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Kein Fischfang in arktischen Gewässern – Mehrere Unternehmen geben Selbstverpflichtung ab

Derzeit sind Meeresgebiete, die bisher durch Meereis bedeckt waren, nicht gesetzlich geschützt. Eine im März vorgestellte Greenpeace-Untersuchung zeigt, dass industrielle Fischereiflotten mit Grundschleppnetzen immer weiter in abgelegene Gebiete der nördlichen Barentssee vordringen, je weiter das Meereis abschmilzt. Jetzt haben Iglo und McDonald’s sowie einige der weltgrößten Fischereiunternehmen ihren Verzicht auf den Fang und Verkauf von Kabeljau aus diesen Gewässern erklärt.

Amsterdam/Hamburg (csr-news) > Derzeit sind Meeresgebiete, die bisher durch Meereis bedeckt waren, nicht gesetzlich geschützt. Eine im März vorgestellte Greenpeace-Untersuchung zeigt, dass industrielle Fischereiflotten mit Grundschleppnetzen immer weiter in abgelegene Gebiete der nördlichen Barentssee vordringen, je weiter das Meereis abschmilzt. Jetzt haben Iglo und McDonald’s sowie einige der weltgrößten Fischereiunternehmen ihren Verzicht auf den Fang und Verkauf von Kabeljau aus diesen Gewässern erklärt.

Die Unternehmen haben eine von Greenpeace geforderte Selbstverpflichtung unterschrieben. Diese gilt für ein Gebiet in der nördlichen Barentssee, das in etwa doppelt so groß ist wie Frankreich. „Das ist ein beispielloser Schritt und außergewöhnlicher Erfolg, um ein großes Meeresgebiet in der Arktis zu schützen“, sagt Larissa Beumer, Arktis-Expertin von Greenpeace. „Die norwegische Regierung hat bislang beim Schutz dieser Gewässer versagt. Sie muss jetzt zur Industrie aufschließen und das Gebiet permanent unter rechtlichen Schutz stellen.“

Engagement auch von Lieferanten gefordert

„Wir sind stolz darauf, dass wir gemeinsam mit Greenpeace und einigen der größten Seafood- Unternehmen und Fischereibetrieben weltweit die Selbstverpflichtung umsetzen werden und auch zukünftig diesen wichtigen Dialog weiter fortführen“, so Keith Kenny, Vice President of Sustainability, McDonald’s Corporation. Das Abkommen gelte sofort, teilte das Unternehmen mit, und zwar solange, bis belastbare und unabhängige wissenschaftliche Untersuchungen eine Unbedenklichkeit des Fischfangs in diesem Gebiet belegen können. McDonald’s will mit seinem Engagement den gefährdeten Lebensraum des arktischen Ozeans schützen und fordert auch von seinen Lieferanten ein entsprechendes Engagement.

Die Gewässer rund um die Inselgruppe Spitzbergen beheimaten Kaltwasserkorallen, Walarten wie Belugas, Finn- und Grönlandwale, Eisbären, Walrösser und einige der weltweit größten Kolonien von Seevögeln wie etwa Papageitaucher und Lummen. Durch den Kabeljau-Fang mit schweren Grundschleppnetzen würde der Meeresboden laut Greenpeace stark geschädigt – mit gravierenden Konsequenzen für das ganze Ökosystem.

Verinbarung muss nun implementiert werden

Auch iglo, Mitbegründer des Marine Steward Council (MSC), versteht die Selbstverpflichtung als Teil der Nachhaltigkeitsstrategie und einen weiteren Schritt imNachhaltigkeitsprogramm „Forever Food Together“, das, so das Unternehmen, auf Kooperationen und Dialog setzt. Für iglo hat das Mutterunternehmen Nomad Foods, zu der iglo seit Anfang 2015 gehört, unterschrieben. Als weiteres Unternehmen ohne eigene Fangflotte hat sich die Handelskette Tesco verpflichtet.

Darüber hinaus haben aber auch große Unternehmen der Fischereiindustrie die Selbstverpflichtung unterzeichnet. Dazu gehören Fiskebåt, die Vereinigung der gesamten norwegischen Hochsee-Fischereiflotte, wie auch die Karat Group, einer der größten Fischereikonzerne Russlands. Mit Bird’s Eye, Findus, Young’s Seafood, Icelandic Seachill und Espersen – dem größten Verwerter von gefrorenem Fisch in Europa, haben sich neben iglo zudem weitere verarbeitende Fischereiunternehmen der Vereinbarung angeschlossen. Insofern könnte es für Fangflotten, die dennoch ihre Kabeljau-Fischerei in diese Gebiete ausdehnen, in Zukunft deutlich schwieriger werden auch Abnehmer für ihre Ware zu finden. Etwa 70 Prozent des weltweit verkauften Atlantischen Kabeljaus stammt aus der Barentssee. Die Industrie muss die Vereinbarung nun implementieren. „Greenpeace wird selbstverständlich die Umsetzung in Verhandlungen begleiten und überwachen“, so Beumer.