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Bei Siemens “entsteht definitiv eine Duz-Kultur”

Beim Traditionskonzern Siemens ändern sich die Sitten. “Es entsteht definitiv eine Duzkultur”, und zwar ohne Direktive von oben, sagte Personalvorstand Janina Kugel der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung”. Wer noch Krawatte trägt, fällt allmählich auf: “Kommt ein Minister zu Besuch?”

Frankfurt (afp) > Beim Traditionskonzern Siemens ändern sich die Sitten. “Es entsteht definitiv eine Duzkultur”, und zwar ohne Direktive von oben, sagte Personalvorstand Janina Kugel der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung”. Wer noch Krawatte trägt, fällt allmählich auf: “Kommt ein Minister zu Besuch?” In den Büros “fahren wir die Clean-Desk-Policy”, wie Kugel betonte: Wer den Arbeitsplatz verlässt, darf nichts auf dem Schreibtisch hinterlassen. Für persönliche Habseligkeiten muss ein abschließbares Fach genügen, nicht größer als ein Schuhkarton. Auch die eigene Kaffeetasse muss abends weggeschlossen werden.

Symbol für die neue Kultur ist die neue Konzernzentrale, die Siemens am kommenden Freitag einweihen wird. “Die Mitarbeiter bestimmen ihr Arbeitsumfeld dort selbst, jedes Team hat Möglichkeiten zur Gestaltung seiner Area”, sagte Kugel der “FAS”. Die Siemens-Mitarbeiter machen laut Personalchefin zunehmend Gebrauch von den Möglichkeiten des flexiblen Arbeitens. Die Zahl der unbezahlten Urlaube (Sabbaticals) habe um 25 Prozent zugenommen. “Tausend Anträge gingen allein in Deutschland im vergangenen Jahr ein.” Elternzeit nehmen immer mehr junge Männer: “Jede dritte Elternzeit beantragt ein Vater, auch die Zeiträume werden immer länger.”

Der Technologiekonzern Siemens hat weltweit knapp 350.000 Beschäftigte. Der Umsatz betrug im Geschäftsjahr 2015 mehr als 75 Milliarden Euro. Die neue Konzernzentrale in München kostete laut “FAS” einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag.