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Die soziale Verantwortung der Unternehmen nimmt zu

Immer mehr Unternehmen in OECD-Ländern engagieren sich gesellschaftlich. Dies zeigt der erstmals von Gregory Jackson und Julia Bartosch von der Freien Universität Berlin erhobene Corporate Responsibility Social Index. Unternehmen aus Spanien und Großbritannien sind Spitzenreiter, deutsche Unternehmen befinden sich im Mittelfeld. Wie sich Unternehmen jedoch konkret einbringen ist von Land zu Land sehr unterschiedlich.

Gütersloh (csr-news) > Immer mehr Unternehmen in OECD-Ländern engagieren sich gesellschaftlich. Dies zeigt der erstmals von Gregory Jackson und Julia Bartosch von der Freien Universität Berlin erhobene Corporate Responsibility Social Index. Unternehmen aus Spanien und Großbritannien sind Spitzenreiter, deutsche Unternehmen befinden sich im Mittelfeld. Wie sich Unternehmen jedoch konkret einbringen ist von Land zu Land sehr unterschiedlich.

Daten von 24 OECD-Ländern aus den Jahren 2008 bis 2014 haben die Forscher für ihre Studie ausgewertet. Im Bereich Diversität, der unter anderem Familienfreundlichkeit und Maßnahmen zur Gleichstellung von Mann und Frau umfasst, rangieren deutsche Unternehmen in der Spitzengruppe. In Großbritannien steht bürgerschaftliches Engagement von Unternehmen im Vordergrund. Unternehmen aus den skandinavischen Ländern wiederum achten besonders auf Einhaltung der Menschenrechte im Unternehmen und bei Zulieferern.

Corporate Responsibility Social Index

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Das gesellschaftliche Engagement der Unternehmen hängt der Studie zufolge maßgeblich von nationalen institutionellen Rahmenbedingungen ab. Dazu zählen Corporate Governance, die Wettbewerbsordnung und die Arbeitsbeziehungen. Einen stark positiven Einfluss auf das Corporate Responsibility-Verhalten von Unternehmen hat die feste Einbindung von Mitarbeitern in Unternehmensentscheidungen, Arbeitnehmerschutz und staatliche Wohlfahrtsausgaben. Darüber hinaus scheint eine verpflichtende Berichterstattung über Nachhaltigkeitsleistungen von Unternehmen verantwortungsvolles Unternehmertum zu fördern.

Einen “one-size-fits-all”-Ansatz gibt es nicht

“Die Studie zeigt eindrucksvoll, dass es verschiedene Hebel gibt, die verantwortliches Unternehmertum fördern. Diese gilt es gezielt und effektiv zu nutzen” sagt Birgit Riess, Programmdirektorin Unternehmen in der Gesellschaft der Bertelsmann Stiftung. Die Studie sieht die nationalen Kontexte als wesentlich dafür an, in welchem Ausmaß und wie Unternehmen gesellschaftliche Verantwortung übernehmen. Einen “one-size-fits-all”-Ansatz zur Förderung von gesellschaftlichem Engagement von Unternehmen gibt es nicht.

Nach Auffassung der Autoren sollte die öffentliche Debatte über Corporate Responsibility die Rolle von Institutionen deutlich stärker betonen, bislang sei diese zu stark auf den Business Case von CSR fokussiert. Die Ergebnisse der Studie würden jedoch zeigen, „dass die Aktivitäten von Unternehmen in hohem Maße in den jeweiligen institutionellen Kontext eingebettet sind“. Zudem sollten politische Maßnahmen zur Förderung von CSR ein gewisses Maß an staatlicher bzw. institutionalisierter Koordination aufweisen. „Corporate Responsibility sollte als Erweiterung staatlicher Regulierung oder korporatistischer Organisationen betrachtet werden“, so die Autoren. Insgesamt zeigen sich in Ländern mit koordinierenden oder verpflichtenden Maßnahmen deutlich bessere Resultate bei der Umsetzung von CSR in den Unternehmen.

Die Studie “Corporate Responsibility in Different Varieties of Capitalism: Exploring the Role of National Institutions” wird auf den Seiten der Bertelsmann Stiftung zum Download angeboten.