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Energie aus Tofu

Drei Männer stehen schwitzend in einem dunklen Raum und rühren in dampfenden Kesseln. Sie sind Meister in der Herstellung von Tofu im indonesischen Dorf Kalisari. Die Produktion des Sojabohnenquarks ist Handarbeit und folgt einer jahrhundertealten Tradition. Doch nun sorgt das althergebrachte Handwerk für eine große Innovation: Es versorgt den abgelegenen Ort auf der Insel Java mit günstiger erneuerbarer Energie.

Kalisari (afp) > Drei Männer stehen schwitzend in einem dunklen Raum und rühren in dampfenden Kesseln. Sie sind Meister in der Herstellung von Tofu im indonesischen Dorf Kalisari. Die Produktion des Sojabohnenquarks ist Handarbeit und folgt einer jahrhundertealten Tradition. Doch nun sorgt das althergebrachte Handwerk für eine große Innovation: Es versorgt den abgelegenen Ort auf der Insel Java mit günstiger erneuerbarer Energie.

„Wir machen Gas aus den Abfällen“, sagt Waroh, einer der Tofu-Hersteller. „Das ist ein riesiger Vorteil.“ Bei der Produktion von Tofu entstehen große Mengen breiigen Abwassers. Das wird in Kalisari nun nicht mehr in den Fluss geleitet, sondern in großen blauen Tanks gesammelt. Versetzt mit Bakterien, entsteht daraus durch Vergärung Biogas, das direkt in die Häuser geleitet wird. „Dank des Biogases ist vieles hier einfacher geworden“, erzählt Waroh. Früher waren die Menschen in Kalisari auf Propangas angewiesen, das aber nur unregelmäßig geliefert wurde. „In einem Monat kam es, im nächsten wieder nicht“, erinnert sich Waroh, während er sich auf der blauen Gasflamme seines Küchenherdes Tee kocht. Gab es kein Gas, musste er auf Holz ausweichen. Bislang spielen erneuerbare Energien in Indonesien kaum eine Rolle. Der aus 17.000 Inseln bestehende 250-Millionen-Einwohner-Staat stillt seinen wachsenden Energiehunger fast ausschließlich mit fossilen Brennstoffen. Indonesien ist deshalb einer der größten Produzenten von Treibhausgasen. Die Regierung will das ändern: Bis 2025 soll ein Viertel des Energiebedarfs aus erneuerbaren Quellen gedeckt werden.

Projekte wie das in Kalisari leisten bislang nur einen kleinen Beitrag zur Energiewende in Indonesien, doch Experten sehen in solch ungewöhnlichen Energiequellen ein enormes Potenzial. „Es gibt abertausende Tofu-Hersteller im ganzen Land, das birgt viele Möglichkeiten“, sagt Robert de Groot von der niederländischen Entwicklungsorganisation Hivos, die bereits 20.000 Biogasanlagen in Indonesien installiert hat. 56.000 Tonnen fossiler Brennstoffe könnten jedes Jahr eingespart werden, wenn im ganzen Land Energie aus Tofu hergestellt würde, kalkuliert die staatliche Technologie-Agentur, die das Pilotprojekt in Kalisari initiiert hat.

Die Verwaltung von Kalisari will die Biogasproduktion weiter ausbauen. Nicht nur, weil sie die Energieversorgung zuverlässiger und um ein Drittel billiger gemacht hat. Sondern weil damit auch die Umweltverschmutzung durch die Tofu-Herstellung gestoppt wurde. „Früher stank es hier und die Landwirtschaft war beeinträchtigt“, sagt Verwaltungschef Aziz Masruri. Der Behördenvertreter zeigt auf die Tofu-Manufakturen in den Holzhäusern entlang des Flusses. Tausende Liter Abwasser wurden Tag für Tag in den Fluss gepumpt, das Gewässer begann zu faulen und verseuchte die Reisfelder flussabwärts. Nun berichteten die Reisbauern von besseren Ernten und das Wasser sei deutlich klarer, sagt Masruri.

Der Erfolg des Tofu-Projekts hat sich herumgesprochen. Aus der ganzen Region reisen Bürgermeister an, die ihre Ortschaften auch mit sauberer Energie versorgen möchten. Nächstes Jahr, so hofft Masruri, kann er ihnen ein zu hundert Prozent grünes Dorf präsentieren. „Bis dahin wollen wir autark bei der Energieversorgung sein, ohne die Umwelt zu belasten.“