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Forscher und Bürger fordern mehr Klimaschutz

Unter dem Druck neuer Wärmerekorde unterschreiben Vertreter von rund 150 Staaten am Freitag in New York feierlich das Pariser Weltklimaabkommen zur Begrenzung des Temperaturanstieges. Experten und Entwicklungsorganisationen appellierten schon am Donnerstag an die Regierungen, mehr zur Umsetzung des Ziels zu tun. Die deutsche Bevölkerung haben sie dabei hinter sich, wie neue Umfragen belegen.

Berlin (afp) > Unter dem Druck neuer Wärmerekorde unterschreiben Vertreter von rund 150 Staaten am Freitag in New York feierlich das Pariser Weltklimaabkommen zur Begrenzung des Temperaturanstieges. Experten und Entwicklungsorganisationen appellierten schon am Donnerstag an die Regierungen, mehr zur Umsetzung des Ziels zu tun. Die deutsche Bevölkerung haben sie dabei hinter sich, wie neue Umfragen belegen.

Das im Dezember ausgehandelte UN-Abkommen sieht eine Begrenzung des Temperaturanstiegs in diesem Jahrhundert auf 1,5 Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit vor. „Wir steuern aber auf drei Grad zu“, warnte die Hilfsorganisation Oxfam. Wichtiger als die symbolische Unterzeichnung sei deswegen die zügige Ratifizierung des Abkommens durch die nationalen Parlamente, damit es auch frühzeitig in Kraft treten könne.

Nach wie vor seien die Länder mit hohem Treibhausgasausstoß nicht zu ausreichendem Klimaschutz bereit – was vor allem für die ärmeren Länder katastrophale Folgen haben könne, erklärte Oxfam. „Die Feier in New York darf darüber nicht hinwegtäuschen, sonst droht das Abkommen zum Papiertiger zu werden.“

Zusammen mit fast 40 weiteren Verbänden hatte die Organisation die Bundesregierung am Mittwoch zu deutlich mehr Engagement aufgerufen – etwa der Stilllegung aller Kohlekraftwerke bis spätestens 2035. „Weltweit werden massenweise neue Kohlekraftwerke gebaut“, stellte Ottmar Edenhofer fest, Chefökonom des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK). Ein Mindestpreis für CO2 sei „die beste Lösung“, um umzusteuern und Investitionen in saubere Energien zu fördern.

54 Prozent der Bundesbürger sind der Ansicht, dass die große Koalition nicht genug im Kampf gegen den Klimawandel tut. Das ergab eine am Donnerstag veröffentlichte Umfrage des Marktforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Naturschutzorganisation WWF. 78 Prozent fordern von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ein Eintreten für schärfere Klimaziele in der EU. Laut einer Emnid-Umfrage für das Netzwerk Campact verlangen 72 Prozent ein Gesetz zu einem schrittweisen Kohleausstieg. Sogar 80 Prozent wollen ein Fracking-Verbot.

Zur Beunruhigung der Menschen tragen die immer wärmeren Temperaturen bei. So war der vergangene Monat der wärmste März seit Beginn der Aufzeichnungen – und der elfte Monat in Folge, in dem ein globaler Temperaturrekord gebrochen wurde, wie die US-Behörde für Wetter- und Meeresforschung NOAA Anfang der Woche mitteilte. Die Serie an immer höheren Temperaturen alarmiert auch die Wissenschaft, weil sie auf eine Beschleunigung der Erderwärmung hindeuten könnte.

Dem arktischen Meereis könnte schon in diesem Sommer eine neue Rekordschmelze bevorstehen. Satellitenmessungen der Eisdicke ließen ähnlich wenig Eis wie im Negativrekordjahr 2012 erwarten, teilte das Alfred-Wegener-Institut (AWI) für Polar- und Meeresforschung am Donnerstag in Bremerhaven mit. Damals war die Eisfläche rund um den Nordpol auf nur noch 3,4 Millionen Quadratkilometer geschrumpft.