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Wandel durch Handel – Weiteres Umsatzwachstum bei Fairtrade-Produkten

Für 978 Millionen Euro haben Deutschlands Verbraucher im vergangenen Jahr Fairtrade-Produkte gekauft – gegenüber dem Vorjahr ein Anstieg um 18 Prozent. Zahlen aus dem aktuellen Jahresbericht, den der Verein TransFair heute veröffentlichte. „Trotz des Wachstums und der steigenden Beliebtheit von Fairtrade bleibt viel zu tun“, sagte TransFair-Vorstandsvorsitzender Dieter Overath. „Denn klar ist: Wir brauchen einen grundsätzlichen Wandel im Handel. Globale Lieferketten müssen nachhaltiger gestaltet werden, damit auch diejenigen, die am Anfang der Kette stehen, ein Leben in Würde führen können.“

Bonn (csr-news) > Für 978 Millionen Euro haben Deutschlands Verbraucher im vergangenen Jahr Fairtrade-Produkte gekauft – gegenüber dem Vorjahr ein Anstieg um 18 Prozent. Zahlen aus dem aktuellen Jahresbericht, den der Verein TransFair heute veröffentlichte. „Trotz des Wachstums und der steigenden Beliebtheit von Fairtrade bleibt viel zu tun“, sagte TransFair-Vorstandsvorsitzender Dieter Overath. „Denn klar ist: Wir brauchen einen grundsätzlichen Wandel im Handel. Globale Lieferketten müssen nachhaltiger gestaltet werden, damit auch diejenigen, die am Anfang der Kette stehen, ein Leben in Würde führen können.“

Umsatzbringer Kaffee

Bezogen auf den Umsatz, fast 360 Millionen Euro waren es im vergangenen Jahr, ist Kaffee nach wie vor das wichtigste Fairtrade-Produkt. Bezogen auf die Menge gab es mit vier Prozent eine leichte Steigerung gegenüber 2014. Es sind vor allem große absatzstarke Händler wie Lidl, Aldi und Tchibo, die dem Fairtrade-Kaffee die starke Verbreitung ermöglichen. Darüber hinaus gibt es in Deutschland 60 Röstereien die auf fairen Kaffee setzen, darunter eine wachsende Zahl von Städtekaffees. Insgesamt werden rund 30 Prozent des Kaffees werden im Außer-Haus-Markt getrunken. Dennoch liegt der Marktanteil nur bei etwa drei Prozent.

Weitere Umsatzbringer sind Bananen und Blumen. Mit einem Plus von 32 Prozent auf 68.000 Tonnen erreichten Bananenverkäufe 2015 einen Absatzrekord und erreichen inzwischen einen Marktanteil von rund 10 Prozent. Auch die Blumenverkäufe stiegen 2015 weiter: um sechs Prozent auf 365 Millionen Stück, zum größten Teil Rosen. Jede vierte hierzulande verkaufte Rose trägt das Fairtrade-Siegel. Für deutliche Absatzsteigerungen sorgt seit zwei Jahren das Rohstoffprogramm für Kakao: Insgesamt 14.300 Tonnen Fairtrade-Kakao wurden im vergangenen Jahr für Schokoladenwaren eingekauft, davon 12.600 Tonnen über das Rohstoffprogramm. Damit klettert der Marktanteil von Fairtrade-Kakao auf 3,6 Prozent. Großen Zuwachs verzeichneten zudem Honig, Kosmetik und Wein. So wurden im vergangenen erstmals über tausend Tonnen Honig verkauft (ein Plus von 54 Prozent), vor allem über die Aldi-Discounter und den Honiganbieter Breitsamer.

Wachsende Absätze und Prämien für Produzentenorganisationen

Für die Produzentenorganisationen stiegen im vergangenen Jahr die Rohstoffverkaufsmengen in den deutschen Markt um 29 Prozent auf 116.500 Tonnen. Dadurch erwirtschafteten sie Fairtrade-Prämien in Höhe von 16 Millionen Euro. Die Prämie wird zusätzlich zum Verkaufspreis gezahlt und fließt in Projekte wie die Verbesserung der Infrastruktur, Organisationsaufbau, Bildungsarbeit und direkte Unterstützung für Kleinbauernfamilien oder lohnabhängig Beschäftigte auf Plantagen. Um vor Ort noch gezieltere Unterstützung anzubieten, hat Fairtrade International Arbeitsschwerpunkte zu den Themen Frauen- und Kinderrechte, Klimawandel, Arbeiterrechte und Stärkung von Kleinbauern festgelegt.

fairtrade_regionale_verteilung_von_fairtrade_bauern_und_lohnarbeitskräften

Quelle: TransFair

Fairtrade in Asien – Bessere Marktzugänge erforderlich

Rakesh Supkar, Geschäftsführer des asiatischen Produzentennetzwerks NAPP sieht das wachsende Interesse deutscher Verbraucher an Fairtrade-Produkten als Chance für asiatische Produzenten: „Damit der faire Handel seine Wirkung entfalten kann, sind hohe Absätze unter Fairtrade-Bedingungen unabdingbar“, sagte er. „Rund die Hälfte der Beschäftigten auf Fairtrade-Plantagen leben in Asien, vor allem auf Teeplantagen. Auch die meisten Baumwollbauernfamilien sind in Asien. Aber bei beiden Produkten werden nur sehr geringe Ernteanteile über den fairen Handel verkauft.“ Geringe Fairtrade-Verkäufe bedeuten auch weniger Prämien für Entwicklungsprojekte. Zu besseren Marktchancen könne der Handel mit fairen Produkten in den Anbauländern selbst beitragen: „Die Mittelschicht beispielsweise in Indien wächst und mit ihr das Bewusstsein für nachhaltigen Konsum“, so Supkar. „Wenn wir es schaffen, hier die Fairtrade-Idee zu platzieren, öffnet sich ein riesiger Absatzmarkt für die Produzenten-organisationen.“ Inzwischen sind die ersten Fairtrade-Produkte in Indien erhältlich.

Der TransFair-Jahresbericht 2015/16 zum Download.