung“ schrieb. Demnach würde im Jahr 2030 eine Lücke von mehr als sieben Milliarden Tonnen zwischen dem Angebot und der Nachfrage natürlicher Ressourcen klaffen. Dies entspricht dem Gesamtressourcenverbrauch in Nordamerika im Jahr 2014. Die Konsequenzen seien erheblich. So könnte dieses Defizit bis ins Jahr 2030 zu einem globalen Wachstumseinbruch von 4,5 Billionen und bis 2050 von 25 Billionen US-Dollar führen. Die realen Rohstoffpreise seien zwischen 1960 und 2000 trotz steigender Nachfrage zurückgegangen, so die Autoren. Dies hat zu verschiedenen Formen der Verschwendung geführt – etwa von Energie und Materialien, die nur einmal genutzt werden, von Produkten, die nach kurzer Zeit weggeworfen werden, oder von Vermögenswerten wie zum Beispiel Autos, die über den Großteil ihrer Lebensdauer nicht genutzt werden. Seit der Jahrtausendwende sind die Rohstoffpreise hingegen nicht nur gestiegen, sondern auch volatiler geworden.

Angesichts des weltweiten Bevölkerungswachstums, der ungebrochenen Konsumfreude und der Urbanisierung würde die Versorgung mit vielen natürlichen Ressourcen immer unsicherer. „Die Wegwerfmentalität, die unseren traditionellen, linearen Geschäftsmodellen zugrunde liegt, droht das Wirtschaftswachstum zu ersticken. Zum einen sind die Rohstoffpreise immer schwerer zu kalkulieren, zum anderen steigen die Kosten durch die Abhängigkeit von einem zunehmend instabilen Angebot eingeschränkter Ressourcen“, sagt Peter Lacy, Managing Director bei Accenture Strategy und Co-Autor des Buches. „Der wesentliche Treiber der Circular Economy besteht in ihren Chancen – nicht in der Knappheit natürlicher Ressourcen an sich“, so Lacy. „Unternehmen werden künftig stärker wachsen, wenn sie ihre Ressourcen so lange wie möglich wirtschaftlich nutzbar halten. Heute ist Abfall in den Geschäftsmodellen der meisten Unternehmen tief verankert. Sie müssen demnach eine Reihe von Schritten gehen, um Verschwendung in Wohlstand zu verwandeln. Aber diejenigen, die dort zuerst ankommen, können den Circular Advantage nutzen und sich von ihren Wettbewerbern abheben.

Die McKinsey-Studie „Growth Within: A circular economy vision for a competitive Europe“.