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Brillanter Streiter für die Rechte des kleinen Kunden

Unter den vielen Gegnern, die sich Volkswagen mit seinen Manipulationen von Abgaswerten geschaffen hat, ist er einer der gefährlichsten: Michael Hausfeld gehört zu den prominentesten und gefürchtetsten Anwälten der USA. Im Laufe seiner Karriere hat sich der 70-Jährige schon mit vielen Großunternehmen angelegt – und immer wieder Milliardenbeträge für seine Mandanten erstritten. Sammelklagen sind eine seiner Spezialitäten.

Washington (afp) > Unter den vielen Gegnern, die sich Volkswagen mit seinen Manipulationen von Abgaswerten geschaffen hat, ist er einer der gefährlichsten: Michael Hausfeld gehört zu den prominentesten und gefürchtetsten Anwälten der USA. Im Laufe seiner Karriere hat sich der 70-Jährige schon mit vielen Großunternehmen angelegt – und immer wieder Milliardenbeträge für seine Mandanten erstritten. Sammelklagen sind eine seiner Spezialitäten.

Der schmächtige Mann mit der sanften Stimme und den geschliffenen Umgangsformen setzt Volkswagen auf beiden Seiten des Atlantiks unter Druck. In den USA ist er federführend an den Sammelklagen gegen den Konzern und den Verhandlungen über eine außergerichtliche Lösung beteiligt. Ein Richter hat VW eine Frist bis zu diesem Donnerstag gesetzt, eine solche Vereinbarung zu erreichen. Ansonsten droht dem Konzern ein Prozess im Sommer. In Deutschland gibt es Sammelklagen wie im US-Recht zwar nicht. Gleichwohl strebt Hausfeld auch hierzulande an, als Vertreter Tausender von Geschädigten gegen Volkswagen vorzugehen, weshalb er derzeit in großem Stil von seinem deutschen Büro Mandanten registrieren lässt.

Vertreter Tausender Geschädigter

Eine direkte Kontaktaufnahme zur Konzernspitze ist dem Washingtoner Anwalt allerdings bislang nicht gelungen. „Wir hatten viele verschlossene Gegner. Aber keiner war jemals so arrogant“, sagte er der „Süddeutschen Zeitung“.  Die Verweigerungshaltung der Wolfsburger spornt Hausfeld sicherlich nur zusätzlich an. Er sieht sich mit der Konzernspitze auf Augenhöhe – schließlich streitet er seit Jahrzehnten mit Gegnern dieses Kalibers. Nach der Ölkatastrophe von Alaska 1989 focht er mit Exxon Valdez und trug dazu bei, dass der Konzern eine Milliardensumme zahlen musste. Später rang er Texaco eine hohe Millionenentschädigung für Afroamerikaner ab, die von dem Ölkonzern am Arbeitsplatz diskriminiert worden waren. Auch mit Tabakkonzernen, Pharmaunternehmen und Großbanken hat Hausfeld gestritten.

In Deutschland ist er vor allem durch seinen Einsatz für NS-Opfer und ihre Hinterbliebenen bekannt geworden. Hausfeld verhandelte mit Schweizer Banken über die dort jahrzehntelang verwaisten Vermögen von Holocaust-Opfern und erwirkte eine Entschädigung von rund einer Milliarde Euro. Er vertrat die osteuropäischen Staaten in den Verhandlungen mit Bundesregierung und deutscher Industrie über die Entschädigung von Zwangsarbeitern, in denen eine Summe von 5,2 Milliarden Euro vereinbart wurde.

Rechte des kleinen Kunden durchzusetzen

Aufarbeitung der NS-Vergangenheit, Bürgerrechte, Verbraucherrechte, Kartellrecht – dies sind die Schwerpunkte, die Hausfeld sich gesetzt hat. Seine Motivation wurzelt auch in seiner eigenen Geschichte. Sein Vater war ein polnischer Jude, der vor den Nazis in die USA geflüchtet war und in New York einen kleinen Pelzladen betrieb. Der Sohn wurde nach einem in Polen gebliebenen Bruder des Vaters benannt, der von den deutschen Besatzern ermordet wurde.

Hausfeld studierte nicht an einer der berühmten Rechtsfakultäten des Landes, sondern an der George Washington University in der Hauptstadt. Sein herausragendes Talent wurde schon früh erkannt – kurz nach dem Studium wurde er Partner einer Kanzlei. Dort arbeitete er 37 Jahre, bevor er wegen eines internen Machtkampfs gefeuert wurde und vor acht Jahren seine eigene Firma gründete. Seither festigte er seinen Ruf, einer der brillantesten und hartgesottensten Anwälte des Landes zu sein.

Seine Berühmtheit scheint Hausfeld aber nicht viel zu bedeuten. Er ist nicht der Typus Staranwalt, der ständig das Licht der Öffentlichkeit sucht. Der Lebensstil des Vaters dreier erwachsener Kinder, der seit fast 50 Jahren mit seiner Freundin aus Studienzeiten verheiratet ist, wurde in einem Porträt des „Playboy“ als eher bescheiden beschrieben. Das Magazin charakterisierte ihn als „Kreuzritter des Rechts“, als Mann mit einer Mission. Sie besteht im Fall VW darin, gegen den mächtigen Konzern die Rechte des kleinen Kunden durchzusetzen.

 

 

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