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Volkswagen erwägt offenbar Bau einer eigenen großen Batteriefabrik

Bei seiner strategischen Neuausrichtung auf Zukunftsthemen wie Elektromobilität und Digitalisierung erwägt Volkswagen offenbar auch den Bau einer großen Batteriefabrik. Das schrieb das „Handelsblatt“ am Freitag unter Verweis auf Konzernkreise.

Düsseldorf (afp) > Bei seiner strategischen Neuausrichtung auf Zukunftsthemen wie Elektromobilität und Digitalisierung erwägt Volkswagen offenbar auch den Bau einer großen Batteriefabrik. Das schrieb das „Handelsblatt“ am Freitag unter Verweis auf Konzernkreise. Volkswagen äußerte sich auf Nachfrage nicht dazu. „Das sind Spekulationen, die wir nicht kommentieren“, erklärte der Autobauer in Wolfsburg. Zugleich bekräftigte VW sein Ziel, bis 2018 zum „Marktführer in der E-Mobilität“ aufzusteigen und bis 2020 weitere 20 Elektromodelle auf den Markt zu bringen.

Das Interesse der Wolfsburger für das Thema ist bereits bekannt. VW-Markenchef Herbert Diess etwa hatte in der Vergangenheit bereits erklärt, seiner Meinung nach werde eine eigene Batteriefertigung in Deutschland gebraucht, weil dies eine Kerntechnologie sei. Auch der VW-Gesamtbetriebsratschef Bernd Osterloh hat schon dafür plädiert, die Potenziale einer nationalen Batteriefertigung zu nutzen. In diesem Zusammenhang hatten sich beide zugleich aber noch für ein gemeinsames Vorgehen mit anderen Autobauern ausgesprochen.

Nach Angaben des „Handelsblatts“ würde der Bau des Batteriewerkes mehrere Milliarden Euro kosten. Das Projekt finde in den Reihen von VW zunehmend Anhänger. Im Management wachse die Zustimmung für eine eigene Batteriefertigung, hieß es in dem Bericht. Damit ließe sich nicht nur der eigene Bedarf decken. Das Unternehmen erhalte sich damit auch die Möglichkeit, in dieser Technologie vorn dabei zu sein, zitierte das Blatt einen Manager. Auch das Bundesland Niedersachsen als Großaktionär sei grundsätzlich dafür, schrieb die Zeitung. Das gelte insbesondere, wenn das Werk in der Nähe von Wolfsburg entstehe.

Leistungsfähige Batterien gelten als eine Schlüsselkomponente für massenmarkttaugliche Elektroautos, denen eine wichtige Rolle in einem umweltfreundlicheren Verkehrssystem zugedacht wird. Auch die Politik fördert Elektroautos zunehmend. Bislang sind die deutsche Autobauer dabei größtenteils auf die asiatischen Hightech-Firmen Panasonic, LG und Samsung angewiesen, die den globalen Markt für Elektroauto-Batterien dominieren. Auch Daimler hatte jüngst eine größere Investition in die Batterieproduktion bekanntgegeben. Der Stuttgarter Autobauer will nach eigenen Angaben 500 Millionen Euro in den Bau einer zweiten Lithium-Ionen-Batterie-Werks im sächsischen Kamenz stecken. Dort baut eine 100-prozentige Daimler-Tochter mit dem Namen Deutsche Accumotive bereits seit 2012 die Batterien für dessen Elektro- und Hybridfahrzeuge.

Global für viel Aufsehen sorgen seit einiger Zeit auch die Pläne des Elektroautobauers Tesla, im US-Bundesstaat Nevada eine gigantische „Gigafactory“ zur Massenfertigung von Batterien zu errichten. Das in Kooperation mit Panasonic und anderen errichtete Werk soll laut Tesla 2017 in Betrieb gehen und die Herstellungskosten drastisch reduzieren. Auch Bundesregierung, Industrie und Gewerkschaften machen sich für die Ansiedlung einer eigenen Batteriezellenproduktion in Deutschland stark. „Von der Forschung bis zur Automobilherstellung haben wir hier alles“, sagte Georg Schütte, Staatssekretär im Bundesforschungsministerium in Berlin, der Zeitung „Tagesspiegel“ am Freitag. „Was fehlt, ist die Zellproduktion.“