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IW Köln: Gehaltsunterschied zwischen Mann und Frau geringer als angenommen

Die Gehaltslücke zwischen Männern und Frauen in Deutschland ist nach Berechnungen des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) kleiner als weithin angenommen. Werde die Bezahlung in ähnlichen Branchen und Positionen miteinander verglichen, verringere sich der Gehaltsunterschied von etwa einem Fünftel auf rund 6,6 Prozent.

Köln (afp) > Die Gehaltslücke zwischen Männern und Frauen in Deutschland ist nach Berechnungen des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) kleiner als weithin angenommen. Werde die Bezahlung in ähnlichen Branchen und Positionen miteinander verglichen, verringere sich der Gehaltsunterschied von etwa einem Fünftel auf rund 6,6 Prozent, wie das IW mitteilte. Das Institut sieht keinen Grund für ein staatliches Eingreifen. Das kritisierte die IG Metall scharf.

Dem IW zufolge sind für die vom Statistischen Bundesamt auf 21 Prozent bezifferte Gehaltslücke vor allem „individuelle Entscheidungen“ bei der Berufswahl ausschlaggebend. Demnach sind Frauen in verhältnismäßig gering entlohnten Berufen in den Bereichen Erziehung, Gesundheit und Soziales mit drei Viertel aller Stellen überproportional vertreten. Im besser bezahlten verarbeitenden Gewerbe besetzten sie dagegen weniger als ein Drittel aller Jobs. Frauen nähmen überdies seltener Führungsaufgaben wahr und arbeiteten öfter in Teilzeit, erläuterte das IW. Würden noch weitere Faktoren wie etwa die Berufserfahrung berücksichtigt, sinke die gesamtwirtschaftliche Lohnlücke auf nur rund 3,8 Prozent. „Die Entscheidungen über Karriere und Familie sind jedoch rein privat“, mahnte das IW. „Die Annahme, bei der Lohnlücke handele es sich um Diskriminierung durch die Unternehmen, ist unsachgemäß“, erklärte IW-Direktor Michael Hüther. Für ein gesetzliches Eingreifen fehle „die entscheidende Begründung“.

Die zweite Vorsitzende der IG Metall, Christiane Benner, kritisierte diese Schlussfolgerung. Es bestehe sehr wohl Handlungsbedarf hinsichtlich der ungleichen Bezahlung von Frauen und Männern. Es sei „eben keine private Entscheidung, wenn Frauen wegen mangelnder Kinderbetreuungsangebote, arbeitnehmerunfreundlicher Arbeitszeiten und übersteigerter Erwartungen der Unternehmen an unbegrenzte Verfügbarkeit nicht Vollzeit arbeiten und sich beruflich entwickeln können“, erklärte sie. Berufswahl und Karriere seien keinesfalls immer selbstbestimmt, sonder leider immer noch häufig das Resultat diskriminierender Strukturen und traditioneller Rollenzuschreibungen. Es brauche gesetzliche Anstrengungen, erklärte auch der erste Vorsitzende Jörg Hofmann. „Der Markt wird das nicht richten.“ Er sieht insbesondere Tarifverträge als „gute Garanten für mehr Gleichheit am Arbeitsmarkt“. Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) hat bereits vor Monaten einen Gesetzentwurf zur Lohngleichheit zwischen Männern und Frauen vorgelegt. Dieser stößt allerdings bei der Union auf Ablehnung. Umstritten ist vor allem das von Schwesig geplante Auskunftsrecht, mit dem Frauen erfahren können, was ihre männlichen Kollegen auf vergleichbaren Posten im Durchschnitt verdienen.

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