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Staatsanwaltschaft fordert Prozess gegen France Télécom wegen Suizid-Serie

Rund sieben Jahre nach einer erschütternden Reihe von Suiziden beim französischen Telekommunikationsriesen France Télécom rückt ein Prozess gegen den Konzern und Ex-Chef Didier Lombard näher. Die Pariser Staatsanwaltschaft hat nach jahrelangen Ermittlungen einen Prozess wegen systematischen „Mobbings“ beantragt, wie die Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag aus Justizkreisen erfuhr.

Paris (afp) > Rund sieben Jahre nach einer erschütternden Reihe von Suiziden beim französischen Telekommunikationsriesen France Télécom rückt ein Prozess gegen den Konzern und Ex-Chef Didier Lombard näher. Die Pariser Staatsanwaltschaft hat nach jahrelangen Ermittlungen einen Prozess wegen systematischen „Mobbings“ beantragt, wie die Nachrichtenagentur AFP am Donnerstag aus Justizkreisen erfuhr. Nun müssen Untersuchungsrichter entscheiden, ob sie diesem Antrag folgen.

In ihren Schlussfolgerungen wirft die Pariser Staatsanwaltschaft France Télécom vor, ab 2007 eine Politik der „Destabilisierung“ im Unternehmen etabliert zu haben. Es besteht der Verdacht, das damit Mitarbeiter in die Kündigung getrieben werden sollten. In dem inzwischen in Orange umbenannten Konzern sei ein „Klima der Angst“ geschaffen worden, urteilen die Ermittler.

Zwischen 2008 und 2009 hatten sich nach Angaben von Konzernleitung und Gewerkschaften 35 Angestellte des Unternehmens das Leben genommen. Die Gewerkschaften machen dafür den enormen Druck des Managements auf die Belegschaft verantwortlich. Unter Lombard, der von 2005 bis 2010 an der France-Télécom-Spitze stand, hatte der Konzern ein großangelegtes Umstrukturierungsprogramm beschlossen, um auf die Öffnung des Sektors für den Wettbewerb zu reagieren. Zwischen 2006 und 2008 sollten 22.000 Jobs gestrichen und 10.000 Mitarbeiter an andere Posten versetzt werden.

2006 sagte Lombard vor Konzernmanagern: „2007 werde ich auf die eine oder andere Art Menschen rauswerfen – durchs Fenster oder durch die Tür.“ Sein Anwalt Jean Veil sagte nun der AFP, Lombard solle auf Grundlage „ungeschickter“ Äußerungen der Prozess gemacht werden. Die Vorwürfe gegen seinen Mandanten würden aber jeder Grundlage entbehren. Lombard selbst hatte in der Vergangenheit in einem Zeitungsbeitrag geschrieben, die Umwälzungen in dem Unternehmen hätten die Beschäftigten möglicherweise verunsichert. Er weise aber „entschieden“ zurück, dass diese Veränderungen die Ursache für die „menschlichen Dramen“ bei France Télécom gewesen seien.

Neben France Télécom und Lombard will die Pariser Staatsanwaltschaft auch zwei weiteren früheren Spitzenmanagern des Konzerns den Prozess machen: Louis-Pierre Wenes, einst Nummer zwei hinter Lombard, und Olivier Barberot, der frühere Personalchef des Konzerns. Sollte es wirklich zu einem Prozess kommen, wäre es der erste in Frankreich, der sich mit Mobbing in einem so großen Umfang befasst. Eine Gewerkschaft forderte am Donnerstag, der Anklagepunkt dürfe nicht nur Mobbing lauten. Vielmehr müsse den Angeklagten ein Prozess wegen fahrlässiger Tötung gemacht werden.

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