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Unternehmen können immer weniger Ausbildungsplätze besetzen

Immer weniger Schüler, dafür immer mehr Studenten – dieser Trend wird zunehmend zum Problem für Deutschlands Unternehmen. Jeder dritte Betrieb kann seine Ausbildungsplätze mittlerweile nicht besetzen, im Osten ist es schon jedes zweite Unternehmen. Das ist das Ergebnis einer am Dienstag veröffentlichten Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) unter 11.000 Betrieben. “Die Lage war für die Unternehmen noch nie so dramatisch wie jetzt”, sagte DIHK-Präsident Eric Schweitzer in Berlin. Hochgerechnet hätten 14.000 Unternehmen gar keine Bewerbung für ihre Ausbildungsplätze erhalten – das entspreche einer Verdreifachung im Vergleich zum Jahr 2004. “Wenn wir das Fachkräfteproblem nicht lösen, haben wir das strategische Problem in unserer Volkswirtschaft überhaupt.”

Berlin (afp) > Immer weniger Schüler, dafür immer mehr Studenten – dieser Trend wird zunehmend zum Problem für Deutschlands Unternehmen. Jeder dritte Betrieb kann seine Ausbildungsplätze mittlerweile nicht besetzen, im Osten ist es schon jedes zweite Unternehmen. Das ist das Ergebnis einer am Dienstag veröffentlichten Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) unter 11.000 Betrieben. “Die Lage war für die Unternehmen noch nie so dramatisch wie jetzt”, sagte DIHK-Präsident Eric Schweitzer in Berlin. Hochgerechnet hätten 14.000 Unternehmen gar keine Bewerbung für ihre Ausbildungsplätze erhalten – das entspreche einer Verdreifachung im Vergleich zum Jahr 2004. “Wenn wir das Fachkräfteproblem nicht lösen, haben wir das strategische Problem in unserer Volkswirtschaft überhaupt.”

Flüchtlinge können Lücke kaum füllen

Sorge bereitet den Unternehmen nicht nur der demografische Wandel – laut DIHK verlassen heute etwa 120.000 junge Menschen weniger im Jahr die Schule als 2006. Hinzu kommt, dass immer mehr Schulabgänger studieren: “Heute bewerben sich rund sieben Prozent weniger junge Menschen um eine Ausbildung als noch vor zehn Jahren – gleichzeitig studieren rund 40 Prozent mehr”, sagte Schweitzer. “Fachkräftemangel wird in Zukunft immer öfter heißen, dass dual ausgebildete Fachkräfte fehlen.” Flüchtlinge werden die Lücke kurz- und mittelfristig nicht füllen können. Bevor sie eine Beschäftigung aufnehmen können, dauere es fünf bis sieben Jahre, sagte Schweitzer: “Integration braucht Zeit.”

Die Bereitschaft der Betriebe, Flüchtlinge auszubilden, ist laut Umfrage aber sehr hoch. Als Voraussetzung sehen die befragten Unternehmen vor allem ausreichende Deutschkenntnisse und einen gesicherten Aufenthaltsstatus. Um Planungs- und Rechtssicherheit sicherzustellen, sei die im Integrationsgesetz verankerte “Drei-plus-zwei-Regelung” ein erster wichtiger Schritt. Demnach können Migranten während der Ausbildung und für weitere zwei Jahre bei anschließender Beschäftigung nicht abgeschoben werden. “Das ist für die Unternehmen sehr, sehr wichtig”, sagte Schweitzer. Kurzfristig reagieren die Unternehmen auf den demografischen Wandel, indem sie auch leistungsschwächere Schüler ausbilden. Außerdem werben sie verstärkt um Studienabbrecher, bieten mehr Qualifizierung, unbefristete Verträge und höhere Löhne an. “Ein Mechatroniker verdient im Zweifel mehr als mancher Architekt”, warb der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks für eine Lehre.

Staat in der Pflicht, die Akzeptanz der Ausbildung zu steigern

Der Deutsche Gewerkschaftsbund kritisiert jedoch gerade in der Hotel- und Gastronomiebranche sowie im Lebensmittelhandwerk die Ausbildungsbedingungen. “Die jungen Menschen beklagen eine schlechte fachliche Ausbildung, einen rüden Umgangston und Verstöße gegen den Jugendarbeitsschutz”, erklärte die DGB-Vorsitzende Elke Hannack. Es sei kein Wunder, wenn Jugendliche “einen großen Bogen um diese Betriebe machen”.

Der DIHK sieht vor allem den Staat in der Pflicht, die Akzeptanz der Ausbildung zu steigern. Dafür seien beispielsweise berufliche Orientierungskurse an Gymnasien nötig. Zudem müsse die schulische Bildung so gestaltet werden, dass eine erfolgreiche Ausbildung möglich ist. Der Staat komme seinen Aufgaben in dem Bereich zum Teil nicht nach, kritisierte Dercks. Viele Betriebe würden zwar über eigene Nachhilfeprogramme versuchen “zu retten, was noch zu retten ist”. Doch ohne vorherige Mindestqualifikation könnten Jugendliche eine anspruchsvolle Ausbildung nicht bewältigen. Insgesamt beklagen 54 Prozent der Betriebe mangelnde Deutschkenntnisse bei ihren Auszubildenden, ähnlich viele sehen Defizite im Bereich Mathematik. Zudem fehlt es vielen Bewerbern laut Unternehmensumfrage an Disziplin, Belastbarkeit und Leistungsvermögen.