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Betriebsvereinbarungen zu Arbeitszeitgestaltung nehmen zu

Der Datenschutz am Arbeitsplatz, die Arbeitszeitgestaltung und psychische Belastungen sind aktuell die Top-Themen bei Vereinbarungen zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung. Zwei Drittel der Unternehmen mit Betriebsrat etwa haben ein Betriebsabkommen zum Datenschutz, wie eine Untersuchung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung zeigt. In fast genauso vielen Betrieben (63 Prozent) haben Arbeitnehmervertreter und Management Vereinbarungen zur Arbeitszeitkonten ausgehandelt. Zu psychischen Belangen dagegen gibt es erst in 11,5 Prozent der Betriebe Vereinbarungen – das Thema wird laut Untersuchung aber wichtiger.

Düsseldorf (afp) > Der Datenschutz am Arbeitsplatz, die Arbeitszeitgestaltung und psychische Belastungen sind aktuell die Top-Themen bei Vereinbarungen zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung. Zwei Drittel der Unternehmen mit Betriebsrat etwa haben ein Betriebsabkommen zum Datenschutz, wie eine Untersuchung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung zeigt. In fast genauso vielen Betrieben (63 Prozent) haben Arbeitnehmervertreter und Management Vereinbarungen zur Arbeitszeitkonten ausgehandelt. Zu psychischen Belangen dagegen gibt es erst in 11,5 Prozent der Betriebe Vereinbarungen – das Thema wird laut Untersuchung aber wichtiger.

Laut der am Montag veröffentlichten WSI-Untersuchung gibt es in fast jedem mitbestimmten Betrieb ab 20 Beschäftigten mindestens eine Betriebsvereinbarung. Kleinbetriebe mit bis zu 50 Beschäftigten haben im Schnitt zehn, große Unternehmen mit mehr als 2000 Beschäftigten rund 60 solche Vereinbarungen.

Regelungen zum Datenschutz

Am meisten verbreitet sind Regelungen zum Datenschutz. Notwendig seien sie, weil moderne Informations- und Kommunikationstechnologien stärker zum Einsatz kommen – verbunden mit neuen Möglichkeiten der Überwachung durch den Arbeitgeber, erläutern die Autoren der WSI-Studie. Für Betriebsräte gehe es vor allem darum, Leistungs- und Verhaltenskontrolle zu begrenzen. Fast ein Drittel dieser Vereinbarungen sind noch sehr neu: Sie wurden erst seit 2014 geschlossen.

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Quelle: WSI

Digitalisierung und Vernetzung schlagen sich demnach zudem in Vereinbarungen zur Nutzung von Internet und E-Mail, sozialen Netzwerken oder Mobilgeräten nieder. Betriebsräte seien hier häufig in einer Zwickmühle: Betriebsvereinbarungen müssten auf der einen Seite ein Mindestmaß an Schutz vor Leistungsverdichtung und überzogener Flexibilität bieten, schreiben die Autoren der WSI-Studie. Auf der anderen Seite müssten sie denen gerecht werden, die sich Freiräume durch individuelle Arbeitszeiten und eigenständige Organisation wünschen.

Gefährdungsbeurteilungen zu psychischen Belastungen

„Klassisch“ dagegen sind die vielen Betriebsvereinbarungen zur Arbeitszeitgestaltung. Flexible Modelle wie Zeitkonten, Zeitkorridore, Gleitzeit, Rufbereitschaften, Wochenendarbeit oder Vertrauensarbeitszeit gehören laut WSI seit Jahren zu den wichtigsten Themen in Betriebsvereinbarungen. Etwa die Hälfte der Unternehmen hat laut WSI Vereinbarungen zu Urlaub und Mehrarbeit, rund 42 Prozent regeln Arbeits- und Gesundheitsschutz in Betriebsvereinbarungen. Tele- und Heimarbeit haben rund zwölf Prozent in Regeln fixiert – Großbetriebe 2,5 mal so häufig wie kleine.

Gefährdungsbeurteilungen zu psychischen Belastungen werden laut WSI-Untersuchung erst in jüngster Zeit stärker beachtet. Mehr als 40 Prozent der Vereinbarungen dazu wurden erst seit 2014 geschlossen. Daran werde deutlich, dass dieses Thema zunehmend auf die Agenda von Betriebsräten rücke. Die Autoren der WSI-Untersuchung, Helge Baumann und Manuela Maschke, werteten Daten des Archivs Betriebliche Vereinbarungen und eine Betriebsrätebefragung im Jahr 2015 aus.