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Axa steigt aus Geschäften mit Tabakindustrie aus

Der französische Versicherer Axa zieht sich aus Geschäften mit der Tabakindustrie zurück. Insgesamt gehe es um Aktien im Wert von rund 200 Millionen Euro und Anleihen von rund 1,6 Milliarden Euro, teilte der neue Axa-Chef Thomas Buberl am Montag mit.

Paris (afp) > Der Versicherungskonzern Axa aus Frankreich will sein Geld nicht länger in der Tabakindustrie anlegen. Das Unternehmen werde seine Aktien in Höhe von rund 200 Millionen Euro sowie Anleihen im Wert von rund 1,6 Milliarden Euro aus dem Markt abziehen, teilte Axa-Chef Thomas Buberl mit. Der größte deutsche Versicherer Allianz kündigte eine Überprüfung aller Investitionsbereiche anhand ethischer Kriterien an.

Axa wolle mit seinem Rückzug aus dem Geschäft mit Zigaretten und anderen Rauchwaren „die Anstrengungen der Regierungen“ zur Reduzierung des Tabakkonsums unterstützen, teilte das Unternehmen am Montag mit. Es trenne sich daher „unverzüglich“ von allen Aktien in der Tabakbranche und werde auch künftig nicht mehr in Anleihen von Unternehmen dieser Branche investieren. Von den Papieren, die Axa in diesem Bereich derzeit hält, will sich das Unternehmen „schrittweise“ trennen.

Axa ist nach eigenen Angaben der „erste weltweit tätige Versicherer“, der sich aus dem Tabakgeschäft zurückzieht. „Die Entscheidung hat einen Preis, aber unsere Überzeugung ist klar“, betonte Buberl. Die menschlichen und ökonomischen Folgen des Rauchens seien „dramatisch“ und „enorm“. Bei der Prävention seien die Versicherer „Teil der Lösung“, fügte der aus Deutschland stammende Chef des französischen Konzerns hinzu. Axa gab seine Entscheidung drei Tage nach Inkrafttreten einer neuen EU-Richtlinie für strengere Verbote bei der Tabakwerbung bekannt. In Deutschland dürfen Zigarettenpackungen nur noch mit Schockbildern verkauft werden, in Frankreich und Großbritannien müssen die Packungen zusätzlich neutral gestaltet sein und dürfen kein Markenlogo tragen.

Cary Adams, Vorsitzender der Internationalen Vereinigung gegen Krebs, nannte die Entscheidung von Axa nach Angaben des Unternehmens „eine entscheidende Etappe auf dem Weg in die richtige Richtung“. Der Rückzug aus dem Tabakgeschäft werde andere Versicherer ermutigen, ähnliche Maßnahmen zu ergreifen. Die Allianz teilte auf AFP-Anfrage mit, sie plane derzeit keinen Rückzug aus einzelnen Geschäftsfeldern. Stattdessen arbeite die Allianz an einem sogenannten ESG-Scoring (Environmental and Social Governance-Scoring), mit dem die Risiken und ethische Wertigkeit aller Investitionen bewertet werden sollen.

Die Allianz verfolge in Sachen gesellschaftlicher Verantwortung einen „systematischen“ Ansatz und wolle den Zusammenhang zwischen Risiko und finanzieller Performance seiner Investitionen „fundiert“ prüfen, sagte ein Unternehmenssprecher. Das „ESG-Scoring soll uns in die Lage versetzen, Risiken frühzeitig zu erkennen.“ Während Investitionen in besonders strittigen Bereichen, wie etwa in biologische und chemische Kampfstoffe, schon jetzt tabu seien, kämen mit dem voraussichtlich ab dem Sommer eingesetzten ESG-Scoring auch alle anderen Beteiligungen auf den Prüfstand, erläuterte der Sprecher. Konsequenz der Bewertung könnte sein, „mit schlecht abschneidenden Unternehmen zu sprechen und Veränderungen anzuregen“. Andernfalls könne sich auch die Allianz bei ihren Beteiligungen „umorientieren“.