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Beschwerden über fragwürdige Produktverpackungen zeigen oft Wirkung

Leckere Früchte vor allem auf der Packung statt im Produkt, “Mozzarella-Pizza” mit viel Edamer drauf: Solche fragwürdigen Aufmachungen von Lebensmitteln sammelt das Portal lebensmittelklarheit.de des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv). Seit der Gründung vor fünf Jahren wurde fast ein Drittel der dort kritisierten Verpackungen verändert, wie der vzbv zum Jubiläum mitteilte – das sei aber nicht genug.

Berlin (afp) > Leckere Früchte vor allem auf der Packung statt im Produkt, “Mozzarella-Pizza” mit viel Edamer drauf: Solche fragwürdigen Aufmachungen von Lebensmitteln sammelt das Portal lebensmittelklarheit.de des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv). Seit der Gründung vor fünf Jahren wurde fast ein Drittel der dort kritisierten Verpackungen verändert, wie der vzbv zum Jubiläum mitteilte – das sei aber nicht genug. Verbraucher können Lebensmittel, durch deren Verpackung sie sich getäuscht oder irregeführt sehen, auf dem Portal melden. Die Experten sammeln unter der Rubrik “Getäuscht?” Produkte, bei denen sie “ein nachvollziehbares Täuschungspotenzial sehen”, das der Anbieter zu verantworten hat.

Im Durchschnitt wurden 30 Prozent der kritisierten Aufmachungen geändert, wie der vzbv am Mittwoch mitteilte. Im Jahr 2014 seien 124 Produkte “mit Täuschungspotenzial” gemeldet worden, in 30 Fällen – also 24 Prozent – hätten die Hersteller danach die Verpackung verändert und das Portal darüber informiert. Bei Testkäufen und Anfragen an die Firmen seien weitere 29 angepasste Etiketten entdeckt worden, so dass die Änderungsquote insgesamt bei 47 Prozent gelegen habe. Oft werde allerdings die Kritik ignoriert – 2014 etwa in 31 Prozent der Fälle, erklärte der Verband. “Hersteller nutzen den gesetzlichen Spielraum zu oft für ihre Marketingzwecke aus – zu Lasten einer wahren und klaren Information”, monierte vzbv-Vorstand Klaus Müller.

Der “größte Aufreger” für Verbraucher sind irreführende Zutatenversprechen: So sei auf dem Portal etwa ein “Grüner Tee mit Zitrone” gemeldet worden, der mehr Apfelsaft und Apfelsaftkonzentrat als Zitronensaft enthielt. In einem anderen Fall war auf einem Joghurt eine große Vanilleblüte zu sehen, während die Zutatenliste lediglich künstliches Vanillearoma aufwies. Oft beschwerten sich Verbraucher außerdem über Kennzeichnungen, die insgesamt nicht informativ oder transparent genug seien, sowie über Werbung mit Gesundheitsbotschaften. Für Unmut sorgt demnach auch Reklame mit der “traditionellen Rezeptur” eines Produkt, dass aber auch Zusatzstoffe oder stark verarbeitete Zutaten enthält.

Der vzbv erneuerte am Mittwoch seine Forderung, dass wichtige Informationen zu einem Produkt – etwa Name, “realistische Abbildungen” und die enthaltene Menge – stets auf der Vorderseite der Verpackung gezeigt werden. Die Darstellung der Zutaten müsse den tatsächlichen Inhalt widerspiegeln. Bundesernährungsminister Christian Schmidt (CSU) forderte: “Was drauf steht, muss auch drin sein – und umgekehrt.” Er lobte, dass lebensmittelklarheit.de “zu einer etablierten Anlaufstelle” für Verbraucher geworden sei. Das Bundesministerium fördert das Projekt in diesem und den kommenden zwei Jahren mit insgesamt gut 1,7 Millionen Euro.

An dem Portal beteiligen sich neben dem vzbv auch die Verbraucherzentralen in den Ländern. Laut vzbv verzeichnet lebensmittelklarheit.de 80.000 Aufrufe pro Monat. Im Schnitt melden Verbraucher pro Woche 13 Produkte.