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Experte wirft Konzernen mangelnde Innovationsfähigkeit bei Elektroautos vor

Die bislang geringe Nachfrage nach Elektroautos ist dem Automobilexperten Stefan Bratzel zufolge auf fehlende Herstellerinnovationen und mangelnde Attraktivität zurückzuführen. Es fehlten technologisch ausgereifte Elektro-Modelle, die aus Sicht der Kunden im Wettbewerb mit Benzin- oder Dieselfahrzeugen bestehen könnten.

Bergisch Gladbach (afp) > Die bislang geringe Nachfrage nach Elektroautos ist dem Automobilexperten Stefan Bratzel zufolge auf fehlende Herstellerinnovationen und mangelnde Attraktivität zurückzuführen. Es fehlten technologisch ausgereifte Elektro-Modelle, die aus Sicht der Kunden im Wettbewerb mit Benzin- oder Dieselfahrzeugen bestehen könnten, erklärte Bratzel am Freitag unter Verweis auf eine Analyse des von ihm geleiteten Centers of Automotive Management (CAM) in Bergisch-Gladbach.

Nur sehr wenigen Autoherstellern sei es bislang gelungen, „technologisch ausgereifte Modelle hervorzubringen, die aus Kundensicht eine wirkliche Alternative darstellen beziehungsweise ‚Begehrlichkeiten‘ auslösen“, erklärte Bratzel. Ein großes Problem seien nach dem Ergebnis seiner Untersuchung insbesondere die zu geringen Reichweiten der Fahrzeuge, daneben auch die zu unattraktiven Endkundenpreise. Eine in Deutschland seit längerem diskutierte staatliche Kaufprämie für Elektroautos ist aus Sicht der Experten kein geeignetes Mittel, die Nachfrage langfristig zu steigern. „Kaufprämien bergen die Gefahr, nur ein Strohfeuer auszulösen, und haben darüber hinaus unerwünschte Nebenwirkungen wie Gewöhnungs- und Mitnahmeeffekte“, erklärte Bratzel. Maßgebliche Triebfeder seien in jedem Fall technische Innovationen.

Keine echten technischen Durchbrüche

Bislang spielt das Thema Elektromobilität in den antriebsbezogenen Innovations- und Entwicklungsstrategien der globalen Autokonzerne nach Einschätzung des CAM lediglich eine „untergeordnete Rolle“. Nur zehn Prozent aller Neuerungen in diesem Bereich seien der reinen Elektromobilität zuzuordnen, weitere acht dem Plug-in-Hybrid-Ansatz und neun dem Voll-Hybrid-Konzept. Dagegen entfielen 71 Prozent auf konventionelle Antriebe. Darüber hinaus seien viele Neuentwicklungen der Hersteller „serienferne Studien“ oder sogenannte Me-too-Innovationen – also Entwicklungen, bei denen Unternehmen von anderen entwickelte Ansätze nachvollziehen und vergleichbare Lösungen konzipieren, aber keine echten technischen Durchbrüche erzielen. Von den im Rahmen der Studie zwischen 2010 und 2015 gezählten 211 Elektromobilitäts-Innovationen seien nur 27 „Weltneuheiten“ gewesen.

Im Vergleich der wirklichen Innovationsstärke der Hersteller schnitt dem CAM zufolge der US-Nischenhersteller Tesla am besten ab. Tesla habe in dem von der Studie erfassten Zeitraum die meisten „Weltneuheiten“ vorzuweisen gehabt. Dazu zähle das Modell S, die erste von vornherein als E-Auto entwickelte Oberklassen-Limousine. Tesla setze bei seiner Strategie außerdem auf die aus Kundensicht richtigen Themen, betonte das CAM. Das Unternehmen habe seinen Markteinstieg „von oben“ durch die Oberklasse mit Fahrzeugen begonnen, die aufgrund ihrer „Andersartigkeit“ bei den Verbrauchern „eine hohe Begehrlichkeit“ auslösten. Tesla setze auch auf eine große Reichweite, was einen breiten Alltagseinsatz auch als „Erstfahrzeug“ ermögliche.