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Ethno-Couture aus Fernost: In Vietnam präsentieren junge Designer faire Mode

Vielen gilt Vietnam als Land der Ausbeuterbetriebe, wo internationale Moderiesen zu Dumpingpreisen billige Kleidung produzieren ließen. Doch seit auf den Laufstegen ethnische Motive und Stoffe angesagt sind, drängt eine neue Generation vietnamesischer Designer auf den internationalen Markt: Mit fairen Arbeitsbedingungen und umweltfreundlicher Produktion präsentieren sie Ethno-Mode aus Vietnam.

Cao Bang (afp) > Vielen gilt Vietnam als Land der Ausbeuterbetriebe, wo internationale Moderiesen zu Dumpingpreisen billige Kleidung produzieren ließen. Doch seit auf den Laufstegen ethnische Motive und Stoffe angesagt sind, drängt eine neue Generation vietnamesischer Designer auf den internationalen Markt: Mit fairen Arbeitsbedingungen und umweltfreundlicher Produktion präsentieren sie Ethno-Mode aus Vietnam.

Pionier der neuen Bewegung ist das Label Kilomet 109, dessen Gründerin Thao Vu nicht nur Elemente ländlichen Kleidungsstils in ihre Designs integriert, sondern auch die Weberinnen der Dörfer in den Herstellungsprozess. In den abgelegenen Hügeln von Cao Bang etwa 300 Kilometer nördlich der Hauptstadt Hanoi taucht die 38-Jährige große Stücke handgesponnener Baumwolle in einen Bottich mit fermentierten Indigo-Blättern. „Sie bringen mir die Techniken bei“, sagt Thao. Sie habe sich von den Nung-Frauen im Dorf Phuc Sec inspirieren lassen, die mit natürlichen Färbemitteln und Handwebrahmen arbeiten.

Traditionell hergestellte Stoffe von Natur aus umweltfreundlich

In Vietnam mit seinen 54 ethnischen Minderheiten kann Thao aus dem Vollen schöpfen. Doch die Balance zwischen Tradition und Avantgarde ist nicht immer einfach: Die Frauen waren schockiert, als sie neben dem dunkelblauen Indigo mit neuen Farben experimentierte. „Sie schauten mich ungläubig an und sagten: ‚Du würdest hier keinen Ehemann bekommen'“, erzählt die Designerin. Schließlich beherrschten heiratsfähige Mädchen die traditionelle Indigo-Färbetechnik perfekt. Doch Thao gab nicht auf und färbt inzwischen selbst hergestellte Bio-Seide, Baumwolle und Hanf mit heimischen Wurzeln und Blättern in tiefem Indigo, hellgrau und erdigen Orange- und Brauntönen.

Seit Jahrzehnten produziert Vietnam in riesigen Fabriken Massenware für Ketten wie Zara, Mango oder H&M, die milliardenschwere Branche war Zugpferd des beeindruckenden Wirtschaftswachstums. Doch Umweltverschmutzung und unwürdige Arbeitsbedingungen sind die Schattenseiten. Die traditionell hergestellten Stoffe sind von Natur aus umweltfreundlich – mit natürlichen Farben, ohne aggressive Chemikalien oder synthetische Fasern. Und ohne Sweatshops. „Zunächst wollte ich nur die traditionellen Techniken am Leben halten, doch dann erkannte ich, dass wir jetzt auch ökologische und ethische Belange einbeziehen müssen, weil es sonst zu spät ist“, sagt Thao, die bereits internationale Designpreise gewann. So profitieren auch ihre Weberinnen von der Zusammenarbeit. „Früher webte ich für den persönlichen Gebrauch, doch jetzt gehen unsere Produkte in andere Länder“, sagt die 40-jährige Luong Thi Kim. „Ich will Geld verdienen, um meine Kinder aufzuziehen.“

Mischung aus Tradition und Moderne

In der ehemaligen Kaiserstadt Hue in Zentralvietnam vermarktet das Label Fashion4Freedom einheimische Handwerker und Künstler. Gründerin LanVy Nguyen floh einst per Boot aus ihrer Heimat und machte an der Wall Street Karriere. 1998 kehrte sie nach Vietnam zurück und beschloss, ihre Kontakte zur Rettung alter Handwerkstechniken einzusetzen. „Wir wussten, dass diese Leute das Know-how von Generationen hatten, wir mussten es nur an den Markt bringen“, sagt sie. So schult das Label jetzt traditionelle Holzschnitzer in der Herstellung von Plateau-Schuhen, die für umgerechnet rund 520 Euro pro Paar über den Ladentisch gehen. „Früher schnitzte ich traditionelle Holzhäuser, jetzt Schuhe im modernen Stil. Ich liebe diesen Job“, sagt der Schnitzer Do Quang Thanh.

Westliche Labels verfolgen die Entwicklung mit Interesse: Die US-Nobelmarke Nanette Lepore erwägt eine Zusammenarbeit mit Fashion4Freedom, wie Vizechef Jimmy Lepore Hagan angibt. Überzeugt habe ihn die Mischung aus Tradition und Moderne, die sich als „echte Chance für den US-Markt“ erweisen könnte.