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Glyphosat-Hersteller sollen Studien zu umstrittenem Pflanzengift offenlegen

Im Streit um die Zukunft des Pflanzenschutzmittels Glyphosat in Europa sollen nun die Anbieter die ihnen vorliegende Studien zu dem Stoff veröffentlichen. Dies sei „vorteilhaft für die Gesellschaft insgesamt und würde die laufenden Debatten und den Entscheidungsprozess erleichtern“, heißt es in einem Schreiben des EU-Kommissars für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Vytenis Andriukaitis.

Berlin (afp) > Im Streit um die Zukunft des Pflanzenschutzmittels Glyphosat in Europa sollen nun die Anbieter die ihnen vorliegende Studien zu dem Stoff veröffentlichen. Dies sei „vorteilhaft für die Gesellschaft insgesamt und würde die laufenden Debatten und den Entscheidungsprozess erleichtern“, heißt es in einem Schreiben des EU-Kommissars für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Vytenis Andriukaitis, an einen Zusammenschluss der Glyphosat-Anbieter.

Als Grund für den Vorstoß führte der EU-Kommissar einen „starken Wunsch der Öffentlichkeit nach voller Transparenz“ in Bezug auf die Studien an, die von der europäischen Lebensmittelsicherheitsbehörde Efsa zur Beurteilung des Krebsrisikos durch Glyphosat herangezogen wurden. Ein „bedeutsamer Teil der Zivilgesellschaft“ sei besorgt wegen der unterschiedlichen Beurteilungen von Glyphosat durch die Efsa und die Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC).

Solche Sorgen könne er nicht ignorieren, heißt es in Andriukaitis‘ Schreiben, das am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP vorlag. Er lade daher die Anbieter-Organisation Glyphosat Task Force (GTF) ein, „proaktiv“ die Untersuchungen und das zugrundeliegende Datenmaterial zu veröffentlichen.

Zwar müsse der Wunsch nach Transparenz gegen andere „gesellschaftliche Bedürfnisse“ abgewogen werden – etwa den Schutz von Privateigentum und des laufenden Entscheidungsprozesses, erklärte Andriukaitis. Allerdings habe das Verfahren zur weiteren Zulassung von Glyphosat ein „außergewöhnliches Maß an öffentlicher Aufmerksamkeit und Besorgnis“ hervorgerufen. Deshalb sei eine Veröffentlichung der Studien sinnvoll.

Die Zulassung des Pestizids läuft in der EU im Juni aus. Kritiker wollen Glyphosat verbieten, weil es laut IARC krebserregend sein kann. Die EU-Kommission dagegen sieht aufgrund von Empfehlungen der Efsa keinen Grund, Glyphosat in der EU vom Markt zu nehmen.

Eine Entscheidung des zuständigen EU-Fachausschusses zur weiteren Zulassung des Mittels war im März vertagt worden, da sich weder für eine Verlängerung noch für ein Verbot von Glyphosat eine qualifizierte Mehrheit der EU-Mitgliedstaaten abzeichnete. Die deutsche Position blieb dabei bis zuletzt unklar.

Glyphosat ist das deutschland- und weltweit am meisten verkaufte Pestizid und wird sowohl in der Landwirtschaft als auch in privaten Gärten sehr häufig verwendet. Etwa 40 Prozent der Ackerfläche wird in Deutschland mit glyphosathaltigen Pflanzengiften behandelt.