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Nachhaltigkeit in der beruflichen Bildung ausbauen

Welche beruflichen Handlungskompetenzen sind nötig, um sich am Arbeitsplatz am Leitbild nachhaltiger Entwicklung zu orientieren? Zwölf Modellversuche des Förderprogramms „Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung 2015-2019“ werden nun vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) unterstützt um praktikable Lösungen zu finden.

Bonn (csr-news) > Welche beruflichen Handlungskompetenzen sind nötig, um sich am Arbeitsplatz am Leitbild nachhaltiger Entwicklung zu orientieren? Zwölf Modellversuche des Förderprogramms „Berufsbildung für nachhaltige Entwicklung 2015-2019“ werden nun vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) mit sechs Millionen Euro unterstützt um praktikable Lösungen zu finden.

Kaufmännische Berufe im Fokus

Das Programm ist in zwei Förderlinien unterteilt, denen jeweils sechs Verbundprojekte zugeordnet sind. Einer der Schwerpunkte liegt auf ausbildungsstarken kaufmännischen Berufen, zum Beispiel Kaufleuten im Einzelhandel, Groß- und Außenhandelskaufleuten sowie Kaufleuten für Spedition und Logistikdienstleistung. Da sich frühere Projekte häufig mit technischen oder baunahen Berufen und weniger mit nachhaltigem Wirtschaften beschäftigten, wird hier eine Lücke geschlossen. Ziel der neuen Modellversuche ist es, berufliche Handlungskompetenzen für diese Branche nachhaltigkeitsorientiert weiterzuentwickeln. Bis 2019 sollen unter anderem Lehrplan-Konzepte, digitale Lehr-/Lernmaterialien und Prüfungsaufgaben für Aus- und Weiterbildungen entwickelt, erprobt und evaluiert werden. Auch das ausbildende Personal wird für die anspruchsvollen Aufgaben mit speziellen Fortbildungen fit gemacht, die mit einer Zertifizierung bei den Industrie- und Handelskammern abgeschlossen werden.

Gestaltung nachhaltiger Lernorte

Sechs Projekte befassen sich mit der Gestaltung nachhaltiger Lernorte, womit vor allem Ausbildungsbetriebe, aber auch überbetriebliche Ausbildungsstätten (ÜBS) und Berufsschulen gemeint sind. Durch Organisations- und Personalentwicklung soll Nachhaltigkeit in der Ausbildung und Arbeitspraxis vor Ort für die Auszubildenden konkret erlebbar und gestaltbar sein. Projektübergreifend wird ein Indikatoren-System für nachhaltige Lernorte entwickelt. Dies soll beschreiben, was einen nachhaltigen Lernort ausmacht, was ihn von einem nicht nachhaltigen Lernort unterscheidet oder wie mit möglichen Widerständen umgegangen werden kann. Als Ergebnis des Förderschwerpunkts werden vielfältige Materialien zur Unterstützung der Bildungspraxis vorliegen: Neben Empfehlungen für die Gestaltung der Ausbildung und didaktischen Umsetzungshilfen sollen berufsspezifische Handreichungen, Lehr/-Lernmaterialien unter Einbindung verschiedener Medien oder auch Checklisten zur Verfügung stehen.

Bei allen zwölf Modellversuchen findet eine enge Zusammenarbeit von betrieblicher Praxis, wissenschaftlicher Begleitung und den zuständigen Stellen statt, so dass sowohl die alltäglichen Bedingungen im Betrieb als auch neueste wissenschaftliche Erkenntnisse und die Vorgaben der Lehrpläne in die Konzepte einfließen. Insgesamt 27 Verbundpartner setzen die zwölf Projekte um.

Projekte der Förderlinie Nachhaltigkeitskompetenzen in kaufmännischen Berufen:

FOENAKO: Das Berufskolleg an der Lindenstraße entwickelt und erprobt Konzepte zur Förderung berufsrelevanter Nachhaltigkeitskompetenzen sowie verschiedene Lehr-/Lernarrangements und digitale Lehr-/Lernmaterialien zu nachhaltigem Wirtschaften für Auszubildende und das Bildungspersonal im Einzelhandel.

