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HRW beklagt gefährliche Kinderarbeit auf Tabakplantagen in Indonesien

Auf Indonesiens Tabakplantagen arbeiten nach Einschätzung von Human Rights Watch (HRW) tausende Kinder unter gesundheitsschädigenden Bedingungen. Die Menschenrechtsorganisation veröffentlichte am Mittwoch einen umfangreichen Bericht zur Arbeit auf den Plantagen.

Jakarta (afp) > Auf Indonesiens Tabakplantagen arbeiten nach Einschätzung von Human Rights Watch (HRW) tausende Kinder unter gesundheitsschädigenden Bedingungen. Die Menschenrechtsorganisation veröffentlichte am Mittwoch einen umfangreichen Bericht zur Arbeit auf den Plantagen und spricht darin von Dutzenden Fällen, in denen die Kinder dadurch erkrankt seien. Einige von ihnen waren demnach erst acht Jahre alt, obwohl das indonesische Gesetz Arbeit in gefährlichen Industrien erst ab 18 Jahren erlaubt.

Viele junge Arbeiter, die auf den Plantagen Tabakblätter bearbeiteten oder ohne Schutzkleidung mit Pestiziden in Berührung kamen, klagten laut HRW über Schwindel und Schwächeanfälle, Erbrechen, Kopfschmerzen und Muskelschwäche. Das alles sind Symptome der sogenannten Grünen Tabakkrankheit: Dabei nimmt die Haut große Mengen an Nikotin auf, wenn feuchte Tabakblätter bearbeitet werden. Kinder sind wegen ihrer schwächeren Statur besonders gefährdet. Generell dürfen Kinder in Indonesien ab 15 Jahren arbeiten. Die Kinderschutzbehörden gestehen aber ein, dass diese Vorgabe oft nicht eingehalten wird.

Indonesien betreibt etwa 500.000 Tabakplantagen, die vor allem den heimischen Markt versorgen. Ein Viertel der Produktion wird exportiert. „Ein Raucher, der sich eine Dunhill, eine Lucky Strike oder eine andere Zigarette in Europa oder den USA anzündet, könnte auch eine Zigarette rauchen, die in Indonesien durch Kinderarbeit hergestellt wurde“, erklärte Jo Becker von HRW. Die in Indonesien tätigen multinationalen Konzerne hätten „keine ausreichende“ Politik zum Schutz der Kinder, beklagte die Organisation. Der Konzern Philip Morris erklärte dazu, er könne „nicht garantieren“, dass auf Kinderarbeit verzichtet werde.