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2018 sollen kostenlose Plastiktüten im Handel die große Ausnahme sein

Dass Kunden eine kostenlose Plastiktüte für ihre Einkäufe bekommen, soll ab 2018 die große Ausnahme sein. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) und der Präsident des Handelsverbands HDE, Josef Sanktjohanser, unterzeichneten am Dienstag eine freiwillige Vereinbarung, wonach innerhalb von zwei Jahren 80 Prozent der Kunststofftüten kostenpflichtig sein sollen. Der zunächst geplante Starttermin 1. April wurde verschoben, nun hat man sich auf den 1. Juli geeinigt.

Berlin (afp/csr-news) > Dass Kunden eine kostenlose Plastiktüte für ihre Einkäufe bekommen, soll ab 2018 die große Ausnahme sein. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) und der Präsident des Handelsverbands HDE, Josef Sanktjohanser, unterzeichneten am Dienstag eine freiwillige Vereinbarung, wonach innerhalb von zwei Jahren 80 Prozent der Kunststofftüten kostenpflichtig sein sollen. Der zunächst geplante Starttermin 1. April wurde verschoben, nun hat man sich auf den 1. Juli geeinigt.

Sankjohanser erklärte, zum Start der Vereinbarung seien rund 260 Unternehmen dabei. Diese stünden für mehr als 60 Prozent der Plastiktüten im Handel. Entscheidend für ein Erreichen der angestrebten Quote von 80 Prozent kostenpflichtiger Tüten sei, dass sich auch anderen Branchen an der Initiative beteiligten, mahnte Sanktjohanser. Über die Ladentheken des Einzelhandels gingen lediglich zwei Drittel der Plastiktüten. Hintergrund der Initiative ist eine EU-Richtlinie, wonach der Verbrauch der Kunststofftüten in den Mitgliedsstaaten bis 2019 auf 90 Tüten und bis 2025 auf 40 Tüten pro Einwohner und Jahr reduziert werden soll. Derzeit verbraucht ein Bundesbürger im Schnitt 71 Plastiktüten pro Jahr. Zahlreiche Unternehmen, darunter Kik, Saturn, C&A oder Tchibo haben in ihren Filialen die Bezahlpflicht bereits eingeführt und berichten von zufriedenstellenden Resultaten. So soll in der Spitze der Verbrauch um bis zu 80 Prozent zurückgegangen sein. Mit der freiwilligen Selbstverpflichtung vermeidet der Handel eine gesetzliche Vorgabe.

Jährlicher Monitoring-Bericht

Der Handel verpflichtet sich darüber hinaus, jährlich einen unabhängigen Monitoring-Bericht zum Erfolg seiner Maßnahmen vorzulegen. Bundesumweltministerin Hendricks kündigte an, es werde sehr genau beobachtet, „wie gut die Vereinbarung umgesetzt wird“. Das Ministerium will nach zwei Jahren prüfen, ob das in der EU-Richtlinie genannte Ziel erreicht werden kann. Wenn nicht, kann das Ministerium nach eigenen Angaben die Vereinbarung mit dem Handel kündigen und eigene Vorschriften auf den Weg bringen.

Die Deutsche Umwelthilfe kritisierte, dass Hendricks nicht schon jetzt auf eine gesetzliche Regelung setzt. Die Ministerin „knickt einmal mehr vor den Interessen der Handelskonzerne ein“, erklärte die Organisation. In Ländern wie Irland, Dänemark und Großbritannien hätten gesetzliche Vorschriften „die Plastiktütenflut eindrucksvoll reduziert“. Zugleich kritisierte die Umwelthilfe, dass in der Vereinbarung nicht festgelegt wird, wie viel eine Tüte kosten soll. Sinnvoll sei eine Gebühr von 22 Cent. Aus kartellrechtlichen Gründen sei es notwendig, dass die Händler die Höhe des Tütenentgelts selber festlegen, so die Auffassung des Handelsverbands.

Die Umwelthilfe beklagte zudem, dass es an Sanktionsmöglichkeiten, wenn Händler gegen die Selbstverpflichtung verstießen, beklagte die Umwelthilfe. Auch die Naturschutzorganisation NABU ist mit der Vereinbarung unzufrieden: „Zu viele wichtige Branchen sind außen vor. Darunter einige, deren Plastiktüten häufig in der Landschaft und Gewässern landen, wie Imbisse, Bäckereien, Kioske oder Wochenmärkte“. Für die Organisation ist eine gesetzliche Lösung, die alle Händler in die Pflicht nimmt, der richtige Weg.

 

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Eine aktuelle Umfrage des Marktforschungsinstituts YouGov bestätigt die Bereitschaft der Verbraucher. Dass es immer seltener kostenlose Plastiktüten gibt, findet demnach die überwiegende Mehrheit der Deutschen gut – und nutzt nach eigenen Angaben im Supermarkt schon heute vor allem wiederverwertbare Tragemöglichkeiten. Häufig nehmen die Konsumenten eigene Taschen mit zum Einkauf und greifen eher selten zu Plastiktüten. Nur jeder achte Befragte nutze nie eine Plastiktüte. Dass jetzt immer mehr Geschäfte Geld für die Plastiktüte verlangen, kommt derweil sehr gut an. 81 Prozent der Befragten sagen, sie fänden es gut, dass man immer häufiger etwas zahlen muss, lediglich 15 Prozent sind anderer Meinung.

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