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Weltweit werden mehr als 45 Millionen Menschen als Sklaven ausgebeutet

Ob als Hausangestellte, Zwangsprostituierte oder als unbezahlter Arbeiter auf einem Fischerboot – mehr als 45 Millionen Menschen weltweit werden einer Studie zufolge als Sklaven ausgebeutet. Zwei Drittel dieser modernen Sklaven – Männer, Frauen und Kinder – werden im asiatisch-pazifischen Raum festgehalten, wie es in dem am Dienstag veröffentlichten Bericht der Walk Free Foundation heißt.

Sydney (afp) > Ob als Hausangestellte, Zwangsprostituierte oder als unbezahlter Arbeiter auf einem Fischerboot – mehr als 45 Millionen Menschen weltweit werden einer Studie zufolge als Sklaven ausgebeutet. Zwei Drittel dieser modernen Sklaven – Männer, Frauen und Kinder – werden im asiatisch-pazifischen Raum festgehalten, wie es in dem am Dienstag veröffentlichten Bericht der Walk Free Foundation heißt. Indien ist demnach das Land mit den meisten in Sklaverei lebenden Menschen: Dort sind es mehr als 18 Millionen. Auf Platz zwei und drei folgen China mit 3,4 Millionen und Pakistan mit 2,1 Millionen. Im Verhältnis zur Bevölkerungsgröße weise Nordkorea die höchste Quote auf (4,37 Prozent). Der abgeschottete kommunistische Staat sei zudem das einzige Land der Welt, das überhaupt nichts gegen Sklaverei unternehme.

Als moderne Sklaverei wird eine ausbeuterische Lebenssituation angesehen, aus der es für die Opfer wegen Drohungen, Gewalt, Zwang, Machtmissbrauch oder Irreführung kein Entrinnen gibt. Vielfach werden sie auf Fischerbooten in Asien festgehalten, als Hausangestellte ausgebeutet oder in Bordellen zwangsprostituiert. Um auf das Problem aufmerksam zu machen, rief der australische Milliardär Andrew Forrest 2012 die Walk Free Foundation ins Leben. Ihrem aktuellen Sklaverei-Index zufolge gibt es weltweit 28 Prozent mehr Menschen, die unter sklavenähnlichen Bedingungen leben, als noch vor zwei Jahren angenommen. Der Anstieg ist zum Teil auch in einer besseren Datenerfassung und in besseren wissenschaftlichen Methoden begründet.

In dem Bericht werden Informationen aus 167 Ländern und 42.000 Interviews in 53 Sprachen zusammengefasst. Demnach leiteten die Länder Kroatien, Brasilien und die Philippinen seit 2014 positive Schritte gegen Sklaverei ein. Und Indien wird wegen zu erkennender Fortschritte gelobt. Gut 120 Länder haben Menschenhandel – einem Zusatzprotokoll der Vereinten Nationen entsprechend – zum Verbrechen erklärt, 96 Länder haben nationale Aktionspläne entwickelt. Forrest forderte jedoch „mehr robuste Maßnahmen“. Seine Stiftung rufe die zehn größten Wirtschaftsnationen der Welt auf, Gesetze zu erlassen sowie Finanzmittel und Möglichkeiten bereitzustellen, damit moderne Sklaverei in den Lieferketten abgeschafft und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden könnten. Gleichzeitig müsse eine unabhängige Kontrolle ermöglicht werden, sagte Forrest. Er glaube an die entscheidende Rolle von Regierungsverantwortlichen, Wirtschaft und Zivilgesellschaft, ergänzte er. „Durch unseren verantwortungsvollen Umgang mit Macht, Überzeugungsstärke, Entschlossenheit und kollektiven Willen können wir alle die Welt zu einem Ende der Sklaverei führen“, erklärte der Gründer der Stiftung.