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Bauern fordern bundesweit bessere Preise für ihre Erzeugnisse

Von Flensburg bis Passau, von Bautzen bis Bonn: Bundesweit haben am Mittwoch Landwirte bessere Preise für Milch, Fleisch und Getreide gefordert. In mehr als 100 Orten warben sie zum Teil mit Frühstückstischen oder Grillaktionen bei den Verbrauchern um Verständnis für ihre Lage.

Berlin (afp) > Von Flensburg bis Passau, von Bautzen bis Bonn: Bundesweit haben am Mittwoch Landwirte bessere Preise für Milch, Fleisch und Getreide gefordert. In mehr als 100 Orten warben sie etwa mit Frühstückstischen oder Grillaktionen bei den Verbrauchern um Verständnis für ihre schwierige wirtschaftliche Lage. „Weniger als ein Viertel des Lebensmittelpreises kommt heute beim Landwirt an“, erklärte Bauernpräsident Joachim Rukwied in Berlin. „Wir machen Dein Frühstück. Aber Dein Geld kommt nicht bei uns an“ – dieser Aufkleber prangte auf zahlreichen Produkten und Infoständen der Landwirte quer durch die Republik. „Wir können nicht allein von Wertschätzung leben, wir brauchen auch Wertschöpfung“, sagte der Vize-Präsident des Landesbauernverbands Brandenburg, Heiko Terno, an einem Frühstückstisch vor dem Brandenburger Tor.

Schleuderpreise zerstören die Strukturen

Laut Deutschem Bauernverband (DBV) erlebt die deutsche Landwirtschaft eine tiefgehende und anhaltende Preiskrise. Sie sei gravierender als die Wirtschafts- und Finanzkrise 2008 und 2009. Seit 2013 sind den Angaben zufolge die Preise für Schweinefleisch, Milch und Getreide stetig gesunken. Sie hätten mittlerweile ein Niveau erreicht, das keine wirtschaftliche Perspektive mehr zulasse. Bauernpräsident Rukwied erklärte, die Margen zwischen Erzeugerpreis und Verkaufspreis hätten sich in den vergangenen Jahren vergrößert. „Schleuderpreise zerstören die Strukturen unserer heimischen Landwirtschaft.“ Auch Vermarkter, Schlachtunternehmen, Molkereien und Verarbeiter, die mit dem Lebensmitteleinzelhandel über Preise verhandeln, seien in der Verantwortung.

Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) pflichtete Rukwied bei. „Unsere qualitativ hochwertigen Lebensmittel dürfen nicht zu Billigpreisen verschleudert werden“, erklärte er in Berlin. Der ruinöse Preiskampf mit Grundnahrungsmitteln müsse ein Ende haben, das Preisrisiko dürfe nicht länger allein auf den Schultern der Landwirte liegen. Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) dagegen nannte den Aktionstag dagegen „eher ein Ablenkungsmanöver“. Es sei zwar sinnvoll und richtig, dass Milchbauern auf die massive Existenzbedrohung der Betriebe hinweisen. Die niedrigen Preise im Lebensmitteleinzelhandel seien allerdings „nicht Ursache, sondern Symptom der Milchkrise“. Angebot und Nachfrage regelten den Preis. Der BDM plädiert für eine „organisierte und befristete Mengenrücknahme“.

Existenzbedrohung der Betriebe

Auch die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft sprach sich für Mengenreduzierungen aus. Sie erklärte, der Bauernverband trage eine „große Mitverantwortung“ für die katastrophalen Erzeugerpreise bei Milch und Fleisch, weil er sich gegen eine „notwendige Mengenreduzierung“ wehre. Wer auf den russischen Präsidenten Wladimir Putin und die chinesische Führung als Handelspartner für eine Exportoffensive setze, der steuere die Landwirtschaft in eine gefährliche Sackgasse. Auch der Bauernverband hatte zuvor auf verschiedene Gründe für die niedrigen Preise verwiesen. Zusammen kommen die derzeitige Schließung des russischen Markts wegen der Sanktionen im Zusammenhang mit dem Ukraine-Konflikt, ein Einbruch der Nachfrage in China sowie der Anstieg der Produktion in Europa infolge des Wegfalls der Milchquoten im März vergangenen Jahres.

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