  • GeKoNaWi: Unter der Schirmherrschaft der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg werden zusammen mit der Universität Oldenburg Fortbildungsmodule für betriebliche Ausbilder im Bereich nachhaltiges Wirtschaften im Einzel- sowie Groß- und Außenhandel entwickelt, durchgeführt und evaluiert.
  • INEBB: Die Bundesvereinigung Nachhaltigkeit e.V., LEMP Berlin Training UG und das Institut für Zukunftsorientierte ArbeitsGestaltung gGmbH entwickeln ein Weiterbildungsangebot für betriebliches Bildungspersonal im Fachbereich Einzel- sowie Groß- und Außenhandel einschließlich Curriculum und IHK-Zertifizierung sowie mindestens ein exemplarisches Lernmodul nachhaltiger Entwicklung für Auszubildende.
  • Inno-BBNE: Ziel der Ludwig-Maximilians-Universität im Verbund mit der Georg-August-Universität Göttingen ist es, für den Aufbau nachhaltiger Gestaltungskompetenzen von Auszubildenden zu Kaufleuten im Einzelhandel ein lernortübergreifendes Lehr-/Lernarrangement zu entwickeln, zu erproben und zu verbreiten.
  • InnoLA: Die Georg-August-Universität Göttingen entwickelt und erprobt ein interaktives Lern- und Assessmentmodul zu nachhaltigem Handeln zunächst für das ausbildende Personal mit späterer Adaption ausgewählter Module für Auszubildende. Die Branchenschwerpunkte liegen auf Spedition und Logistik.
  • Pro-DEENLA: Von der Leuphana Universität Lüneburg im Verbund mit der Steinbeis-Innovationszentrum und Nachhaltigkeit GmbH werden domänenspezifische, nachhaltigkeitsbezogene Lernaufgaben für das Berufsbildungspersonal und Auszubildende konzipiert, erprobt, evaluiert und verankert. Dabei steht der Ausbildungsberuf „Kauffrau/-mann für Spedition und Logistikdienstleistung“ im Fokus. Curriculare Vorgaben, Prüfungsbedingungen und situative betriebliche Bedingungen werden berücksichtigt.

Projekte der Förderlinie Gestaltung nachhaltiger Lernorte:

  • ANLIN: Die Verbundpartner Qualifizierungsförderwerk Chemie GmbH, Institut für nachhaltige Berufsbildung und Management-Services GmbH, Bildungszentrum für Beruf und Wirtschaft e.V. und Provadis Partner für Bildung und Beratung GmbH fördern nachhaltige Lernorte in der chemischen Industrie durch miteinander verknüpfte Maßnahmen der Organisations- und Personalentwicklung.
  • Inno-NE: Die Carl von Ossietzky Universität Oldenburg entwickelt und erprobt zusammen mit der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg ein Instrumentarium zum Innovationsmanagement und Kompetenzerwerb für nachhaltiges Wirtschaften in der beruflichen (Aus-)bildung für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) des stationären Einzelhandels.
  • KoProNa: Die Universität Erfurt entwickelt und erprobt mit den Verbundpartnern Universität Paderborn, dem Arbeitgeberverband Thüringen (AGV) und dem Verband der Metall- und Elektro-Industrie in Thüringen (VMET) Konzepte zur Professionalisierung des Ausbildungspersonals für nachhaltige berufliche Bildung. Unternehmen sollen ausgehend von ihren spezifischen Rahmenbedingungen für das Thema Nachhaltigkeit sensibilisiert und bei der Organisation und Neugestaltung einer nachhaltigen Berufsbildung unterstützt werden.
  • NAUZUBI: Die Universität Siegen und die Technische Universität Darmstadt arbeiten in gewerblich-technischen Betrieben mit „Nachhaltigkeits-Audits“, die sich primär an Auszubildende richten. Die Audits werden sowohl im Betrieb wie auch in der Berufsschule als vernetztes System begleitet und angeleitet und können dadurch Nachhaltigkeit an den Lernorten verankern und etablieren.
  • NK-G: Der Verbund aus Viabona GmbH und der Universität Bonn untersucht die realen nachhaltigen Geschäfts- und Arbeitsprozesse im Bereich Gastronomie/Hotel und entwickelt darauf aufbauend ein betriebliches Gestaltungskonzept für nachhaltige Lernorte in dieser Branche.
  • Q-EN-POLIS: Die Berufsförderungsgesellschaft des baden-württembergischen Stuckateurhandwerks mbH erarbeitet und erprobt im Verbund mit INTERVAL GmbH und FS Medien Qualitätsindikatoren für die Organisationsentwicklung von überbetrieblichen Ausbildungsstätten (ÜBS) im Ausbaugewerbe.

 

Die aktuelle Ausgabe des CSR-Magazins 01/2016 beschäftigt sich in einem ausführlichen Beitrag „Wie Azubis eine nachhaltige DNA bekommen“ mit dem Thema Nachhaltigkeit in der Berugsausbildung.